Komm mit mir in die Freiheit
Zwischen Shane Claiborne & John M. Perkins liegt ein Altersunterschied von über 40 Jahren. Doch in ihren unkonventionellen Glaubensansichten liegen sie ganz auf einer Linie. In ihrem Buch „Komm mit mir in die Freiheit“ behandeln sie im lockeren Dialogstil 18 Jesus-Themen. Sie fordern Christen zu einem authentisch gelebten Glauben heraus, der nicht beim Gebet stehenbleibt, sondern konkretes Losgehen und Handeln zur Folge hat.
„Höre auf Gott, reise um die Welt, lerne eine neue Sprache, hänge an komischen Orten rum und triff seltsame Leute. Finde jemanden, der im Schmerz lebt, und liebe ihn.“ Diese Aussage Shane Claibornes fasst das Anliegen des von ihm und John Perkins geschriebenen Buches „Komm mit mir in die Freiheit“ gut zusammen. In einem lockeren Dialogstil nehmen die beiden Autoren den Leser mit hinein in ihren Herzschlag für die Welt.
Eine Stimme mit den Armen
Perkins (79) und Claiborne (35) leben mit Überzeugung ein Leben mit Gott. Für sie bedeutet das, sich mit allem was sie sind und haben für die Rechte der Menschen einzusetzen. Und das nicht, indem sie eine Stimme für die Armen, Schwachen und Unterdrückten werden, sondern eine Stimme mit ihnen. Sie solidarisieren sich mit den Menschen, leben ein Leben in Einfachheit und Gottvertrauen und teilen den Schmerz der Menschen. Von eben diesem Leben berichten sie in ihrem Buch.
Raus aus der Bequemlichkeit
Das Buch scheint besonders die typisch westlichen „Wohlstandschristen“ aufrütteln zu wollen. Der Anspruch der Autoren an einen Christen ist: Nicht nur glauben, sondern Jüngerschaft leben. Anhand ihrer eigenen Erfahrungen beschreiben sie, wie radikale Jesusnachfolge und Leiterschaft aussehen können. Ein Leben, das sich nicht mehr um einen selbst dreht, sondern sich den Menschen zuwendet. Ein Leben, das gegen Rassismus, Unterdrückung, Gewalt, Armut, Verwahrlosung etc. aufsteht und nicht nur die Stimme erhebt – sondern Taten folgen lässt. So dass Christen nicht mehr nur gegen die Armut der Welt beten, sondern beginnen fair gehandelte Waren zu kaufen, zu spenden oder direkt zu den Ärmsten zu ziehen und mit ihnen zu leben. Eben solche Christen, die sich nicht hinter der Ausrede des Gebets verstecken, sondern nach dem Gebet losgehen und handeln.
Authentische Autoren
Aufgrund ihrer Erfahrungen und dem Verzicht den sie selbst leben, wirken die Worte der Autoren so authentisch. Beide saßen selbst schon im Gefängnis, weil sie der Staatsmacht widersprochen haben und für ihre Überzeugungen einstanden. In ihrem Buch wird deutlich, dass wahre Leiter dort entstehen, wo sie lernen den Schmerz der Menschen nachzuempfinden und in den Schmerz hineinzutreten. Ein Denken, das unserem Christensein äußerst unbequem erscheint. Selbst wenn man nicht mit allen Ansichten der Autoren übereinstimmt, regen sie doch zum Nachdenken an. Der Leser wird herausgefordert, seine eigene Nachfolge zu hinterfragen und Augen und Herz für die Not der Menschen zu öffnen.
Ungewohnte Denkweise
Da die Autoren alle Aussagen die sie über Leiterschaft und Nachfolge tätigen, mit konkreten Beispielen untermauern, kann die ein oder andere Aussage etwas befremdlich auf den Leser wirken. Die Autoren schreiben aus ihrer eigenen Lebenswelt. Das bedeutet u.a., dass dem Thema der Rassentrennung zwischen schwarzen und weißen Menschen immer wieder große Aufmerksamkeit gewidmet wird, was man als junger, deutscher Leser nur teilweise nachvollziehen kann. Und doch öffnen solche Beispiele den Blick dafür, dass die Not in anderen Gebieten der Welt eine andere war und ist als bei uns. Der eigene Horizont wird so geweitet.
Ungewohnte Schreibweise
Die Dialoge zwischen Perkins und Claiborne sind nicht rhetorisch durchkonstruiert. Sie wiederholen manches und die Übergange sind oft etwas holperig, so dass man einigen Gedanken nicht sofort folgen kann. Das ist der Preis, den das Buch dafür zahlt, dass die Autoren frei von dem sprechen, was sie erlebt haben und wofür ihr Herz brennt - Gott und die Menschen. In all diese Erfahrungen bringt besonders Perkins immer wieder kurze Lehreinheiten ein.
Ein Buch für Querdenker
Wer eine biblisch-theologische Abhandlung über wahre Jüngerschaft erwartet, wird von diesem Buch enttäuscht werden. Ebenso jeder, der sich in seinem bisherigen Gemeindekuschel-Christsein bestätigt wissen möchte. Wer aber bereit ist, sich die Augen für die Not der Welt öffnen zu lassen und zu riskieren, dass er Glaube und Jüngerschaft neu denken muss, für den ist das Buch nur zu empfehlen. Würde man die Ideen der Autoren radikal durchziehen, würde Christsein ganz anders aussehen, als wir es gemeinhin in Deutschland verstehen.
Shane Claiborne & John M. Perkins: Komm mit mir in die Freiheit. Ein Buch für radikale Jesusnachfolger. cap-books, 280 Seiten, 12,95 Euro, ISBN 9783867731195


