Olympia und die Religion

Viel wurde vor, während und nach den Olympischen Spielen in Peking über die Menschenrechte in China und die Religionsfreiheit in dem bevölkerungsreichsten Land der Erde geschrieben. Oft wurde die Einschränkung dieser Grundrechte beklagt. Während einheimische Christen teils unter höchster Gefahr heimliche Gottesdienste feiern, konnten die Sportler offener zu ihrem Glauben stehen. Der britische Journalist Stuart Weir war in Peking dabei und berichtet exklusiv für idealisten.net über das Verhältnis von Olympia und Religion.

 

Religion hat die Olympischen Spiele von ihren Anfängen an beeinflusst. Die antiken Spiele wurden zu Ehren des Zeus veranstaltet. Der ursprüngliche Schauplatz, Olympia, hatte seit 1.000 vor Christus als ein Schrein für Zeus gedient. Der Grund, die Spiele später zu verbieten, die von 776 vor Christus bis 394 nach Christus abgehalten wurden, lag darin, dass die heidnischen Rituale unvereinbar mit dem Christentum waren, das im Römischen Reich zur Staatsreligion wurde.

Glaube spielt auch heute eine Rolle

Fast 3.000 Jahre später gibt es immer noch Olympioniken, die aus einer Motivation heraus in den Wettkampf gehen, die aus ihrem Glauben kommt. Catherine Ndereba aus Kenia holte wie bei der letzten Olympiade die Silbermedaille im Marathonlauf der Frauen. Catherines christlicher Glaube prägt ihr ganzes Leben. „Ich habe Jesus Christus als meinen Herrn und Erlöser 1993 kennengelernt, und seitdem ist er mein Freund und Herr in meinem Leben. Ich nehme seine Gegenwart wahr, wenn ich renne, denn ohne ihn kann ich nicht einmal einen Schritt laufen.“ Gefragt, ob sie enttäuscht war, 2008 nur die Silbermedaille erreicht zu haben, antwortete sie: „Ich bin nicht enttäuscht. Gott hat mir eine zweite Silbermedaille gegeben.“

Wenn Olympia frustriert...

Was aber, wenn die olympische Erfahrung in Enttäuschung endet? Nach dem 800-Meter-Halbfinale hieß es in einer Pressemitteilung des britischen Olympia-Verbandes, dass „Marilyn Okoro bestürzt sei, einen Platz im Finale verpasst zu haben“. Vor kurzem hatte Marilyn mir gesagt, sie versuche, ihren Glauben und die Leichtathletik zu verbinden. „Ich renne für Gott und versuche, ihm Ehre zu machen.“ Doch das schirmt einen nicht von Enttäuschungen ab.

"Wenn ich nicht gewinne, ist es gut zu wissen, dass es im Leben größere Dinge gibt."

Katrin Reinert, die in Peking für Deutschland ruderte, machte ebenfalls diese bittersüße Erfahrung: „Es war eine große Enttäuschung für uns, dass wir das Finale nicht erreichten, aber ich habe durch die ganze Erfahrung viel für mich mitgenommen. Mir hat es Spaß gemacht, mit so versierten Leuten zu rudern. Ich genoss die ganze Atmosphäre im olympischen Dorf und die Begegnung mit Olympioniken anderer Sportarten und anderer Länder. Ich glaube, die Erfahrung wird mir in den kommenden Jahren helfen. Wenn ich nicht gewinne, ist es gut zu wissen, dass es im Leben größere Dinge gibt und dass Gott mich liebt, wenn ich eine Medaille gewinne, aber auch wenn ich verliere. Selbstverständlich ist meine Motivation beim Rudern, erfolgreich zu sein und Medaillen zu gewinnen, aber ich tue es auch für Jesus. Ich versuche, mein Training als Gottesdienst zu sehen, den ich Gott bringe.

Geistliche Erfahrung im sportlichen Wettkampf

Sich durch diese Enttäuschung zu arbeiten, während man versucht, Gott Ehre zu machen, ist nicht einfach. Mitten im Stress des größten Wettkampfes ihres Lebens schätzen viele Wettkämpfer die Chance, eine geistliche Erfahrung zu machen – ob nun beim Besuch eines Gottesdienstes, beim schweigenden Sitzen im religiösen Zentrum, beim für sich beten lassen durch Menschen des eigenen Glaubens oder nur dadurch, dass einem jemand zuhört. Seit den Olympischen Spielen von 1988 wird ein Team nationaler und internationaler Geistlicher beim lokalen Vorbereitungskomitee akkreditiert. In diesem Jahr hat das Pekinger Komitee allerdings entschieden, nur chinesische Geistliche zu akkreditieren – ausländische Geistliche bekamen keine Akkreditierung.

Glaube als Teil von Olympia

Am 16. August schrieb „China Daily“ – eine staatliche Propagandazeitung – einen Artikel unter der Überschrift „Religiöses Zentrum leistet Beistand“, in dem es hieß, dass 665 Athleten und Offizielle aus mehr als 50 Ländern und Regionen das Religiöse Zentrum besucht hätten. Betreut worden seien sie von 69 „professionellen ehrenamtlichen Gottesdienstmitarbeitern“, die „rund um die Uhr Gottesdienste gehalten haben“. Andererseits lieferte die Washington Post am 14. August die Überschrift: „Sind einige Olympioniken mit dem Religiösen Zentrum unzufrieden?

Glaube als Teil der olympischen Erfahrung

Mit Unterstützung des Nationalen Olympischen Komitees haben ein paar ausländische Geistliche Tagesgenehmigungen bekommen, mit denen sie ins Olympische Dorf durften, um geistliche, emotionale, pastorale und soziale Unterstützung den Olympioniken anzubieten, die das suchten. Persönlich möchte ich sagen, dass ich verschiedene Reaktionen von Christen im britischen Team habe, die sagen, wie viel es ihnen bedeutet, dass ich für sie bete. Insgesamt bleibt religiöser Glaube ein Teil der ganzen olympischen Erfahrung.

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