Mission-Net: Gott hat einen Ruf für Dich!
2.650 Jugendliche und junge Erwachsene trafen sich vom 28. Dezember bis 2. Januar in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt zum 2. Europäischen Jugendmissionskongress „Mission-Net“, um mit neuen Glaubensimpulsen kraftvoll ins Jahr 2012 zu starten. Matthias Pankau war für idealisten.net dabei.
Es ist ein grauer Dezembermorgen. Eiskalter Wind pfeift über die Dächer des Erfurter Messegeländes. „In zwei Kilometern haben Sie das Ziel erreicht“, flötet die Stimme aus meinem Navigationsgerät. Aber zwei Kilometer können lang werden bei Schneeregen und überfrierender Nässe … Doch kurze Zeit später sind die Mühen der Anreise vergessen. In einer der modernen Messehallen stimmen afrikanische Rhythmen die jungen Kongressteilnehmer auf den Tag ein: Heute steht der schwarze Kontinent im Zentrum der Fürbitte und des Gebets, an jedem Tag ist es ein anderer Erdteil.
Ein Jugendkongress der kurzen Wege
Viele Jugendliche, die kurz vor 9 in die große Halle strömen, sind schon putzmunter; sie singen und tanzen zur Musik der Band. Andere blicken noch verschlafen aus der Wäsche – so als seien sie gerade erst aus ihren Schlafsäcken gekrochen, mit denen sie sich in der benachbarten Halle eingerichtet haben. Das ist nicht nur preiswert, sondern auch praktisch: ein Jugendkongress der kurzen Wege.
Wenn in 40 Landessprachen gebetet wird
Erheblich größere Entfernungen haben viele Teilnehmer allerdings auf sich genommen, um bei dem 2. Europäischen Missionskongress in Erfurt dabei zu sein. Aus 40 überwiegend europäischen Ländern sind sie angereist. Entsprechend polyphon ist die Geräuschkulisse, als ein Pastor aus Tansania die Jugendlichen auffordert, mit ihm in ihrer jeweiligen Landessprache zu beten – und das wie in Afrika: möglichst laut.
Beim Bericht aus Ägypten macht sich Betroffenheit breit
Gegen 10 Uhr treten Ramez Atallah und seine Ehefrau Rebecca ans Mikrofon, um den Jugendlichen einen Abschnitt aus dem alttestamentlichen Buch Daniel auszulegen. Sie ermutigen die Zuhörer, wie der Prophet Daniel in Anfechtungen und Schwierigkeiten auf die Souveränität Gottes zu vertrauen. Die beiden wissen, wovon sie sprechen: Sie leiten die Bibelgesellschaft in Ägypten.
Wie lang sie ihre Arbeit in dem nordafrikanischen Land aber noch fortsetzen können, sei unklar. Denn knapp ein Jahr nach dem Sturz des früheren Machthabers Husni Mubarak sehe es so aus, als erhielte die radikal-islamische Muslimbruderschaft die Mehrheit im ägyptischen Parlament, erzählen sie. Betroffenheit macht sich in der Halle breit. Doch die beiden sähen sich von Gott an diesen Platz gestellt (sie bleiben also in Ägypten) – „und Gott hat auch einen Ruf für dich“, ruft Ramez Atallah den Zuhörern zu.
Mehr Missionsengagement in Ost- als in Westeuropa
Kurze Zeit später wird es wieder lebendig. Jetzt treffen sich wie jeden Vormittag die sogenannten „family-groups“. Dabei setzen sich die Kongressteilnehmer in ihren Muttersprachen zusammen, um einerseits das am Vormittag Gehörte zu vertiefen und um andererseits einander besser kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Da wird deutsch und französisch gesprochen, spanisch und italienisch, aber auch polnisch, bulgarisch und serbisch. Über die starke Präsenz von Jugendlichen aus Osteuropa freut sich Mission-Net-Direktorin Evi Rodemann besonders. „Der Missionsgedanke ist in diesen Ländern wesentlich größer als in Westeuropa“, sagt sie.
Evangelisation in Erfurt: Sie brennen für den Glauben
Das zeigt sich am Nachmittag, als in Zusammenarbeit mit Erfurter Gemeinden an zwei zentralen Plätzen in der thüringischen Landeshauptstadt – auf dem Domplatz und am Anger im Zentrum der Altstadt – Aktionen veranstaltet werden. Auf einer Bühne und in einem großen Festzelt können die jungen Menschen ihren Glauben öffentlich bezeugen. Daneben gibt es jede Menge Musik sowie Knabbereien und – passend zum Wetter – heißen Punsch.
Rund 400 junge Mission-Net-Besucher machen mit und verbreiten auf sympathische und frische Weise die christliche Botschaft. Viele von ihnen sind aus Osteuropa. „Sie brennen für ihren Glauben und wollen anderen davon erzählen“, erklärt Evi Rodemann. Andere genössen das Gemeinschaftsgefühl, meint sie und erzählt von einem jungen Christen aus der Türkei, der ebenfalls nach Erfurt gekommen ist: „Hier haben sich an einem Ort fast 3.000 junge Christen versammelt. So viele gibt es in der Türkei in manchen Landesteilen nicht!“
Eine Meile der Kulturen zeigte: Was kann ich tun
Parallel zu den beiden Außen-Einsätzen finden auf dem Messegelände zahlreiche Seminare statt. Die Pausen nutzen viele Jugendliche, um sich auf einer Art „Meile der Kulturen“ umzusehen, auf der sich Vertreter jedes Landes vorstellen, aus dem Gäste angereist sind. Dort können sie sich auch über Einsatzmöglichkeiten bei verschiedenen Missionsgesellschaften informieren. Andrang herrscht auch bei der Berufsberatung, die den Jugendlichen dabei helfen soll, Gaben und Fähigkeiten herauszufinden.
Bundestagsabgeordneter: Tut das, was ihr macht, von ganzem Herzen!
Am Abend ist die Haupthalle wieder rappelvoll. Der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich (CDU) erklärt, der gesellschaftliche Dienst am Nächsten beginne im Kleinen, „etwa im Schüler-, Eltern- oder Stadtrat“. Es sei nicht nötig, ein großes Amt anzustreben. Wichtig sei, „dass ihr das, was ihr tut, von ganzem Herzen macht“. Danach mündet der Abend in ein buntes und lautes Fest des Glaubens und der Lebensfreude.
Auch Gottes Bodenpersonal muss sich ausruhen
Kurz nach Mitternacht wird es allmählich ruhiger. „0:30 Uhr Nachtruhe“ steht in den Programmheften. Während es die letzten beiden Nächte recht lebendig zuging in den beiden riesigen Schlafsälen, wirken viele nach dem dritten Tag bereits etwas erschöpft. Kein Wunder: Auch Gottes Bodenpersonal muss sich halt irgendwann mal ausruhen.
Der Mission-Net-Kongress in Zahlen
- 2.650 Teilnehmer (42% männlich, 58% weiblich)
- aus 40 Ländern
- 110 Aussteller
- 430 ehrenamtliche Helfer
- Hauptprogramm in 14 Sprachen
Der Kongress „Mission-Net“ fand – nach 2009 in Oldenburg – zum zweiten Mal statt. Veranstaltet wird die Konferenz im Auftrag der Europäischen Evangelischen Allianz und der Europäischen Evangelischen Missionsallianz. Ziel ist es, die 16- bis 30-jährigen Teilnehmer zu einem missionarischen Lebensstil im Alltag zu motivieren und die Bereitschaft zu wecken, sich in der Weltmission zu engagieren.
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