Kräutermischungen - Gefährlich legal
Als Räuchermischungen vertrieben, nutzen Kräutermischungen die Schlupfwinkel des Betäubungsmittelgesetzes. Ihr Konsum wird nicht offenkundig kommuniziert – für Menschen mit Drogenaffinität aber deutlich genug. Die unberechenbaren Gefahren der Cannabis-Alternative für Körper und Geist werden von Rauschsüchtigen unterschätzt oder bewusst in Kauf genommen.
Erfahrungsbericht
„Das Haut viel mehr rein und Du kannst es einfach so kaufen“ sagt der junge Mann, durch den ich zum ersten Mal mit Kräutermischungen in Berührung kam. An jenem Abend zog ich aus dummer Neugier an dem Joint und spürte schlagartig die Wirkung: Die Augen fühlten sich dick und schwer an. Meine Wahrnehmung geriet aus den Fugen. In den nächsten Stunden erlebte ich eine Achterbahnfahrt aus Gefühlen und Gedanken. Mein Herz raste und ich musste mich hinlegen. Unkontrollierte Zuckungen durchströmten meinen Körper. Ich betete, dass es bald aufhören und ich einschlafen möge. Die nächsten drei Tage spürte ich die Nachwrikungen dieser Nacht. Körperlich abgespannt und mit verklebtem Gehirn war ich zu wenig klaren Gedanken in der Lage.
Künstliche Canabinoide
„Boom“, „Maja“ oder „Jamaican Extreme“ heißen die Modedrogen. Sie enthalten synthetisch hergestellte Canabinoide. Schon vor zwei Jahren tauchte ein ähnliche Droge namens „Spice“ auf. Sie verschwand aufgrund eines Zusatzes im Betäubungsmittelgesetz recht schnell aus den Regalen der Headshops. Viele verschiedene Kombinationsmöglichkeiten der künstlichen Stoffe erschweren jedoch das gesetzliche Verbot. Dabei gilt der Grundsatz: Was nicht verboten ist, ist erlaubt.
So tauchen immer mehr Sorten auf, die man in Headshops und im Internet legal erwerben kann. Die glitzernden Verpackungen haben das Format jener Kartenbeutel, die Kinder sammeln. In ihnen befindet sich das flockige bis pulverige Grüngemisch. Der süßliche, penetrante Geruch lässt darauf schließen, für welchen Gebrauch die Mischungen eigentlich konzipiert sind: Beim Verräuchern soll ein angenehmer Raumduft entstehen. Zwar ist auf den Verpackungen deutlich vermerkt, dass die Mischungen nicht zum Konsum gedacht sind, die Gefährlichkeit wird aber verschwiegen. Zudem suggerieren die Namen und Logos einen ganz anderen Gebrauch.
Gefahr für Körper und Geist
Kräutermikschungen sind gefährlich. Es ist nicht möglich, die Dosierung richtig einzuschätzen, da der Wirkstoffgehalt variiert. Analysiert man Meldungen der letzten Monate zu dem Thema, stellt man fest, dass sich die Fälle häufen, in denen Jugendliche nach dem Konsum mit Kreislaufkollaps, Krampfanfällen und Herzrasen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Einige Meldungen sprechen sogar von Komapatienten. Die Langzeitschäden für Körper und Geist sind nicht abschätzbar. Aber so wie es sich angefühlt hat kann ich mir aber gut vorstellen, dass Menschen davon abhängig werden, dass dauerhafte Schäden im Kop entstehen und dass Anfälle von Angst und Paranoia die Folge sind.
Hauptsache High
Für den Drogensüchtigen, den ich kennenlernte, sind die Mischungen eine gute und günstige Alternative, wenn mal kein Gras zu haben ist. Ihm ist bewusst, aber egal, dass sein Kopf darunter zu leiden hat. Die Sucht nach Momenten in abgehobener Verstrahlung unterdrückt jegliche Gedanken an Langzeitgefahren. Wir dürfen die Augen nicht vor dem veschließen, was Teile unserer Gesellschaft noch weiter auf den Boden drückt!


