Lebensrettung per Telefon

Trotz Verhütungsmethoden und Aufklärung kommt es bei jungen Leuten immer wieder zu unerwünschten Schwangerschaften. Zwar sank in den letzten Jahren die Zahl der Mädchen, die in frühen Jahren eine Abtreibung vornehmen. Gleichwohl ist jede Entscheidung gegen ein Kind eine zu viel. Auch Eva H. dachte daran, ihr Baby nicht zur Welt zu bringen. Heute ist die 20-Jährige eine glückliche Mutter.
  • Foto: Pixelio/pan

 

Sie hatte ihm vertraut, dass er aufpasst. Doch als ihre Tage ausblieben, stellte Eva H. fest, dass sie schwanger ist. Und das, wo sie doch vor drei Monaten ihre Ausbildung zur Kosmetikerin begonnen hatte. „Ich habe erst mal vier Stunden lang geweint“, sagt sie. Zu tief saß der Schock. Wie sollte sie mit einem Kind fertig werden? Was wird aus der Ausbildung?

Mutter schmiss Schwangere raus

Von ihrem Freund hatte sie sich – kurz bevor sie feststellte, dass sie schwanger ist – getrennt. Als dieser von dem Kind erfuhr, machte er der damals 19-Jährigen Druck: Sie solle abtreiben. Ähnlich reagierten auch die Eltern des Vaters und Evas eigene Mutter, die seit einigen Jahren von ihrem Mann getrennt lebt. Unterstützung? Fehlanzeige! Der Konflikt mit Evas Mutter eskaliert: Sie droht an, Eva kein Geld mehr für die Ausbildung zu geben, wenn sie das Kind austragen sollte. Schließlich spitzt sich die Situation so zu, dass die Mutter ihre Tochter aus dem Haus wirft. Eva kommt vorübergehend bei einem guten Freund unter. Er ist der Einzige in ihrem Umfeld, der sich für das ungeborene Baby starkmacht.

Beratung per Telefon

In ihrer Verzweiflung sucht die junge Frau im Internet nach Hilfe. Sie stößt auf die Seite von „Pro Femina“ – einer Hilfsorganisation, die eng mit der christlichen Konfliktberatung „Die Birke“ zusammenarbeitet. Der Name Pro Femina („Für die Frau“) drückt die Überzeugung aus, die dem Beratungsansatz des Vereins zugrunde liegt: Nur die Mutter selbst kann ihr Kind retten und deshalb gilt es, sie darin zu bestärken. Mehrere Stunden telefoniert Eva mit einer Beraterin. „Sie erläuterte mir die Möglichkeiten, die es für mich als junge Mutter gibt, und bot mir Unterstützung an.“ Trotz ihres familiären Umfelds, das weiter Druck auf sie macht, beschließt sie, das Kind zu behalten.

Die Wandlung des Vaters

Über das Jobcenter bekommt Eva eine Wohnung. Und auch ihr Ausbildungsbetrieb unterstützt sie: „Irgendwie kriegen wir das auch mit einem Kind hin“, heißt es. Am 19. Juni kommt schließlich ihr Sohn Julian zur Welt. Während sie zur Schule geht, passt eine Tagesmutter auf den Säugling auf. Pro Femina unterstützt die junge Mutter mit 200 Euro pro Monat, solange Evas Eltern noch nicht bereit dazu sind. Ohne die Hilfe der Organisation hätte sie ihre Ausbildung nicht weitermachen können. Inzwischen hat sich auch der Vater mit seinem Kind angefreundet. „Er ist zurzeit bei der Bundeswehr, kommt aber am Wochenende immer zu Besuch.“ Der Wehrdienstleistende will sogar wieder eine Beziehung mit Eva eingehen – doch die junge Mutter will erst mal abwarten, ob seine Liebe zum gemeinsamen Kind von Dauer ist. Auch Evas Mutter hat sich gewandelt: „Sie hat mir ein Auto geschenkt und passt montags immer auf ihren kleinen Enkel auf.“

Muttersein ist schön

Dass ihr kleiner Julian auch tot sein könnte, daran will die Alleinerziehende gar nicht mehr denken. „Irgendwann werde ich ihm sicher einmal erzählen, wie ihm das Leben gerettet wurde.“ Es sei ein schönes Gefühl, Mutter zu sein – auch wenn man sich sehr umstellen müsste. „Man muss gucken, wann man duscht, isst, einkaufen geht – alles muss genau geplant werden.“ Die Entscheidung, das Baby zu behalten, habe sie nie bereut. Eva hat erfahren: Trotz der widrigsten Umstände kann man das mit dem Kind schon irgendwie schaukeln.

Pro Femina

Seit 2007 konzentriert sich Pro Femina vor allem auf die Informationsarbeit über das Internet, um so Schwangere in Konfliktsituationen zu erreichen. Nach der Beratung und Hilfe von Pro Femina entschieden sich 70% der Frauen für ihr Kind. Finanziert wird die Arbeit von privaten Spendern und der Stiftung „Ja zum Leben“. Durch die Kommunikation über Soziale Netzwerke im Internet wurden 576 Unterstützer gefunden, die die Initiative ideell, finanziell oder durch ihr Engagement bei Informationskampagnen fördern.

Infos und Beratung gibt’s hier: www.1000plus.de oder 0800-10007587 (für Unterstützer) bzw. 0800-0606767 (für Beratung, beides kostenfrei aus dem dt. Festnetz)

 

 

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