Amnesty International: Moral als höchster Maßstab
Seit einem halben Jahrhundert kämpft Amnesty International nun schon weltweit für die Einhaltung der Menschenrechte. Christenverfolgung, Streubomben oder Schutz von Minderheiten – Amnesty ist humanitärer Vorreiter unter den Nicht-Regierungsorganisationen. Überschattet wird das diesjährige Jubiläum jedoch von zwei peinlichen Personalpossen.
In 58 Staaten ist Amnesty International (AI) mit ländereigenen Sektionen vertreten. Die deutsche Sektion war nach der Gründung der Organisation 1961 die erste international anerkannte weltweit. Weltweit ist die oberste Entscheidungsinstanz der Internationale Rat, dessen Mitglieder von den einzelnen Ländersektionen gestellt werden. Alle zwei Jahre werden hier Schwerpunkte bei Politik und Arbeitsweisen festgelegt. Das vom Rat gewählte Exekutivkomitee, dem zurzeit Generalsekretär Salil Shetty aus Indien vorsteht, kümmert sich um die Tagesgeschäfte.
Vorrangig in westlichen Ländern fest vertreten
Obgleich mehr als drei Millionen Mitglieder in über 150 Staaten die Menschenrechtler von Amnesty International unterstützten, ist die Organisation vorrangig in Ländern der westlichen Welt fest vertreten. Kein Wunder: Diktatoren, Despoten und Kriegsverbrecher haben wahrlich kein Interesse daran, dass Ihnen jemand auf die Finger schaut, wenn Sie Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen.
Sieben Ziele
Doch es muss nicht gleich ein Völkermord sein, der Amnesty International auf den Plan ruft. Sieben Ziele formuliert die Organisation unter dem Aspekt „Gerechtigkeit globalisieren!“. Darunter finden sich die Forderung nach gegenseitiger Toleranz, die Forderung nach Gerechtigkeit, die Sicherstellung der körperlichen und geistigen Unversehrtheit der Menschen oder auch die Förderung von wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten.
Christen in manchen Ländern besonders gefährdet
Ein Schwerpunk ist auch der Kampf für Religionsfreiheit. Die Organisation Open Doors hat im Weltverfolgungsindex 2011 eine Rangliste aufgestellt, die zeigt, in welchen Ländern Christen besonders gefährdet sind. In keinem Land werden Christen so hart bestraft wie in Nordkorea. Dahinter folgen die theokratisch-autoritären Regime Irans und Saudi-Arabiens. Afghanistan findet sich ebenfalls auf einem der vorderen Plätze. Aber auch in aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie Indien bedrohen radikale Hindu-Extremisten die freie Religionsausübung von Christen.
Menschenrechte und Religionsfreiheit eng verknüpft
„Menschenrechte und Religionsfreiheit haben einen gemeinsamen Ursprung. Die ersten Menschenrechtskataloge entstanden in Frankreich im Kampf gegen eine alles beherrschende Kirche“, heißt es von Seiten Amnesty Internationals. „In den USA wurden sie von Menschen formuliert, die zum Teil vor der Religionsverfolgung in Europa geflohen waren. So hat die Forderung nach Religionsfreiheit die Entwicklung des Menschenrechtsgedankens mitbestimmt.“
Aktuell: Unterstützung der Aufständischen in Syrien und Libyen
Im Zentrum der Arbeit steht im Moment vor allem aber die Unterstützung der Protestbewegung gegen das Regime von Bashar al-Assad in Syrien. Auch die Rebellen, die sich gegen Lybiens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi stellen und für Menschenrechte stark machen, werden von AI unterstützt. Dies geschieht hauptsächlich in Form von Briefaktionen, Petitionen und Appellen an nationale Regierungen oder andere Verantwortliche.
Ob homosexuelle Paare, kritische Journalisten oder einfach bloß Anhänger der Demokratie, die der Willkür der herrschenden Klasse schutzlos ausgeliefert sind – in vielen Fällen konnten bereits inhaftierte Menschen gerettet werden, denen sonst eine lange Haft- oder in manchen Fällen sogar die Todesstrafe gedroht hätte. Für die Bemühungen um eine bessere, tolerantere Welt erhielt Amnesty International 1977 völlig zu Recht den Friedensnobelpreis - Moral und politischer Einfluss dienen als effektive Waffe.
Gekündigt während des Mutterschutzes
Viel ist getan, viel bleibt noch zu tun. Und da passt es nicht so Recht zur gegenwärtigen Feierstunde, dass zwei peinliche Possen um Posten und Gehälter durch die Medien gehen. Die erste dreht sich um die bis vor kurzem noch amtierende Geschäftsführerin von AI in Deutschland, Monika Lüke. Erst 2009 ins Amt gewählt, stimmte der Vorstand Anfang Juni – während sich Lücke selbst im Mutterschutz befand – einstimmig für eine Freistellung der 42jährigen.
Die studierte Völkerrechtlerin warf AI vor, sie nur deshalb aus dem Amt gedrängt zu haben, weil sie sich während ihrer Amtszeit für ihr Kind entschieden habe. Doch Vorstandssprecher Stefan Keßler weist die Vorwürfe zurück. Der Streit habe nichts mit politischen, sondern rein mit organisatorischen Fragen zu tun. Er fügt hinzu: „Sie hat sich strafrechtlich nichts zuschulden kommen lassen. Sie hat keine goldenen Löffel geklaut oder ähnliches." Lükes Stellvertreter Wolfgang Grenz hat derweil die Amtsgeschäfte übernommen.
600.000 Euro Abfindung für Generalsekretärin
Die deutsche Debatte folgt den mehr oder minder brisanten Enthüllungen, dass AI der ehemaligen Internationalen Generalsekretärin Irene Khan und dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees, Peter Parker, außerordentlich hohe Abfindungen gezahlt hat. So erhielt Khan, deren Jahresgehalt bei 132.490 Britischen Pfund (rund 150.000 Euro) lag, beim Verlassen mehr als vier Mal so viel, nämlich 533.103 (rund 600.000 Euro) Britische Pfund. AI war das Bekanntwerden derart peinlich, dass sich die Organisation genötigt sah, öffentlich zu erklären, dass die Zahlungen zwar in ihrer Höhe eine Ausnahme seien, aber auf vertraglich zugesicherten Vereinbarungen beruhten. Zum Vergleich: Monika Lüke hat in ihrem Jahr als Vorsitzende ein Jahresgehalt von 80.000 Euro bezogen – zugegeben mit deutlich weniger Verantwortung.
So war die Affäre Khan – auch wenn sie schwierig für die Arbeit von Amnesty International gewesen sein mag – notwendig und wichtig. Auch die Debatte um Monika Lüke zeigt: Eine Organisation, die anprangert, muss auch für sich selbst Transparenz und Moral zum höchsten Maßstab erheben. Selbst wenn dieser Weg manchmal steinig ist.
1 Kommentar wurden bereits abgegeben
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1.schrieb am 22.06.2011 13:44
Amnesty als Verteidiger von Menschenrechten ist jawohl ein Hohn!
Zu den sogenannten "Menschenrechten" zählt ai auch das "Recht auf Abtreibung" und kritisiert offen Länder, die Gesetze zum Schutz des ungeborenen Lebens geschaffen haben und stellt diese auf eine Stufe mit menschenverachtenden Regimen.
Für Amnesty gilt das Recht auf Leben nur für einen ausgewählten Kreis von Menschen und nicht für alle.
Eine Unterstützung für ai kommt daher für einen Christen nicht in Frage.


