Musiker mit Leib und Seele: Switchfoot
Mit über fünf Millionen verkauften Alben ist Switchfoot eine der erfolgreichsten christlichen Bands überhaupt. Die fünf Kalifornier geben Konzerte auf der ganzen Welt und haben den Soundtrack für die Hollywoodfilme "Nur Mit Dir" und "Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia" beigesteuert. Kürzlich kamen die Musiker für einige Shows nach Deutschland und zum schweizer Springtime-Festival. Für idealisten.net gaben Tim Foreman, Drew Shirley, Jerome Fonatamillas und Chad Butler ein exklusives Interview.
idealisten.net: Wie gefällt es Euch in Europa?
Tim: Wir sind ja nicht zum ersten Mal hier, wir waren vor knapp zehn Jahren schon mal in der Schweiz, genau hier in Frauenfeld. Und ich bin gerade noch mal da lang gelaufen, wo wir damals schon gelaufen sind. Frauenfeld ist genau so, wie ich mir die Schweiz immer vorgestellt habe: Blumen vor den Fenstern, es gibt einen kleinen Fluss, die Häuser sind wunderschön, die Menschen auch, sie sind total nett – es ist wunderbar hier!
Jerome: Wann ziehen wir hier hin?
Auf dieser Tournee wart Ihr jetzt schon in England, Deutschland, der Slowakei und der Schweiz. Wie unterscheidet sich das Publikum in den verschiedenen Ländern?
Tim: Das ist eine der interessantesten Sachen, wenn man auf Welttournee ist, denn die Leute, die zu den Shows kommen, machen schon die halbe Show aus. In der Slowakei, wo wir noch nie vorher gewesen waren, haben wir vor 10.000 Leuten gespielt – und alle konnten die Lieder mitsingen. Wir waren total beeindruckt! Das hatten wir nicht erwartet.
Drew: Bei uns gibt es ein Wort namens „awesome“ (fantastisch, großartig, Anm. d. Red.) - das beschreibt es am Besten!
Tim: Und davor, in Deutschland, haben wir in diesem winzigen Club gespielt, und es waren ungefähr 400 Leute da. Dabei hätte ich gedacht, dass da höchstens 50 Leute reinpassen, es war unglaublich voll. Es war total anders als in der Slowakei, aber genau so toll. Die Leute, die zu unseren Konzerten kommen – wenn sie dann unsere Lieder mitsingen, bedeutet uns das alles!
Als Ihr angefangen habt, mit Switchfoot Musik zu machen – was waren da Eure Ziele?
Chad: Alles geht zurück auf unsere Lieder. Wir lieben es, Lieder zu spielen, an die wir glauben. Und das auf einer Bühne zu tun, ist eine Chance, mit Leuten in Verbindung zu kommen. Das war von Anfang an unsere Motivation. Wir hatten gar nicht unbedingt vor, das als Job zu machen – wir wollten einfach nur mit Leuten kommunizieren, und ich glaube, das ist immer noch unser Ziel. Mit Leuten über Musik eine Verbindung aufzubauen ist eine sehr kraftvolle Möglichkeit, um mit ihnen über das Leben zu sprechen. Und manchmal kann man mit der Musik sogar über Dinge sprechen, über die es einem noch nicht mal leicht fällt, mit dem besten Freund zu reden. Aber irgendwie schafft es ein Lied, unter die Oberfläche zu dringen. Das ist es, was uns antreibt. Außerdem ist es eine riesengroße Ehre, mit deinen besten Freunden zu reisen und dabei die Welt sehen zu dürfen. Nicht viele Bands können das. Dafür sind wir sehr dankbar.
Bei Euch schreibt Jon Foreman die meisten Lieder. Oft drückt er dabei die Situation aus, in der er sich gerade persönlich befindet. Oft geht es auch um innere Kämpfe. Wenn Ihr die Lieder dann spielt, könnt Ihr sie zu Euren eigenen Liedern machen, oder begleitet Ihr einfach nur Jon dabei, Geschichten aus seinem Leben zu erzählen?
Drew: Das wunderbarste an Liedern ist, dass sie eine total unterschiedliche Bedeutung für jeden einzelnen haben können. Das selbe Lied kann zwei oder drei oder fünf unterschiedliche Botschaften haben, je nachdem wer das Lied hört. So geht es mir jedenfalls mit vielen unserer Lieder. Und ich glaube, dass Jon die Gabe hat, Lieder zu schreiben, mit denen sich viele Leute identifizieren können. Vielleicht verstehe ich ein Lied sogar total anders, als es ursprünglich gemeint war, aber das macht überhaupt nichts – das ist eine der tollsten Sachen der Welt und eine Besonderheit von Musik. Sogar wenn wir in anderen Ländern spielen, in der Slowakei oder in Deutschland bedeutet den Leuten unsere Musik etwas – ich frage mich manchmal, was das ist. Aber es ist total cool. Es ist einfach eine große Ehre, Musik zu machen, die Herzen berührt. Und auch wenn ich die Texte nicht selbst geschrieben habe fühle ich mich geehrt, damit mein Geld zu verdienen. Das ist ein Geschenk.
Ihr habt sieben Alben veröffentlicht, habt auf der ganzen Welt Konzerte geben und Soundtracks für Hollywoodfilme gemacht – gibt es überhaupt noch Ziele, die Ihr nicht erreicht habt?
Tim: Wir wollen auf den Mond. Aber das ist noch in Arbeit.
Jerome: Ich sage den Leuten immer, dass das noch ein bisschen dauert.
Drew: Mein persönlicher Traum ist es , ein Mal Roger Federer im Tennis zu schlagen. Und Robin Söderling hat mir gezeigt, dass es machbar ist! Deshalb wird er mich trainieren.
Was macht Ihr den ganzen Tag, wenn Ihr auf Tour seid?
Tim: Wir arbeiten eigentlich immer an neuen Liedern. Deshalb freuen wir uns auch immer schon auf den Soundcheck, um die Sachen auf der Bühne auszuprobieren, die wir geschrieben haben. Ansonsten habe ich immer was zu Lesen dabei. Man versucht, Sachen zu machen, die einen ablenken. Ich höre auch viel Musik, vor allem von Bands aus der Gegend, wo wir gerade sind, um ein bisschen in die lokale Musikszene einzutauchen. Außerdem probiere ich gern das Essen in den verschiedenen Städten, wenn wir um die Welt reisen. Und ich versuche immer das fotografisch festzuhalten, was die Stadt ausmacht, in der wir gerade sind, was sie einzigartig macht.
Wovon habt ihr geträumt, als Ihr aufgewachsen seid? Wolltet Ihr immer schon Rockstars werden?
Drew: Ich habe eigentlich nie davon geträumt, aber ich habe mein ganzes Leben lang schon Musik gemacht. Irgendwann hat mein Vater mir geraten, ich solle mir einen Beruf suchen, der mich ausfüllt, weil jeder Mensch arbeiten muss und es schade ist, wenn man seine Arbeit nicht mag. Du kannst zwar viel Geld als Arzt verdienen, aber wenn dir deine Arbeit nicht wenigstens ein bisschen Spaß macht, dann ist es das nichts wert. Da habe ich zu ihm gesagt, OK, wenn das so ist, dann möchte ich Musiker werden. Und er hat gesagt, wirklich? Vielleicht solltest Du dir das doch noch mal durch den Kopf gehen lassen. (lacht) Aber ich habe gesagt, dass es das ist, was mich ausfüllt. Ich mag es, Musik zu machen und das Schauspielern, und das habe ich dann auch gemacht. Ich glaube, der Ratschlag, den mir mein Vater damals gab, war gut. Wenn also jemand davon träumt, etwas zu machen, selbst wenn er dabei nicht viel Geld verdient, aber weil ihm diese Arbeit Spaß macht, dann ist es das wert. Ich würde auch ohne Bezahlung Musik machen und kostenlos nach Europa kommen und spielen. Diesen Job macht man, weil man ihn liebt, weil man dafür brennt und weil er einem Spaß macht.
Tim: Ich wollte immer Surfer werden, aber das hier ist fast genau so gut.
Chad: Das oder Astronaut.
Jerome: Ich musste früher immer Kühe melken. Da habe ich mir gedacht, dass Musikmachen bestimmt mehr Spaß macht.
Danke für das Interview.
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