Käßmann: Mit dem Strom, gegen die Soldaten

Vier tote Soldaten in zwei Wochen - der Einsatz am Hindukusch wird immer gefährlicher. Doch die Bundeswehr hat nicht nur mit einem unsichtbaren Feind in Gestalt der Taliban zu kämpfen, der jeden Augenblick zuschlagen könnte. Fast genauso demoralisierend dürfte die Stimmung in der Heimat sein: Gleichgültigkeit in der Bevölkerung, die Armee immer wieder am Pranger - wie eindrucksvoll vorgeführt von Margot Käßmann auf dem Evangelischen Kirchentag.
  • Foto: Flickr/evangelisch

 

Knapp zehn Jahre stehen Soldaten der Deutschen Bundeswehr nun schon im Land am Hindukusch. Ein Ende des Konfliktes ist nicht absehbar und auch ein baldiger Abzug der mittlerweile fast 5500 Soldaten hinterließe kein befriedetes Afghanistan. Terrorismus, Islamismus, Demokratisierung, Pakistan, Mohnanbau – die Liste der großen Fragezeichen in Bezug auf den Einsatz ließe sich noch weitaus länger fortsetzen. Die Frage nach dem „Wie“ lässt sich in Afghanistan nicht mit einem Satz abhaken, sicher auch nicht mit zweien.

„Beten statt Bombarbieren“

Dennoch meint Margot Käßmann, die ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, diese schwierige Frage beantworten zu können. Nicht ganz so plump wie 2009 – als sie schlicht und einfach feststellte, „nichts“ sei gut in Afghanistan – und doch sind ihre Äußerungen auf dem zurückliegenden Evangelischen Kirchentag keine Spur weniger brisant: „Man sollte lieber gemeinsam mit den Taliban beten, statt Tanklaster in Kunduz zu bombardieren.“

Ein Frontalangriff auf den deutschen Einsatz am Hindukusch

Es sind Worte, denen jeder Mensch auf den ersten Blick zustimmt. Beten ist besser als Bombardieren, schon klar. Für diese Klarstellung bedarf es nicht des Friedensapostels Käßmann. Ein näherer Blick entpuppt Käßmanns Satz jedoch als mehr als einen ihrer typischen populärtheologischen Heile-Welt-Kalendersprüche. Käßmanns Satz ist ein Frontalangriff auf den deutschen Einsatz am Hindukusch, vor allem aber auf die Würde jener Männer, die in Afghanistan tagtäglich ihr Leben riskieren. Die Tatsache, dass Käßmann diesen Satz sagt, nachdem in den vergangenen zwei Wochen vier Bundeswehrsoldaten von Taliban-Terroristen ermordet wurden, macht die Sache noch schlimmer.

Nicht nur, dass sie die blutrünstigen Terroristen der Taliban, die gezielt Zivilisten ermorden und auf Sanitätsfahrzeuge schießen, zu friedliebenden Sandalenhippies verklärt und verharmlost, mit denen man in einem afghanischen Zelt mal eben bei einer Tasse Tee das Tischgebet sprechen könne. Würde sie – wie Verteidigungsminister Thomas de Maizière – dazu aufrufen für die Taliban zu beten, statt mit ihnen, würde dieser Eindruck nicht entstehen.

Verdrehte Rollenverteilung

Noch schlimmer aber wiegt, dass Käßmann auf dem Kirchentag ein Bild der Bundeswehr als einer Bande marodierender Waffennarren zeichnet, die aus purem Spaß Tanklaster bombardiert und afghanische Zivilisten abschlachtet. Ihre Rhetorik verdreht die Rollenverteilung im Afghanistankonflikt, macht aus Tätern Opfer und aus Opfern Täter. Die Taliban als missverstandene Verhandlungs- und Gebetspartner, Bundeswehrsoldaten als Todesschwadronen - Käßmann zeichnet dieses Bild nicht wortwörtlich, ihre Ausführungen lassen einen anderen Schluss aber nicht zu.

Galionsfigur eines pseudo-christlichen Gutmenschentums

Man könnte Käßmanns Äußerungen als realitätsferne Geschichte aus tausendundeiner Nacht abtun - wären sie nicht so gefährlich. Denn die Theologin redet nicht als Privatperson, sondern als Galionsfigur eines pseudo-christlichen Gutmenschentums, die von den Deutschen geradezu frenetisch angehimmelt wird. Wenn eine so gewichtige Person öffentlich die Bundeswehr an den Pranger stellt, verschafft sie Kräften eine theologische, mehr aber noch politische Legitimation, die eine solche eigentlich nicht genießen dürften.

Es sind jene Kräfte, die in den vergangenen Wochen Bundeswehrfahrzeuge angezündet und sabotiert haben, um damit einen vermeintlichen Beitrag zum Frieden zu leisten. Es sind jene Antifaschisten, die sich vor wenigen Tagen auf ihrer Homepage über den Tod des gefallenen Major Tholis und die Verletzungen General Kneips freuten: „Endlich ein Grund zum Feiern - endlich hat es die Richtigen erwischt. Endlich hat es die erwischt, die die Verantwortung für diesen barbarischen Krieg tragen.“  Linksextreme, die seit Jahren den Tod von Bundeswehrsoldaten zynisch als „Schritt zur Abrüstung“ bejubeln.

Käßmann macht antimilitaristisches Gedankengut salonfähig

Margot Käßmann gehört nicht zu diesen Gruppierungen und ihr zu unterstellen, sie freue sich über den Tod deutscher Soldaten, wäre nicht nur abstrus, sondern auch verleumderisch. Dennoch verleiht die ehemalige Bischöfin den Feinden der Bundeswehr Legitimation und macht antimilitaristisches Gedankengut salonfähig. Sie bereitet darüber hinaus einer gesellschaftlichen Stimmung den Boden, in der Soldaten als Mörder verschrien, statt als wagemutige, respektable Männer gesehen werden, die sich im Notfall für ihr Land opfern. 

Theologisch verpackter Friedenspopulismus

Es ist beschämend anzusehen, wie viele Deutsche der ehemaligen Bischöfin bei ihrem theologisch verpackten Friedenspopulismus zujubeln. Käßmann spricht nicht aus ehrenhaften Motiven, sie profiliert sich schlicht auf dem Rücken von Deutschlands Soldaten. Schickt die Bundesrepublik Soldaten auf Missionen am anderen Ende der Welt, so sollte sie dafür Sorge tragen, dass diese dafür auch angemessen gewürdigt werden. Die offenen Arme, mit denen Margot Käßmann von führenden Politikern aus Koalition und Oppositionen stets empfangen wird, wie auch wieder auf dem diesjährigen Evangelischen Kirchentag: Sie sprechen eine andere Sprache.

Soziale Netzwerke:

Willkommen! idealisten.net – Das Netzwerk zum Mitmachen!

Deine Beiträge - ob Text, Bild oder Video - sind gefragt! Registriere dich mit Benutzername, E-Mail und Passwort und schon kannst du mitmachen.

 
 
 
 


Du musst eingeloggt sein, um einen Beitrag kommentieren zu können.

2 Kommentare wurden bereits abgegeben

1