Lob des Tragischen

„Im Salon spielte ich den Ruhigen, doch wenn ich heimkomme, donnere ich auf dem Klavier.“ So beschreibt sich Chopin in einem Brief. Denn ruhig war sein Privatleben nie, die Stimmung vor dem Donner entsprach viel eher seinem melancholischen Gemüt. Die Werke des Pianisten mit der sprunghaften Natur gelten heute als wichtigster Beitrag Polens zur abendländischen Musik.
  • Das einzige bekannte Foto von Chopin. Foto: Wikipedia/Louis-Auguste Bisson

Junges Talent und zerstörte Nation

Der 1810 in einem kleinen polnischen Ort geborene Chopin trat schon mit 8 Jahren als Pianist in Erscheinung. Der Sohnn einer verarmten Adligen und eines französischen Lehrers spielte vor polnischem Adel und wusste sogar den Zaren zu begeistern. Als jedoch in Polen der Aufstand gegen die russische Fremdherrschaft ausbrach, schickte ihn sein Vater ins Paris der Julirevolution. Von dort kehrte der bereits 20-Jährige voll ausgebildete Pianist nie mehr zurück.

Ruhm und Liebe in Paris

Dies kam dem jungen Chopin gerade recht, war für ihn Paris doch „die schönste aller Welten“. Auch der Ruhm ließ nicht lange auf sich warten. Bereits im Jahre 1833 verhalf ihm die Familie Rothschild zu europaweiter Bekanntheit. So sammelte er in den nächsten Jahren viele Schüler und vor allem Schülerinnen um sich. Zu dieser Zeit befand er sich auch auf der Suche nach seiner großen Liebe. Er verlobte sich, heiratete jedoch nie und ging schließlich eine Beziehung mit der Schriftstellerin George Sand ein. Obwohl er diese zunächst als unweiblich ablehnte, dauerte die Beziehung 10 Jahre, bis sie sich schließlich zerstritten. Auf ihrem Landgut schrieb er viele seiner Werke. Ein gemeinsamer Besuch auf Mallorca war Anlass für einige seiner größten Stücke, die 24 Préludes . Die Trennung von George Sand beendete auch Chopins künstlerische Karriere und kam seinem Tod nur 2 Jahre zuvor.

Inspiration für die Philosophie

Alle seine Werke schrieb er für Klavier, nur in wenigen treten Begleitinstrumente auf. Seine Stücke sind gefühlvoll, voller Sehnsucht, Trauer und Hoffnung. Der bekannte Pianist Rafal Blechacz nennt seine Musik „universell“. Doch die ersten lobenden Worte kamen schon viel früher. Der Komponist Robert Schumann schrieb 1831 in weiser Voraussicht: „Hut ab, ihr Herren, ein Genie.“ Robert Grözinger führt dies knapp 170 Jahre später näher aus. „Chopins Ballade beschönigt nichts, verurteilt nichts, entschuldigt nichts. Sie vertröstet daher auch nicht, aber sie adelt das Tragische – und damit den leidenden Menschen.“

Das Lob des Tragischen ist auch ein in der Philosophie immer wiederkehrendes Phänomen, zu finden etwa bei Nicolas Gomez Davila oder Friedrich Nietzsche. Wobei letzterer in Hinblick auf Chopin ebenfalls seine Bewunderung zum Ausdruck bringt. Für Nietzsche ist im Vergleich zu Chopin selbst Beethoven ein „Halb-Barbar“. Da bleibt nur noch Rafal Blechacz zu zitieren: „Besser als alle Worte.“

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