Meine private Arche Noah

Immer mehr Schüler wechseln von einer staatlichen Schule auf eine private Schule. Auch die evangelikalen Privatschulen bekommen jedes Jahr mehr Zulauf. Was sind eigentlich die Merkmale dieser Schulen? Was zeichnet sie aus? Wie sieht die Gemeinschaft untereinander aus?
  • Noah sendet die Taube von seiner Arche aus. Foto: Wikipedia/Aegidius of Roya deluge

 

Im Schuljahr 2009/2010 besuchen fast 30.000 Schüler eine evangelikal geprägte Privatschule in Deutschland. Die Schülerzahl stieg um 6,1%. Allerdings machen die insgesamt 30.000 Schüler nur 0,3% der gesamten Schülerschaft aus. Diese Schulen wollen nicht nur schulisches Wissen vermitteln. Sie betonen Werte und wollen Orientierung geben, die auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes basieren.

Umstrittene Evolutionstheorie

2006 gab es eine große Diskussion um eine christliche Privatschule. Im Fach Biologie haben Lehrer neben der Evolutionstheorie auch die Schöpfungslehre behandelt. Fakt ist: Die Evolutionstheorie kann auf viele Fragen keine überzeugende Antwort geben. Vor allem christliche Wissenschaftler wollen sich mit den massiven Erklärungslücken nicht zufrieden geben. Sie plädieren dafür, dass Lehrer an christlichen Schulen im Biologieunterricht auf diese Schwachstellen hinweisen. Mit diesen Informationen können Schüler sich ihre eigene Meinung bilden.

Wer fragt die Schüler?

Ich selber gehe auf eine Schule, die im Biologieunterricht neben der Evolutionstheorie auch die Schöpfungslehre behandelt. Die Presse machte damals den Vorwurf, dass wir Schüler ein falsches Wissen angelernt bekommen. Wir hatten keine Probleme damit. Probleme gab es erst, als die Presse massiv darauf aufmerksam gemacht hat. Plötzlich waren wir die armen, dummen Schüler, die keine Ahnung von der Evolutionstheorie haben. Journalisten behaupteten, in Biologiebüchern seien Stellen geschwärzt worden und die Arche Noah wäre dort behandelt worden. Manch ein Schüler brachte dies zum Schmunzeln, wie solche Behauptungen überhaupt entstehen können. SPD Politiker wie Thorsten Schäfer-Gümbel verlangten, für eine schnelle Transparenz bei Finanzierung, Organisationsstrukturen und Lerninhalte zu sorgen. Bei meinen Mitschülern und bei mir sorgten solche Aussagen für Verblüffung. Die Presse hätten lieber uns Schüler befragen sollen, wie wir das sehen und einschätzen. Letztendlich ging es ja um uns, aber die Meinung die wir hatten, war der Presse und den Politikern gleichgültig.

Andacht als Start

Der Beginn in den Schulalltag fängt bei uns meist mit einer Andacht an. Entweder bereiten diese die Lehrer oder die Schüler vor. Am Ende werden Gebetsanliegen gesammelt. Die Klasse betet dann gemeinsam für diese Anliegen. Dadurch wird in der Klasse das Gemeinschaftsgefühl verstärkt.

Mobbing ist kein Fremdwort

Freunde, die in die benachbarten Schulen gehen, erzählen häufiger von Schüler-Mobbing. Wie zum Beispiel: Kinder müssen für andere Hausaufgaben machen oder ihnen ihr Taschengeld geben etc. Wie an jeder anderen Schule, gibt es auch bei uns Schüler, die besonders Aufmerksamkeit brauchen oder auffällig sind. Welche Schule hat das nicht?

Bonzenkinder

Wenn mich Jugendliche fragen, auf welche Schule ich gehe und ich ihnen sage, dass es eine Privatschule sei, kommt meist der Spruch: „ Privatschule? Bonzenkind!“ Dieses Vorurteil begegnet mir häufiger, was ich sehr schade finde, denn es gibt viele Schüler auf der Schule, die keine „Bonzenkinder“ sind. Und auch wenn einer mehr Geld als der andere hat, raushängen tut das keiner.

Jede Schule hat ihr Vor- und Nachteile, man muss für sich selber persönlich herausfinden, welche Schule für einen besser geeignet wäre. Ich persönlich bin froh auf dieser Schule zu sein.

Weitere Infos zu christlichen Privatschulen in Deutschland und in der Schweiz.

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