Online-Audienz beim Papst

Facebook, Twitter, YouTube – und nun sogar ein eigenes Nachrichtenportal: Mit einem medialen Rundumschlag meldet sich der Heilige Vater in der Welt des Internets zu Wort. Der „Medienpapst“ Benedikt XVI. wolle dort präsent sein, wo sich die Menschen befänden, heißt es aus dem Vatikan. Führen bald nun auch alle Weblinks nach Rom?
  • Papst Benedikt XVI. schaltet Vatikan-Portal news.va via iPad frei. Screenshot aus einem Video der BBC.

 

„Liebe Freunde, ich habe gerade News.va gestartet. Gepriesen sei unser Herr Jesus Christus. Mit meinen Gebeten und Segen, Benedictus XVI.“ So lautet die erste Twitter-Meldung, die Papst Benedikt XVI. am vergangenen Dienstag verschickte. Pünktlich zum 60. Jahrestag der Priesterweihe Benedikts ging am selbigen Tage mit www.news.va die erste hauseigene Multimedia-Nachrichtenseite des Vatikans online.

Eine neue Dimension - aber keine neue Ära

Die Katholische Kirche will auf ihrer Homepage alle vatikanischen Presseorgane bündeln, vom Print- und Onlinebereich bis zu den Radio- und Fernsehmedien. Von einer „neuen Dimension“ der medialen Aktivitäten des Heiligen Stuhls sprach am Dienstag Erzbischof Claudio Maria Celli, der Präsident des Päpstlichen Medienrats. Als Modernisierungsakt will man die Onlineoffensive in Rom aber nicht verstanden wissen: Mit news.va beginne keine neue Ära. Vielmehr wolle die Kirche auch im Zeitalter von Internet und Handy das jugendliche Publikum erreichen und dort präsent sein, wo sich die Menschen befänden.

Das jugendliche Publikum soll erreicht werden - weltweit

Der Vatikan will auf seiner Newsseite nicht nur tagesaktuelle Neuigkeiten aus der Welt der katholischen Kirche verbreiten, sondern auch lehramtliche Verkündigungen und Positionen medial zugänglich machen. Auch nationale und regionale Kirchengemeinden aus aller Welt sollen sich auf der Plattform zu Wort melden dürfen. Als Informationsseite angelegt soll die Seite jedoch keine Konkurrenz zur offiziellen Homepage des Vatikans – www.vatican.va – darstellen, die den Fokus mehr auf die Aktivitäten des Heiligen Stuhls selbst legt.

Bisher nur in englischer und italienischer Sprache verfügbar, soll die Homepage schon „nach dem Sommer“ ins Spanische übersetzt werden. Danach sollen auch weitere Sprachen, darunter Deutsch, Französisch und Portugiesisch, folgen.

Die Onlinepräsenz als wichtiger Beitrag zur Neuevangelisation

Dass Papst Benedikt XVI. den Gang in die Weiten des World Wide Webs wagt, dürfte auf den ersten Blick als unpassend zu seinem als sehr konservativ wahrgenommen Pontifikat erscheinen. Tatsächlich aber fügt sich das Vorgehen des Vatikans nahtlos in das unter Benedikt verstärkt proklamierte Konzept der Neuevangelisation im Westen ein. Und so ist Benedikts „Login“ keineswegs als die Annäherung an die Moderne zu verstehen, die sich so mancher herbeisehnt – sondern als Hinwendung zu den Menschen und ihrer Alltagsrealität. In Zeiten, in denen die Katholische Kirche zunehmend ins Hintertreffen gerät, ein wichtiger wie richtiger Schritt, um auf neuen Wegen das Evangelium zu verkünden und „neue“ Gläubige  zu erreichen.

Päpstlicher Tweet nur eine Eintagsfliege?

„Ich bin so glücklich, dass der Papst Twitter nutzt, um die jungen Leute zu erreichen. Ich denke, das ist der Beginn einer neuen Revolution“ , sagt der Erzbischof von Pretoria (Südafrika), William Slattery. Auch die Begeisterung der Internetgemeinde ist groß. Innerhalb einer Woche hat sich die Zahl der Follower des Twitter-Profils verfünffacht. Doch wer sich erhofft hatte, Benedikt XVI würde nun regelmäßig selbst twittern, dürfte etwas enttäuscht sein: Sein Tweet am Dienstag blieb bisher die einzige persönliche Meldung des Pontifex über den Kurznachrichtendienst. Übrigens: Der Twitter-Account des Vatikans dürfte wohl der einzige sein, der fast 70.000 Follower hat, aber selbst niemandem „folgt“.

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