Mama, es tut mir leid!

Heute ist Muttertag. Der Tag, an dem 5-Jährige aus dem Kindergarten Gebasteltes mitbringen und Jugendliche Blumensträuße kaufen, um sich bei ihren Müttern für die Fürsorge und Liebe zu bedanken. Marie Rösler ist 19 Jahre alt. Sie ist keine normale Jugendliche. Sie liegt nach einer Hirnblutung seit 1998 im Wachkoma in der Kinderklinik in Siegen. Sie bedankt sich trotzdem bei ihrer Mutter ...
  • Marie spielt gerne Mensch-Ärgere-Dich-Nicht mit ihrer Mutter; Foto: Stephanie Hofschlaeger/pixlio.de

 

Ein Hinweis vorab: Diesen Text habe ich nicht selber geschrieben. Ich bin zwar schon fast 20 Jahre alt. Aber ich kann mich nicht verständlich machen. Denn ich liege seit 15 Jahren nach einer Hirnblutung im Wachkoma. Meine Schwester Lara (22) hat mir geholfen, meine Gedanken – wie sie sie vermutet – aufzuschreiben – weil doch Muttertag ist.

Richtig würfeln kann ich ja auch nicht

Ich bin froh über meine Mama – und meinen Papa. Die beiden schauen regelmäßig – meist dreimal in der Woche – bei mir in der „Kinderinsel“ vom Deutschen Roten Kreuz in Siegen vorbei. Sie bleiben zwei oder drei Stunden. Und sorgen für Abwechslung. Sie spielen mit mir – „Mensch ärgere Dich nicht“ oder andere Spiele. Man platziert die Würfel so in meine Hand, dass sie herausfallen können. Denn richtig würfeln kann ich ja auch nicht. 

Mama hat eigentlich immer recht

Vor allem meine Mama erzählt mir von zu Hause, den Nachbarn, der Baptistengemeinde, in der ich aufgewachsen bin und in der man oft für mich betet. Sie spricht oft über früher – bevor ich krank geworden bin. An manche Ereignisse kann ich mich noch erinnern. Dann werde ich ganz aufgeregt und mein Puls steigt. Papa macht oft Ausflüge mit mir – ich sitze dann im Rollstuhl. Wenn Mama wüsste, was da immer passiert – sie würde sich wohl noch mehr Sorgen machen. Schon dreimal sind die kleinen vorderen Räder auf Holperwegen einfach abgebrochen.

Zwischen Mama und mir herrscht eine ganz tiefe Verbundenheit. Das hat sich so entwickelt. Sie braucht mich nur anzuschauen, und schon weiß sie, was mir neben meiner Grunderkrankung im Kopf sonst noch fehlt. Denn oft habe ich Lungenentzündungen, Harnwegserkrankungen, Ohrenschmerzen. Das kommt davon, wenn man 15 Jahre im Bett liegt. Inzwischen fragen sogar die Ärzte und Pflegerinnen meine Mama immer wieder um Rat, wenn sie nicht weiterwissen, weil es mir schlechter als sonst geht. Mein Kopf ist dann ganz rot, mein Puls steigt, oder ich kriege nur ganz schlecht Luft – trotz der Beatmungsmaschine, die dafür sorgt, dass ich überhaupt noch am Leben bin. Eigentlich hat Mama immer recht.

Ohne meine Mama geht es nicht!

Die Antibiotika, die mir gegeben werden, wirken nicht immer. Denn ich habe dagegen Widerstand entwickelt. Aber Mama macht mir Mut, weiter zu kämpfen. Es tut mir gut, ihre vertraute Stimme zu hören, wenn sie mir aus Büchern vorliest oder erzählt und dabei meine Hand hält oder mich streichelt.

Es tut mir leid, dass meine Krankheit dazu geführt hat, dass meine Eltern sich um mich so viele Sorgen machen. Das ist wohl menschlich. Dabei könnten sie viel gelassener sein. Weil doch in der Bibel eine Verheißung steht: „Alle eure Sorge werft auf ihn. Er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,9). Diese Glaubenszuversicht wünsche ich auch Euch!

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