Nur eine Schale Reis am Tag
Für die meisten von uns ist das schwer vorstellbar: nur eine Handvoll Reis am Tag zum Essen zu haben. Doch etwa einem Drittel der Weltbevölkerung steht nicht mehr zur Verfügung. Um darauf aufmerksam zu machen, hat die „Micha-Initiative“ der Deutschen Evangelischen Allianz zusammen mit der Aktion „Eine Schale Reis“ dazu aufgerufen, vom 9. bis 16. Oktober täglich nur eine Schale Reis zu essen. Deutschlandweit beteiligten sich rund 100 Gruppen und Gemeinden an der Aktionswoche „REICHT FAST(EN)?“. Auch Alexander Gentsch (28), Deutschland-Koordinator der Initiative, hat dabei mitgemacht.
Sonntag, 15:45 Uhr
Eine Schale Reis. Basmati-Reis. Ungekocht 100 Gramm. Ab jetzt eine Woche lang. In Leipzig machen noch andere mit. Wir wollen uns in dieser Woche jeden Abend zum Austauschen und Beten treffen.
Montag, 11:00 Uhr
Mein Magen knurrt. Habe heute noch nichts gegessen. Entdecke, dass es auf Facebook und in Blogs von Teilnehmern erste Rückmeldungen gibt. Der Gedanke, dass deutschlandweit rund 100 Gruppen und Gemeinden mitmachen, motiviert. Bin gespannt.
Dienstag, 17:15 Uhr
Bin müde und unkonzentriert. Die Telefonkonferenz mit dem Organisations-Team unserer Aktionswoche war dadurch allerdings eher unterhaltsam. Wir freuen uns, dass sich einige Medien für unsere Aktion interessieren. Unter anderem kommt morgen ein sächsischer Privatsender ins Büro. Heute Abend gibt es ein Interview in einem christlichen Jugendsender.
Mittwoch, 13:10 Uhr
Es geht etwas besser. Für einen kurzen Zeitraum mag sich der Körper auf eine Schale Reis am Tag einstellen können, aber von diesem Nährwert den Alltag bestreiten? Gestern wurde der Welternährungsbericht veröffentlicht. Trotz leichter Fortschritte scheint das Ziel der Vereinten Nationen, den Hunger bis 2015 zu halbieren, leider unrealistisch. Der Anbau von Pflanzen, die nicht der Ernährung, sondern der Herstellung von Biosprit dienen, Spekulationen auf Agrarprodukte, die Finanzkrise und der Klimawandel haben die Lebensmittelpreise weltweit in die Höhe getrieben.
Donnerstag, 18:15 Uhr
Fühle mich schlapp, manchmal sogar schwindelig. Habe noch manches für den Abschlussgottesdienst der Aktionswoche in Berlin vorzubereiten.
Freitag, 11:30 Uhr
Ein Mitglied des Micha-Arbeitskreises ist gerade aus Ostafrika zurück und berichtet telefonisch über das Projekt in Somalia, für das wir beim Abschlussgottesdienst die Kollekte sammeln wollen. Er betont, dass wir neben Nothilfe und langfristigen Projekten auch politische Arbeit brauchen, um Hunger nachhaltig zu bekämpfen.
Samstag, 15:30 Uhr
In Berlin und hungrig. Besprechen, was wir noch alles für den morgigen Gottesdienst besorgen und organisieren müssen.
Sonntag, 20:30 Uhr
Der zentrale Abschlussgottesdienst in Berlin geht zu Ende. Das Thema war – wie in der gesamten Aktionswoche – „Fasten, wie es Gott gefällt“ (Jesaja 58,6). Unser geistliches Leben hat letzen Endes auch etwas mit dem Einsatz für Gerechtigkeit zu tun. Unsere Liebe zu Gott und unsere Liebe zum Nächsten lassen sich nicht voneinander trennen. Das ist mir in der Woche noch einmal deutlicher geworden. Wenn ich Gott ernsthaft für mein Essen danke, kann es mich doch nicht kaltlassen, dass große Teile der Weltbevölkerung, die Gott ganz genauso liebt wie mich, so wenig haben, dass es eben nicht für ein menschenwürdiges Leben reicht. Ich entdecke den Schriftzug „Hoffnung“, der in großen Buchstaben im Kirchenschiff hängt. Das macht Mut. Mit Gott können wir etwas zu mehr Gerechtigkeit beitragen. Seltsam fühlt es sich trotzdem an, als wir nach unserem freiwilligen Selbstexperiment am Buffet unser Fasten brechen und der Welt des Hungers mal eben wieder entfliehen ...
Armut und Hunger weltweit bis 2015 halbieren – hinter dieses Versprechen der Vereinten Nationen haben sich im Jahr 2000 nahezu alle Staaten der Erde gestellt. Die „Micha-Initiative“ der Evangelischen Allianz ist eine weltweite Kampagne von Christen, die sich dafür einsetzen, dass diese Versprechen umgesetzt werden. Sie wollen Gerechtigkeit als biblisches Thema (neu) entdecken.
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