„Lindenstraße“ – Man hat sich eingelebt
Ja, ich gebe es zu – seit gefühlten 2.000 Folgen verfolge ich die Ereignisse in der „Lindenstraße“ mit großem Interesse. Als vor 25 Jahren Deutschlands wohl berühmteste Straße auf Sendung ging, war ich leider nicht alt genug um zu kapieren, dass hier Fernsehgeschichte geschrieben wird. So bin ich seit ungefähr Folge 700 mit von der Partie – so wie durchschnittlich 3,5 Millionen weitere Zuschauer Woche für Woche auch.
Nein, ich habe noch nie an einer „Lindenstraße“-Party am Sonntagnachmittag teilgenommen und werde es auch nie tun. Ich freue mich aber trotzdem auf diesen Samstag. Das Medien-Portal Meedia beschreibt den TV-Event, den kein eingefleischter Fan verpassen dürfte: „Mit einer "langen Kultnacht" feiert die "Lindenstraße" am kommenden Wochenende ihr 25-jähriges Jubiläum. [...] Für Fans der Serie beginnt die Party am Samstag um 23.15 Uhr mit einer Sonderfolge (Titel: "Was wäre, wenn...?"). In der werden Hans und Helga Beimer gemeinsam kochen und nebeher in Erinnerungen schwelgen. Als Til Schweiger noch Mutter Beimers Sohn war, als Christoph Schlingensief noch Aufnahmeleiter war und als Annemarie Wendl als Else Kling noch die Nachbarschaft terrorisierte.“
Hauptsache politisch korrekt
130 Hauptrollen, 1.900 Schauspieler, 19.000 Komparsen, 27 Hochzeiten und 43 Todesfälle – eine beeindruckende Statistik. Ein Markenzeichen, die Einbettung „aktueller“ Themen und Ereignisse, erregt nicht mehr so viel Aufregung. Eher gewollt wird über das „diskutiert“, was die Menschen „gefälligst“ gerade bewegen sollte. Dass dies meist dem politisch Korrektem entspricht, wundert nicht, sondern bewirkt meist nur noch ein müdes Lächeln. Vorbei die Zeit, als der erste Aids-Tote, der erste Schwulen-Kuss oder die erste Schwulenhochzeit im Fernsehen für wütende Proteste sorgte. Eher peinlich: vereitelte Islamisten-Anschläge, Brutalo-Freunde, die vom Hochhaus fallen, Pfarrer, die von 14-jährigen Girlies erschlagen werden oder rachsüchtige Freundinnen, die das verhasste Gemächt ihres Mannes gekonnt chirurgisch entfernen. Nicht zu vergessen die Reihe der Psychopathen, die sich zum Teil einfach in Luft aufgelöst haben.
Man hat es sich gemütlich gemacht
Man hat sich eingerichtet, es sich gemütlich gemacht und die „Lindenstraße“ ist zu einem Teil meiner Fernsehkultur geworden – nicht mehr aber auch nicht weniger. Erwartungen habe ich keine. Mich interessiert nur noch, was mit den einzelnen Protagonisten geschieht, welche fehlenden Beziehungskonstellationen noch eingegangen werden müssen, schließlich hat bald jeder mit jedem und jede mit jeder eine Liaison gehabt. Ob Klaus und Iffi am Sonntag heiraten oder doch nicht – für einen Haken, den ich innerlich mache, reicht es gerade noch.
Hier findest Du alles rund um die Lindenstraße.


