Neue Kinder braucht das Land (Teil 2)

Die demografische Notlage in Deutschland wächst zusehends. Doch wie sollen Politik und Gesellschaft der Herausforderung eines geburtenarmen Volkes begegnen? Was wird bereits unternommen? Was könnte darüber hinaus getan werden? Und was können wir von unseren Nachbarländern lernen?
  • Mehr Kinder braucht dieses Land - doch wie kann der Staat Eltern zum Kinderkriegen motivieren? Foto: S. Hofschlaeger/pixelio.de

 

Ein „Begrüßungsgeld“ für Neugeborene hat Johannes Singhammer, der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag vor ein paar Tagen gefordert. Der Mangel an Fachkräften, über den die Politik in den letzten Wochen ausgiebig diskutiert, sei in erster Linie dem Geburtenrückgang zuzuschreiben. „Nur mehr Kinder in Deutschland können die Zukunftsprobleme, darunter die Arbeitsmarktprobleme, wirklich lösen“ erklärte der CSU-Politiker. Dem „dynamischen Aussterben der Deutschen“ solle die Politik mit einer Offensive für mehr Kinder entgegensteuern. Doch wie? Ein Blick aufs Nachbarland Frankreich – wo die Geburtenrate floriert.

Frankreich fördert Kinderkriegen – mit Erfolg

Die Franzosen haben schon lange eine Vorbildsfunktion inne, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie angeht: Der Gesetzgeber hat eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um gezielt Anreize fürs Kinderkriegen zu schaffen und Eltern, insbesondere Frauen, den Spagat zwischen Familie und Arbeit zu erleichtern. So etwa ein bezahlter Mutterschaftsurlaub über 16 Wochen für alle Angestellten. Dazu zumeist kostenlose oder stark subventionierte Kindertagesstätten. Kindergeld gibt es erst mit dem zweiten Kind und es steigt mit dem dritten Kind an – der Staat fördert so bewusst Familien, die sich für mehr als zwei Kinder entscheiden. Familien mit drei oder mehr Kindern können zudem einen „Auffüllungsbetrag“ von 153€ beantragen. Das trägt Früchte: In Frankreich gilt die Zahl kinderreicher Familien als herausragend hoch.

Darüber hinaus wird im siebten Schwangerschaftsmonat eine einmalige Geburtsprämie von 845€ ausgezahlt. Zudem steht den Eltern in den ersten drei Lebensjahren des Kindes eine „monatliche Kinderbeihilfe“ von 169€ zur Verfügung. Der „Beitrag zur freien Wahl der Erwerbstätigkeit“ unterstützt diejenigen Eltern finanziell, die sich wegen dem Baby eine Auszeit vom Job nehmen müssen. Damit soll jungen Eltern ein sozialer Sicherheitsstandard geschaffen werden, der Existenzängste aus dem Weg räumt und so die Lust aufs Kinderkriegen fördert. Auch in den skandinavischen Ländern haben Politik und Wirtschaft ein soziales Netz geschaffen, das es Eltern spürbar erleichtert, sich für Kinder zu entscheiden. Doch wie sieht es in Deutschland aus?

Das deutsche Elterngeld

Im Vergleich zu der ausgeklügelten Familienplanungspolitik der Nachbarländer gibt Deutschland ein schlechtes Bild ab, was eine kinderförderliche Politik anbelangt – noch. Obgleich die Politik der bedrohlichen Thematik kaum genügend Aufmerksamkeit schenkt, werden bereits einzelne Initiativen in Angriff genommen. Zum Beispiel das Elterngeld, das maximal 14 Monate lang an Eltern mit kleinen Kindern ausbezahlt wird: Es dient folgendem Zweck: Bei der Geburt eines Kindes muss zumeist ein Partner seinen Job vorübergehend aufgeben – die Folge ist ein dramatischer Einkommensverlust, wodurch für manche Paare der Reiz des Kinderkriegens verfliegt. Dem will die Bundesregierung damit entgegenwirken, das Einkommensniveau der Eltern durch das Elterngeld weitgehend zu erhalten, um einen Anreiz für Nachwuchs zu schaffen. Dabei werden in den meisten Fällen 67 Prozent des vorherigen Einkommens von staatlicher Seite ausgezahlt, bei besonders niedrigen oder besonders hohen Löhnen greift eine Pauschale. Das Elterngeld gibt es auch in anderen europäischen Ländern, etwa in den skandinavischen Ländern sowie in Estland.

Ein Ausbau von Kindertagesstätten ist notwendig

Mehr Kinderbetreuungsangebote könnten besonders Frauen, die bislang keine Kinder haben dazu anregen, schwanger zu werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach steige die Wahrscheinlichkeit einer Entscheidung zum Kinderkriegen um neun Prozent. Denn kinderlose Frauen haben überdurchschnittlich hohe Bildungsabschlüsse und verdienen so auch mehr. Ein Kind zu bekommen, würde daher oft mit einem hohen Einkommenseinbruch einhergehen. Staatliche Betreuung würde diese Sorgen aus dem Weg räumen, stellt das DIW abschließend fest.

Bundesfamilienministerin Schröder (CDU) hat sich deshalb ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2013 soll es für jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Betreuungsmöglichkeit in Kindertagesstätten geben. Schon unter Amtsvorgängerin von der Leyen (ebenfalls CDU) wurde der Fokus staatlicher Familienpolitik gezielt auf die KITA gesetzt. Gerade für Anhänger eines konservativeren Familienbildes ist das schwer zu verdauen: Doch im Sinne einer Eindämmung des Geburtenproblems sind die Kindertagesstätten unerlässlich – Eltern sollte zumindest die Möglichkeit geboten werden.

Den Ernst der Lage begreifen

Um die demographische Katastrophe, die Deutschland droht, in den Griff zu bekommen, bedarf es allerdings mehr als nur Kindertagesstätten. Der Staat muss den Eltern auch über das Elterngeld hinaus finanzielle Anreize fürs Kinderkriegen in Aussicht stellen – etwa Steuersenkungen pro neugeborenem Kind oder die französische Variante, gezielt das dritte Kind zu subventionieren.

Hinzu kommt auch die Abtreibungsproblematik: Abseits von ethisch-religiöser Bedenken kann es sich die deutsche Gesellschaft schlicht nicht leisten, auf jährlich weit mehr als hunderttausend Kinder zu verzichten: Die acht Millionen abgetriebenen Kinder seit 1974 fehlen dem Sozialsystem und verschlimmern das demographische Dilemma ungemein: Ein Staat, der sich dem Problem des schrumpfenden Volkes annehmen will, kann hier nicht tatenlos zusehen.

Deutschland muss umdenken

Vor allem aber braucht Deutschland auch einen Mentalitätswandel hin zu einer Auffassung, die Kinder und Familie wieder in den Mittelpunkt der Selbstverwirklichung stellt. Kinder und mit ihnen auch der Fortbestand unserer Gesellschaft müssen wieder Priorität haben gegenüber hedonistischen Werten. Wir Deutschen sollten uns bewusst darüber werden, dass eine Gesellschaft ohne Kinder keine Zukunft hat und langfristig ausstirbt. Wollen wir das wirklich?

 

Du hast den ersten Teil unseres Demografie-Speciasl noch nicht gelesen? Dann klich hier.

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8 Kommentare wurden bereits abgegeben

  • 8.  
    schrieb am 23.08.2010 11:15

    Die Probleme, die es in Deutschland derzeit mit Muslimen gibt, können doch nicht durch eine hohe Geburtenrate ausgemerzt werden. Es würde zwar unseren Bevölkerungsanteil steigern, aber in absoluten Zahlen würde sich an der Problematik nichts verändern.

    Viel mehr geht es doch darum, auch Muslimen mit Liebe zu begegnen. Wir haben eine durchschlagende und heilende Botschaft. Diese in Liebe weiterzugeben (und trotzdem keinen Aufzuzwingen) bringt bestimmt mehr, als zu versuchen, sie zahlenmäßig auszumerzen.

    Außerdem: In islamischen Ländern ist ein Wachstum in christlichen Gemeinden zu verzeichnen, das kann man ja von Deutschland nicht behaupten.

  • 7.  
    schrieb am 20.08.2010 09:11

    Lukas, nur damit ich dich richtig verstehe: Dein Hauptargument contra demographischen Wandel ist NUR die zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber Muslimen in Deutschland.

     

    Also die Diskussionen "wer pflegt die Alten", "wer bezahlt die Rente" etc. brauchen wir hier gar nicht aufmachen?

     

    Und du vergleichst die Lage heute mit der, als islamische Staaten in der Weltgeschichte gegen Europa marschiert sind. Zudem führt eine muslimische Mehrheit für dich automatisch zu Einführung von Sharia, Steinigung etc.

     

    Für dich muss man den Koran wörtlich lesen. Keine Exegese und Applikation wie bei der Bibel, sondern quasi auch alle Völkermord-Geschichten des Volkes Israel wörtlich übertragen. Du unterstellst, dass alle Glaubensrichtungen im Islam das genau so tun.

     

    Falls ich dich jetzt falsch verstanden habe, klär mich nochmal auf. So lege ich das mal zu Grunde:

     

    - ich bleibe mal in deiner Logik. mit allem, was du in den beiden Artikeln vorschlägst, treibst du doch die Fruchtbarkeit von Muslimen ebenso voran wie der Deutschen? Worum es dir aber geht ist, dass Deutsche Frauen (und du meinst von der Rasse und nicht vom Pass, denn die ganzen Eingebürgerten sind ja weiter von falscher Kultur) mehr Kinder bekommen. Was machst du denn da?

     

    Für mich ist die Agenda, wo ich dir widerspreche, etwas länger:

    - Krieg wird nie aus religiösen, sondern NUR aus wirtschaftlichen Gründen (oder zumindest Umständen) geführt. Die Kreuzzüge konnten erst durchgeführt werden, als die notwendigen finanziellen Mittel durch ein ausgebautes Handels- und Bankwesen acquiriert werden konnten. Davor hat auch kein Papst danach gerufen.Das osmanische Reich hat sich politisch ausgebreitet. Ebenso war die Verteidigung Wiens auch nicht religiös begründet, warum sonst hätten die sämtlich christlichen STaaten Europas 500 Jahre immer wieder Krieg gegeneinander geführt?

    - die Auslegung des Islam ist in islamischen Staaten sehr unterschiedlich. Nimm mal die Burka: in der Türkei in der Öffentlichkeit verboten, in den Emiraten geduldet, in Afghanistan vorgeschrieben. Vielleicht kannst du allein daraus rückschließen, dass die Muslimen keinen Papst haben und die Religion zersplitterter ist als die Freikirchen in der Allianz

    - da kommen wir auch gleich zum Koran. Ich war in Arabien und ich habe mit vielen sehr gläubigen Menschen dort gesprochen. Die Auslegung des Korans ist dort noch weiter gefächert als bei uns die Bibel (zwischen EKD und Evangelikalen).

     

    Also wenn es dir eigentlich gar nicht um die Demografie an sich geht, sondern um die Abwehr des Islam, warum schreibst du darüber kein Special? Da könnten wir auch etwas weiter gehen - was hältst du zum Beispiel von massiver Assimilation? Wir definieren unsere Leitkultur, werfen unsere Grundrechte über Bord und sagen jedem Ausländer in Deutschland, dass er sich entweder uns anpassen kann oder das Land verlassen soll? Wäre das so dein Schlag? das wäre nämlich viel einfacher als über Jahrzehnte mehr Kinder zu gebieren als die verdammt fruchtbaren Migranten.

  • 6.  
    schrieb am 19.08.2010 20:09

    Dossier, wie ich das aus deinem Beitrag herauslese, sollen wir also seelenruhig abwarten, wie sich der Islam in Europa verbreitet, zur Staatsreligion wird und dann dominiert? Nein, danke. Jeder der den gewaltsamen, totalitären, menschenverachtenden Charakter dieser "Religion" und ihrer Heiligen Schrift kennt, kann und darf nicht zulassen, dass sich diese "Religion" in Deutschland ausbreitet. Kleiner Tipp: Die Lektüre des Korans oder zumindest einiger ausschlaggebender Suren wirkt Wunder.

     

    Europa stand schon mehrmals unter der Bedrohung islamischer Herrschaft - dank den Ferdinand & Isabella in Spanien und den Polen, die dem belagerten Wien zur Hilfe eilten, hat das christliche Abendland diese Bedrohungen überstanden - und an einer Wiederholung der Geschichte habe ich kein Interesse. Du solltest die Thematik nicht mit zu rosaroter Brille betrachten. Ich jedenfalls habe keine Lust darauf, in meinem Land von islamischen Eigenheiten wie Burka, Scharia, Ehrenmord, Steinigung und Frauenunterdrückung "bereichert" zu werden. Und ich gebe unumwunden zu: Vor dieser Kultur habe ich Angst.

     

    Die Zustände in Afrika sind freilich bedauerlich, haben mit dem Thema aber nicht das Geringste zu tun. Bevor wir uns darum kümmern, wie hoch christliche Werte in Burkina Faso gehalten werden, sollten wir uns zuhause um den Erhalt der abendländischen Leitkultur kümmern. Einen Beitrag dafür leisten wir durch eine hohe Geburtenrate.

  • 5.  
    schrieb am 19.08.2010 10:29

    Hey Lukas,

     

    aus deinen zwei Artikeln - und den zwei Kommentaren spricht vor allem die Angst vor dem Islam. Angst ist nie ein guter Ratgeber und entschuldige bitte die Polemik, aber mit der Angst vor dem Islam in Deutschland bescheinigst du nur, deinen Blick nicht über Berlin hinaus zu bekommen.

     

    In Afrika finden in dieser Minute die blutigsten Konflikte seit dem zweiten Weltkrieg statt - und niemand greift ein, weil China mit den meisten obsiegenden Regimen Rohstoffabkommen geschlossen hat und im Weltsicherheitsrat entsprechend Resolutionen verhindert (z.B. Darfur, Kongo etc.) Gleichzeitig kaufen die Chinesen die verbleibenden landwirtschaftlichen Flächen v.a. an Afrikas Ostküste auf, um Landreserven zur Versorgung der eigenen Bevölkerung zu haben.

     

    Was heißt das alles? Nicht das die Moslems in 10 Generationen in Deutschland vllt. 15% der Bevölkerung stellen, sondern dass schon heute unsere christlichen, abendländischen Werte nicht mehr die Weltpolitik bestimmen. Menschenleben werden wieder billig und wenn du mal eine Frau sehen willst, die solange vergewaltigt wurde, bis ihre Geschlechtsorgane sich nach außen stülpen, dann geh genau dorthin, wo afrikanische Regime wissen, dass sie in Zukunft IMMER mehr Waffen und Ressourcen haben werden (wegen des chinesischen Back-ups) und keine Gnade mehr walten lassen.

     

    Sorry Lukas, wenn du die Völkerwanderungen über die Jahrhunderte gesehen hast (allein mal die letzte Zeit die Hugenotten nach Deutschland), dann siehst du, dass Kultur und Religion immer auf der Wanderung sind. Eine Kultur wird dominant, wenn sie attraktiv ist und nicht, wenn wir sie mit Regeln versuchen durchzusetzen. Sonst hätte sich das Christentum nie etabliert, denn du weißt, dass es im Anfang eine verfolgte Kultur war. Aber sie war attraktiv, daher wurde sie verbreitet, dann Staatsreligion und dann dominant.

     

    Also: die Zahl unserer Bevölkerung ist mir total Schnuppe, die Deutschen waren im Deutschen Bund gerade mal 29 Mio und sidn trotzdem nicht vor Einsamkeit gestorben...

  • 4.  
    schrieb am 19.08.2010 09:26

    Eine automatische E-Mail-Benachrichtigung für die Autoren eines Beitrags bei Abgabe eines Kommentars ist bereits in Bearbeitung...

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