Weihnachten: Kommerz oder Krippe?
Das beste Weihnachtsfest hat, wer die tollsten Geschenke bekommt. So suggeriert es die aktuelle Werbekampagne „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“ der Elektronikkette Media Markt. Vielen Christen geht das zu weit. Allein auf Facebook haben sich innerhalb von 6 Tagen rund 25.000 User der Aktion „Weihnachten wird in der Krippe entschieden“ angeschlossen, um gegen die TV-Spots zu protestieren. Aber warum diese Empörung? Spiegeln die Clips nicht genau das typische Verhalten wider, was auch bei vielen Christen unterm Tannenbaum stattfindet?
Zugegeben: Beim Anschauen der Media Markt-Spots macht sich auch bei mir Unbehagen breit: So was kann man doch nicht machen! An Weihnachten geht es doch vor allem um die Geburt Jesu und nicht um die Geschenke! Diese primitive Form der Kommerzialisierung muss ich als Christ doch entschieden ablehnen!
25.000 Facebook-User protestieren
Das fand auch die Pastoralassistentin Melanie Zink. Als „Gegenpol“ zu der Werbekampagne erstellte sie am 2.12. auf Facebook eine Aktion mit dem Titel „Weihnachten wird in der Krippe entschieden“. Schnell schlossen sich Gleichgesinnte an. Am Abend des 4.12. fragte Zink auf der Seite noch: „Ob wir bis Mitternacht noch die 1.000-Teilnehmermarke knacken?“. Inzwischen sind es schon über 25.000 Sympathisanten. Ziel der Facebook-Aktion sei es, „die Leute zu sensibilisieren und die wirklich frohe Gegenbotschaft zu verbreiten“, so die Nürnbergerin in einem Interview mit dem SWR. Denn: „Ein größeres Geschenk als die Menschwerdung Jesu Christi kann es eigentlich gar nicht geben.“
„Eine kommerziell motivierte Lüge“
Zink steht nicht allein mit ihrer Kritik: Zahlreiche Kirchenvertreter haben die Werbekampagne ebenfalls online angeprangert. Auf Facebook kursieren „christliche“ Plakate als Gegenentwürfe und nach dem Modell einer Online-Petition kann man sogar auf einer Seite eine (vorformulierte) Beschwerdemail an Media Markt verschicken. Darin heißt es u.a.: „Die TV-Spots verkehren menschliche Beziehungen in materiellen Gewinn. Diese Reduktion menschlicher Beziehungen auf Materielles ist abstoßend und falsch. Die Kampagne missbraucht Weihnachten: Dass das Fest der Geburt Jesu unterm Baum, also auf Grund der Geschenke, entschieden wird, ist eine kommerziell motivierte Lüge. An Weihnachten hat sich Gott für uns Menschen entschieden, indem er seinen Sohn Jesus in die Welt schickte“.
Ist das denn so realitätsfern?
„Ja, sofort mitmachen!“ denke ich mir, wenn ich das lese. Und mein zweiter Gedanke ist: Ist das denn so realitätsfern? Natürlich werden die Situationen in den Clips auf die Spitze getrieben – wohl kaum jemand wird aus Begeisterung über einen neuen Flatscreen-TV im Beisein von Freunden anfangen, mit der Partnerin intim zu werden. Dass Werbung provoziert, ist nichts Neues. Und dreht sich denn nicht wirklich im Advent alles um Geschenke? Warum haben denn beispielsweise viele Geschäfte an den Adventssonntagen bis 22 Uhr geöffnet, obwohl sie sonst viel früher schließen? Ohne große Nachfrage wäre das kaum der Fall. Und warum kosten die Weihnachtsgeschenktipps der Welt am Sonntag drei- bis fünfstellige Beträge? Bestimmt nicht, weil die Zeitung nur von Superreichen gelesen wird. Überall zielen Geschäfte und Firmen darauf ab, möglichst große Gewinne einzufahren. Und scheinbar funktioniert es.
Machen Christen einen Unterschied?
Die entscheidende Frage ist doch aber: Machen wir als Christen da wirklich einen Unterschied? Geht es bei uns nicht genauso um Geschenke? Werden wir nicht auch spätestens Anfang Dezember hibbelig, wenn wir noch keine Ideen haben für unsere lange Liste der Leute, denen wir etwas schenken müssen? Steht bei uns wirklich Jesus im Mittelpunkt?
Die Kette weiß um die Oberflächlichkeit der Spots
Aber was sagt Media Markt eigentlich zu der Kritik? „Dass wir mit unserer Art Werbung stets auch polarisieren, ist uns bewusst und durchaus auch gewollt. Keinesfalls aber möchten wir den Eindruck vermitteln, dass wir gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen gering schätzen.“ So heißt es in der Antwortmail des Konzerns auf eine Online-Beschwerde. Natürlich weiß die Kette um die Oberflächlichkeit der Spots. Aber sie weiß auch, dass es in vielen Wohnzimmern an Heilig Abend nicht so viel anders ausschauen wird. Dass es in jedem Jahr noch mehr und noch größere Geschenke als im letzten sein müssen. Dass viele Kinder heuzutage mit Geschenken regelrecht überhäuft werden, weil die Schenkenden sich gegenseitig übertreffen wollen. Dass Media Markt sich diese Oberflächlichkeit zu Nutze macht, kann man einem profitorientierten Unternehmen nicht verdenken.
Wie sieht mein Weihnachen aus?
Es ist richtig und gut, sich über solche Werbung zu ärgern und zu sagen: So darf das nicht stehenbleiben! Es ist auch wichtig, als Christ ein Zeichen dagegen zu setzen. Doch wir sollten uns auch selbst „provozieren“ – also „herausrufen“ bzw. „herausfordern“ – lassen und zuerst einmal – ganz ehrlich – bei uns schauen: Wie konsumorientiert ist denn mein Weihnachten? Wie viele Geschenke müssen es bei mir sein? Darauf sollte unser Hauptaugenmerk liegen. Wenn wir diese Fragen guten Gewissens beantworten können, können wir unseren Mitmenschen nämlich nicht nur sagen, sondern vorleben: „Weihnachten wird in der Krippe entschieden“.
Flash ist Pflicht!
Kommentare Bisher wurde ein Kommentare geschrieben
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1.schrieb am 12.12.2011 10:01
Genau so ist es! Sind wir Christen nicht selbst Schuld dran, was aus dem Weihnachtsfest heute geworden ist? Machen die Kirchen nicht jedes Jahr die "Weihnachtsshow" mit Krippenspiel etc., um die religiösen Gefühle der Menschen zu bedienen? Sind die Kirchen nicht froh, dass wenigstens zu Weihnachten mal die Kirchen voll sind? Redet man nicht das Ganze mit dem Argument der "missionarischen Chance" schön? Wenn Kirchen mal am "Heiligen Abend" zu blieben und die ganzen Mitarbeiter, die in den Gemeinden in den Weihnachtsrummel eingebunden sind, stattdessen z.B. die alten Menschen oder modernen "Witwen und Waisen", die Weihnachten allein zu Hause sitzen, besuchen würden, wäre dies nicht eine echte "missionarische Chance"?



