Lokomotor: Voller Pop voraus
Scheinbar aus dem Nichts starten Lokomotor derzeit so richtig durch: Obwohl die Band vor nicht mal einem Jahr ihre ersten Konzerte gab, haben sie es schon in den begehrten „Bandpool“ der Popakademie Mannheim und unter die fünf Teilnehmer der Spitzenförderung „PopCamp“ des Deutschen Musikrates geschafft. So werden die vier Jungs und ihre Sängerin derzeit von Profis geschult, um auf dem säkularen Musikmarkt Fuß zu fassen. Doch die Musiker stehen eigentlich schon seit zwölf Jahren gemeinsam auf der Bühne. Ein Interview mit Gitarrist Daniel und Bassist Johannes.
Gleich bei einem eurer ersten Konzerte habt ihr als Vorband der Söhne Mannheims gespielt. Wie hat sich das angefühlt?
Johannes: Wir sind in einer riesigen Halle aufgetreten, wo hinter der Bühne ganze Sattelschlepper parkten. Beeindruckend fanden wir, dass die Söhne Mannheims so freundlich und zugänglich waren. Henning Wehland, der ehemalige Sänger der H-Blockx, kam vor dem Konzert noch zu uns in die Garderobe und hat uns interviewt, um uns dann auf der Bühne anzukündigen. Er war beeindruckt davon, dass wir nebenher noch eine Jugendarbeit machen und hat das dann auch ganz enthusiastisch angesagt. Auch das altersmäßig ganz bunt gemischte Publikum hat unsere Musik begeistert aufgenommen, so dass wir an dem Abend 200 EPs verkauft haben. Und Xavier Naidoo hat sich bei uns sogar entschuldigt, dass er nicht vor dem Konzert nicht bei uns vorbeigeschaut hat, weil er erkältet war und sich ausruhen musste.
Daniel: Henning hat uns so enthusiastisch angesagt, dass es ein unglaublich warmer Empfang der Leute war. Sonst ist man als Support oft einfach nur das Warm-up-Programm und manchmal auch der Buhmann. Die Hauptband muss natürlich immer besser sein, aber da kamen wir uns wirklich nicht so vor wie zweite Klasse. Es war auch ein einmaliges Erlebnis, wie die 7.000 Leute ganz vorn an der Bühne standen. Wir sind es bisher eher gewohnt zu sagen: „Kommt mal ein bisschen nach vorne“.
Johannes: Die Techniker haben beim Soundcheck gesagt: „Seid Ihr schon fertig? Ihr könnt ruhig noch ein bisschen spielen. Bei Euch macht es ausnahmsweise mal Spaß eine Vorband abzumischen.“ Und dann das Catering: Ein 3-Gänge-Buffet – besseres Essen hast Du noch nie gegessen!
Eure Bandgeschichte mit Lokomotor ist noch relativ jung, aber Ihr seid trotzdem schon ziemlich lange zusammen unterwegs...
Daniel: ... ja, seit 12 Jahren in dieser Besetzung. Wir haben mit „Groundstaff“ als englischsprachige Band angefangen. Irgendwann hatten wir aber das Gefühl , dass es besser wäre, auf Deutsch umzuschwenken, weil wir ja auch etwas vermitteln wollen mit unseren Texten. Und deutsche Texte und englischer Bandname – das hat eigentlich nicht mehr gepasst. Weil uns aber schon einige Leute kannten, haben wir uns den Schritt eines Namenswechsels nie getraut. Als wir dann zum Bandcoaching an die Popakademie Mannheim kamen, fragte man uns direkt, ob wir uns nicht vorstellen könnten, zu einem deutschen Namen zu wechseln, damit das Gesamtkonzept passt. Das hat uns dann für einen Neustart motiviert.
Johannes: Auch musikalisch haben wir Neuland betreten. Vorher hatten wir immer ein bisschen Scheu, sehr eingängige Musik zu machen. Doch dann haben wir gemerkt: Pop kann auch klasse sein – probieren wir es einfach mal.
Wie kommt es, dass früher in Euren Texten der Glaube mehr im Vordergrund stand als jetzt?
Daniel: Mit Groundstaff haben wir hauptsächlich vor christlichem Publikum gespielt. Das hat gepasst und viele konnten sich mit den Texten identifizieren. Wir haben aber gemerkt, dass man im Englischen schneller Sachen singt, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, weil vielleicht 80 Prozent der Leute sowieso nie über die Texte nachdenken. Mit Lokomotor wollen wir nun aus dem typischen „Christliche-Band-Klischee“ heraus. Unser Glaube wird immer Teil der Texte bleiben, aber wir wollen den Hörern nicht mehr fromme Pauschallösungen anbieten, mit dem Gestus, wir hätten alles verstanden, sondern vielmehr Fragen über Gott aufwerfen und dadurch zum Nachdenken anregen. Uns liegt es am Herzen, das Bild von Gott neu zu malen, weil viele Menschen eine völlig falsche Sicht von ihm haben. Und das funktioniert auch: Viele kommen nach den Konzerten auf uns zu und sprechen uns darauf an, ob wir Christen sind, ohne dass wir etwas Konkretes zum Glauben gesagt haben . Wir merken, dass auf diese Weise eine ganz andere Offenheit da ist, über den Glauben ins Gespräch zu kommen, weil die Leute nicht das Gefühl haben, dass wir sie mit aller Macht missionieren wollen.
Ein Ziel des Bandpools der Popakademie Mannheim, an dem ihr teilnehmt, ist, Bands den Weg in die Professionalität zu ebnen. Habt ihr ein Ziel, auf das ihr hinarbeitet?
Daniel: Zum größten Teil leben bzw. überleben wir schon von der Musik. Wir arbeiten nur an zwei, drei Tagen die Woche noch in kleinen Nebenjobs. Natürlich könnte sich in finanzieller Hinsicht noch was verbessern.
Johannes: Es geht uns nicht darum reich zu werden, aber es wäre schön, sich mehr aufs Musikmachen konzentrieren zu können. Dafür wäre es auch gut, wenn wir ein Label und eine Bookingagentur finden würden. Veranstalter bekommen ja unzählige Anfragen von Bands. Wenn sich aber eine Bookingagentur für Deine Band entschieden hat, ist das für den Veranstalter schon mal eine Referenz. Das würde uns viel Arbeit abnehmen.
Ihr habt eingangs erwähnt, dass Ihr auch eine Jugendarbeit macht. Würdet Ihr die aufgeben, um Euch mehr auf die Musik zu konzentrieren?
Daniel: Mit unserer evangelischen Jugendarbeit in Hof veranstalten wir z. B. Jugendgottesdienste und Freizeiten, machen aber auch viel im kulturellen Bereich. Wir versuchen Künstler vor Ort zu entdecken und zu fördern, organisieren Konzerte und Kunstausstellungen. Unser Ziel ist, die Stadt kulturell zu bereichern. Die Jugendarbeit aufzugeben oder wegzuziehen, um erfolgreicher zu sein, ist für uns deshalb keine Option. Oft kam nämlich schon die Frage, ob wir nicht nach Berlin ziehen würden, um näher am Musikbusiness zu sein. Aber solange unsere Musik gut ist, ist es den Menschen doch egal, wo wir herkommen.
Ihr habt kürzlich eine Aktion namens „Facebus“ gestartet. Was hat es damit auf sich?
Daniel: Durch unsere Jugendarbeit ist unser Tourbus eher ein Allzweckbus. Wir nutzen ihn z. B. zum Einkaufen, für einen bedürftigen Nachbarn, der öfters mal gefahren werden muss und für eine Großfamilie, der wir damit schon mehrere Umzüge gemacht haben. Dadurch ist das gute Stück inzwischen so abgefahren, dass uns die Werkstatt dringend davon abgeraten hat, noch größere Strecken damit zurückzulegen. Also brauchen wir einen neuen Bus. Das Geld dafür können wir aber nicht alleine aufbringen. Nun gibt es Crowdfunding-Projekte ja inzwischen wie Sand am Meer – also wollten wir uns etwas Besonderes einfallen lassen. Und da Facebook ja so beliebt ist, kam uns die Idee eines kunterbunten Busses, auf den jeder für 10 Euro ein 10x10 cm großes Foto von sich draufdrucken lassen kann. Und dann war sogar noch die Domain www.facebus.de frei ... 2.000 Fotos sind unser Optimalziel, ab 1.200 Unterstützern lässt sich die Aktion etwa verwirklichen.
Danke für das Gespräch.
Mitmachen und EP gewinnen
Kreativ ist bei Lokomotor nicht nur die Musik: Ihre erste 6-Song-EP haben sie in edle selbstgemachte Leder-Hüllen gesteckt. Wer uns bis zum 10. November eine Mail mit dem Stickwort „Lokomotor“ schickt, hat mit ein bisschen Glück bald eines unser zwei Verlosungsexemplare im heimischen CD-Regal stehen.
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