Wenn der Körper mehr Leistung bringen muss

Unser Körper ist eine Maschine. Mit Nahrung und Wasser, Luft und Schlaf, tanken wir sie regelmäßig auf, damit sie weiterläuft. Und wenn all das nicht mehr ausreicht? Dann müssen wir eben mit härteren Geschützen auffahren, um unseren Körper und seine Produktion in Gang zu halten. Das jedenfalls scheint der Gedanke zu sein, wenn Menschen Ritalin andere Mittel zur Leistungssteigerung einnehmen.
  • Foto: Flickr/zebramaedchen

 

Ritalin wird hauptsächlich bei Kindern gegen das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) eingesetzt. Bessere Konzentration und gesteigerte Aufnahmefähigkeit sind die Wirkungen - das Gehirn schnurrt wieder wie ein gut geölter Motor. Aus genau diesem Grund gibt es auch gesunde Menschen, die sich von diesem Medikament mit dem Wirkstoff Methylphenidat Hilfe in Beruf oder Studium erhoffen. Doch Medikamente wie Ritalin sind verschreibungspflichtig, wer sie ohne Rezept haben will, muss sich an dubiose Internet-Apotheken wenden. Und die Medikamente, die im Internet vertrieben werden, enthalten manchmal gar keinen Wirkstoff – oder viel zu viel davon.

Vom Aufputschen zum Abrutschen

Auch Medikamente gegen Depression, Demenz oder Narkolepsie werden zur Leistungssteigerung eingenommen. Egal, ob sie bei gesunden Menschen überhaupt eine Wirkung haben oder nicht. Allein der Glaube zählt. Ritalin beispielsweise funktioniert meistens gar nicht wie gewünscht, sondern sorgt sogar vielmehr dafür, dass der Körper sich an den neuen Treibstoff gewöhnt – und ohne ihn nicht mehr auskommen will. Abhängigkeiten und Nebenwirkungen können die Folgen sein.

Gesellschaftliche Nebenwirkungen

Medikamente sollen den Körper, der nicht mehr richtig funktioniert, am Laufen halten oder sogar reparieren. Doch eine funktionierende Maschine braucht eigentlich keinen Handwerker. Warum also nehmen Menschen in einer Zeit, in der Bio in ist und mit natürlichen Heilverfahren geworben wird, Pillen, die sie eigentlich nicht brauchen? Neben dem Ökotrend durchzieht unsere Gesellschaft ein weiterer Trend, der wesentlich bedeutender ist und fast alle Gesellschaftsschichten umfasst: Leistung. Wir müssen funktionieren, wir müssen produktiv sein, wir müssen immer in Fahrt bleiben.

Vorsicht, bevor der Motor ins Stottern gerät

Dass eine Maschine auch mal abkühlen muss oder Zeit für Wartung braucht, ist dabei nicht vorgesehen. Und dass jede Maschine verschiedene Funktionen und Leistungspotentiale hat auch nicht. Im Leistungssport ist Doping schon lange verboten, wird verfolgt und wer erwischt wird, gehört bald nicht mehr dazu. Doping am Arbeitsplatz ist dagegen noch eine Randerscheinung. Zumindest in Deutschland. Doch immerhin zwei Millionen Bundesbürger sollen laut einer Studie der DAK schon einmal leistungssteigernde Mittel genommen haben. Gerade Karrieremenschen und Studenten sind betroffen. Doch da Wirkungen, Nebenwirkungen und Suchtpotential der vermeintlich leistungssteigernden Pillen bei gesunden Menschen noch gar nicht richtig erforscht sind, macht sich der, der Ritalin und Co einnimmt, selbst zum Versuchskaninchen ohne ärztliche Aufsicht. Und irgendwann kann es sein, dass die Maschine dann gar nicht mehr läuft.

Selbst Gott nahm eine „Auszeit

Mit seinen unzähligen Nervensträngen, die uns fühlen und sehen, schmecken und hören lassen, mit seinen Organen, die alle fein aufeinander abgestimmt sind und sich gegenseitig ergänzen, mit dem Herz, das ohne Pause schlägt, ist unser Körper ein absolutes Wunderwerk – eine faszinierende Maschine, die Gott ganz individuell für jeden einzelnen von uns zusammensetzt. Die Bibel rät deshalb: „Darum geht mit eurem Körper so um, dass es Gott Ehre macht!“ (1. Korinther 6,20). Dazu gehört auch, die Grenzen seines Körpers anzunehmen und zu respektieren; ihn nicht zu vernachlässigen, aber auch nicht über die Maßen zu strapazieren – und ihm Ruhe zu gönnen, so wie er es braucht. Denn Auszeiten braucht jeder: Selbst Gott hat am siebten Tag geruht.

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