Mit der Popakademie ins Showbiz
Deutschland sucht den Superstar. Die Show zieht jährlich Millionen Zuschauer in ihren Bann. Silke Held allerdings geht davon aus, dass die Zeit der bekannten TV-Castings bald zu Ende sein wird. Die Studentin der Popakademie in Mannheim ist sich sicher: Diese Instantkarrieren sind nur von kurzer Dauer und ohne langfristige Perspektive. Der Trend gehe wieder zu „echt“ origineller Musik. Und die Popakademie vermittle dafür ausgezeichnete Grundlagen.
Keine „Stars- und Sternchen-Schmiede“
Pro Jahr bewerben sich rund 800 Interessenten für die beiden angebotenen Studiengänge. Formale Voraussetzungen sind: Abitur, praktische Referenzen und eine fundierte Allgemeinbildung. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren werden dann die Besten eingeladen und studieren in einer übersichtlichen Kursgröße von 25-30 Teilnehmern. Dabei stehe ein erfahrenes Team an Dozenten aus der Praxis mit Rat und Tat zur Verfügung. Stars wie etwa Xavier Naidoo mit den Söhnen Mannheims unterstützten die Akademie, „bilden jedoch nicht die Basis der Ausbildung, wie in der Öffentlichkeit durch die Medien gerne angenommen wird“. Die Popakademie sei eigentlich eine ganz normale Bildungseinrichtung des Landes Baden-Württemberg, keine „Stars- und Sternchen-Schmiede“. „Man bekommt sein Bafög genauso wie jeder andere Student.“ erklärt Silke.
Studenten erproben Selbstständigkeit
Silke Held hat sich mit zwei Kommilitoninnen selbständig gemacht und die Agentur „Karaktermanagement“ gegründet. Sie ist für die Promotion einiger Künstler zuständig, die wie sie an der Popakademie studieren – egal ob Musikdesign, wo es um die eigentliche Produktion geht oder Musikbusiness, wo die Vermarktung der Musik im Vordergrund steht: Bereits im Studium, welches 6 Semester dauert, machen sich die Studenten neben zahlreichen Praktika und Workshops mit eigenen Projekten selbständig. Dabei greifen sie sich dabei praktisch unter die Arme.
Popakademie keine Erfolgsgarantie
Ein reines Studium an der Popakademie bietet natürlich noch keine automatische Erfolgsgarantie, gibt Joe Falk zu bedenken. Er ist einer der Newcomer, welche in Mannheim studieren. Im Dezember konnte man ihn auch bei den begehrten AOL Sessions im Internet hören, wo schon Größen wie Madonna und Nena aufgetreten sind. „Hier wird das ganze Wissen vermittelt, was ich brauche, um später auf dem Markt durch eigene Leistung überzeugen zu können“ lobt Falk die Akademie. Zu viele Bands würden bitteres Lehrgeld bezahlen, da sie sich nicht ausreichend mit Grundlagen von Recht, Finanzen, Medien und Marketing auskennen.
Berühmt zu werden sei nicht leicht. „Entweder du wirst Superstar oder du arbeitest sehr hart an deiner Karriere“. Bevor Falk seine erste Platte aufgenommen hat, arbeitete er zwölf Jahre in einer Fabrik, um überhaupt Musik machen zu können. „Jetzt möchte ich davon leben“, ist sich Falk sicher. „Erfolgsrezepte gibt es nicht.“ Für eine Studentenband, die bisher nur für sich im Keller spielte und ein paar Auftritte im heimischen Raum hatte, bedeutet das den klassischen Weg: Viele Konzerte spielen, eine solide Fanbasis aufbauen, Demotapes aufnehmen, im lokalen Radio gespielt werden und sich für einen Plattenvertrag bei den großen Labels wie Sony BMG und Universal bewerben.
Sich vom Mainstream abheben
Dabei sei wichtig, sich im Mainstream durch einen eigenen Stil abzuheben, erklärt Silke. „Falk singt ausschließlich Deutsch, auch wenn weniger als acht Prozent deutschsprachige Musik im Radio gespielt wird. Seine Stimme ist sein Markenzeichen und irgendwo zwischen Lenny Kravitz und Herbert Grönemeyer einzuordnen.“ Soul und Rock verschmelzen mit Texten, die auffordern, den Kopf nicht hängen zu lassen. Leidenschaft, Beziehungen und eine positive Lebenseinstellung sind die Themen seiner Musik. Falk spannt dabei den Bogen von schweren Grooves voller Wut und Aggressivität über atmosphärisch dichte Songperlen bis hin zu leidenschaftlichen Balladen.
Nach jahrelanger Banderfahrung war es für den gebürtigen Darmstädter im Herbst 2004 schließlich an der Zeit, sein Soloprojekt zu starten. An der Popakademie fand er Musiker, mit denen er in zahllosen Stunden die eigenen Songs und Ideen verwirklichen konnte. Die Reaktionen der Zuhörer bei den bisherigen Konzerten im Mannheimer Raum seien positiv gewesen, so auch im Marstall im vergangenen Sommer, berichtet Silke. „Harte und weiche Seiten zeigen, dass anspruchsvolles Songwriting und eingängige Melodien kein Widerspruch sind.“
Mehr Infos zur Popakademie gibt es hier.
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