Krise: Kein Grund zur Resignation

Auf Augenhöhe mit Bundestagsabgeordneten diskutieren: Das war für den Wehrdienstleistenden Samuel Conzelmann am beeindruckendsten an den diesjährigen „Tagen der Begegnung“ in Berlin. Zum 19. Mal hatten Mitglieder des überkonfessionellen und überparteilichen Gebetsfrühstückskreises des Deutschen Bundestages junge Leute zu einem dreitägigen Treffen eingeladen. Die rund 180 Teilnehmer bekamen dabei einen nicht ganz alltäglichen, aber auch nicht weniger interessanten Einblick in die Arbeit der Politiker. Denn wegen der Griechenland-Krise wurde das Programm etwas durcheinandergewirbelt.
  • Stellte sich den Fragen der Teilnehmer: Gesundheitsminister Philipp Rösler. Foto: Tobias-Benjamin Ottmar

Krise als Chance für Christen

Aber das ging auch den Politikern so: „Die Terminpläne werden alle zwei Stunden geändert“, sagte Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen). Als sie am 12. Mai gemeinsam mit FDP-Politiker Otto Fricke die 19. Tage der Begegnung eröffnet, wird im Bundestag noch über die milliardenschweren Staatshilfen für klamme Euro-Länder gerungen. Hier wie dort ist die derzeitige Krise eines der beherrschenden Themen. Doch gerade in der Krise könne man als Christ einen Unterschied machen und nicht den Kopf hängen lassen, ermutigte Göring-Eckardt, die auch Präses der EKD-Synode ist. „Wir haben die Gelegenheit, von Jesus Christus zu erzählen.“ Diese Chance gelte es wahrzunehmen.

Ehrliche Worte der Politiker

„Überrascht hat mich, dass die Politiker zum größten Teil ehrlich geantwortet haben“, sagte die Lehramtsstudentin Anne Breckner. Ehrlich gab Fricke, der als haushaltspolitischer Sprecher seiner Fraktion Experte in punkto Finanzen ist, beispielsweise hinsichtlich des 750-Milliarden-Rettungspakets zu: „Ich weiß nicht, ob es die beste Lösung ist, aber ich finde im Moment keine bessere.“

Über sein Glaubenleben und die Schwierigkeiten seiner Politiker-Karriere erzählte auch der Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) ganz offen. Der Wechsel nach Berlin Ende 2009 sei ihm schwergefallen. Wenige Tage vor seiner Berufung als Bundesminister hätten seine Frau und er sich in der Heimatstadt Hannover ein Haus gekauft. Dass er seine Liebste sowie die keine zwei Jahre alten Zwillinge nur noch selten sehe, sei „das Schwierigste am gesamten Amt“.

Christsein bewusst in der Gesellschaft leben

Neben Einblicken in den Politiker-Alltag und der Erfahrung, dass auch Politiker ganz normale Menschen sind, nahmen die Teilnehmer aber Anstöße für ihren Alltag mit nach Hause: „Das Treffen hat mich erneut motiviert, mich als Christ in der Gesellschaft zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen“, resümierte Sebastian Sonntag, Student der Wirtschaftswissenschaften.

In diesem Sinne appellierte vor allem Hermann Gröhe, Generalsekretär der CDU, an die jungen Leute: „In kaum einem anderen Land der Welt gehört so wenig Mut dazu, sich zu seinem christlichen Glauben zu bekennen, wie bei uns.“ Im schlimmsten Fall werde man für seine Überzeugungen verlacht oder kritisiert. Die zunehmende Entchristlichung der Gesellschaft sollte nicht ein Grund zum Klagen sein, sondern Motivation, für seinen Glauben einzustehen, sagte der 49-Jährige, der viele Jahre zum Rat der EKD gehörte.

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