Jesus im Fußballstadion

Eine Vereinigung von Fußballfans, die sich “Totale Offensive” (TO) nennt? Da dürften wohl die meisten erschrocken an Hooligans denken. Doch hinter den Fanclubs, die sich unter dem Dach von TO vereinigen, stecken alles andere als aggressive Schläger: Es sind zumeist gläubige Christen, die sich im Namen des Fußballs sozial-diakonisch in Deutschland engagieren. Im Fokus ihrer “totalen Offensive”: Präventionsarbeit gegen Gewalt und Drogen. Christliche Fußballclubs sind schon längst nichts Absurdes mehr.
  • Fußball-Fans mit einer klaren Botschaft und einer Menge Spaß. Foto: Totale Offensive DSC

 

“Jesus heilt” im Fußballstadion

Über 500 Fanclubs hat der HSV – ein ganz besonderer darunter ist die “Totale Offensive”. Schon das Motto des Clubs, “Gegen den Strom!”, zeigt: Dieser Fanclub ist nicht wie jeder andere: Die Clubmitglieder wollen nämlich ihre christliche Überzeugung mit ins Stadion nehmen. Kein Wunder also, dass bei Heimspielen ein “Jesus heilt”-Transparent in der HSH Nordbank Arena hängt und in Hamburger Kirchen HSV-Nächte veranstaltet werden. Mehr als 350 Mitglieder können die christlichen HSV-Fans schon vorweisen, rund die Hälfte davon Kinder. Ihr Symbol ist der christliche Fisch – willkommen sind aber ausdrücklich auch Nicht-Christen, die sich mit den Aktionen des Clubs identifizieren können.

In ganz Deutschland entstehen christliche Fußballfanclubs

Ihre Idee macht Schule – und zwar schon längst über die Grenzen von Hansestadt und HSV hinaus. Deutschlandweit gründen sich immer mehr Fanclubs unter dem Dach der “Totalen Offensive”,  so in Berlin, Dortmund, Bielefeld, Bremen, Hoffenheim, Wolfsburg, Bochum, Dresden und Offenbach. Ein entsprechendes Projekt in Leverkusen steht bereits in den Startlöchern, auch Schalke-Fans wollen sich der “Totalen Offensive” anschließen.

Mit christliche Werten gegen Drogen, Gewalt und Rassismus

Das Ansinnen der christlichen Fußballfans ist von Stadt zu Stadt gleich: "Wir stehen für bestimmte Werte", sagt Gerwin Heinrich, einer der Sprecher des Bielefelder Fanclubs, "wir sind gegen Drogen und Alkoholmissbrauch, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und für ein Leben mit Gott". Ähnlich beschreibt auch Uwe Grantien, Vereinsvorsitzender in Hamburg, die Arbeit der TO. “Wir wollen ein Zeichen setzen für ein Leben ohne Gewalt und Sucht”, erklärt er. So begleite man Kinder und Jugendliche ins Stadion und leiste auf “humorvolle und altersgerechte” Weise Präventionsarbeit gegen Gewalt und Drogenmissbrauch. Darunter fällt auch der übermäßige Konsum von Alkohol, der gerade in der Fußballszene nicht selten ist: "Wir sind keine Abstinenzler, aber wir sind der Meinung, dass Fußballfan sein nicht gleich bedeuten muss, sich zu besaufen”, sagt ein Bielefelder Vereinsmitglied.

Anlaufstelle für reuige Hooligans

Die christlichen Fußballfanclubs sind auch für reuige Aussteiger aus der Hooligan-Szene eine Anlaufstelle: Gründungsmitglied der Bremener TO ist Michael Böthel (43). Jahrelang war das Leben des Ex-Hooligans von Gewaltorgien in Bezug auf Fußball geprägt. Erleuchtet von der Botschaft Jesu Christi stieg er aus der Szene aus und engagiert sich nun in der christlichen Fußballfanszene: “Unser Ziel ist auch, dem ganzen Hass im Fußball sozusagen die Wurzel zu ziehen”, so Böthel heute. In diesem Sinne stellen sich die TO-Clubs besonders körperlicher und verbaler Gewalt rund um den Fußball entgegen.

“Eine Fankultur von Respekt, Toleranz, Friedfertigkeit und Fröhlichkeit”

Das vielfältige soziale Engagement der TO sorgt nicht nur für steigende Mitgliedszahlen und eine wachsende Zahl von Stadtverbänden, auch der Staat erkennt die “Totale Offensive” mittlerweile als gemeinnützigen Verband an. Die “Totale Offensive” ist zwar das wohl bedeutendste Beispiel einer sinnvollen Zusammenführung von Fußball und Jesus Christus. Vorreiter dieser Idee waren allerdings andere, nämlich “TORa et Labora – der frommste Fanclub des FC Köln”. Schon 1999 gründeten die beiden Müngersdorfer Gemeinden St. Vitalis und St. Pankratius diesen ersten christlichen Fußballfanclub.

Beim Deutschen Fußball-Bund freut man sich darüber, dass christliche Fußballfans im Stadion Präsenz zeigen: DFB-Präsident verspricht sich davon, dass „die Christen einen Beitrag dazu leisten, dass die Fan-Kultur von Respekt, Toleranz, Friedfertigkeit und Fröhlichkeit geprägt werde“. Und ließ auf Worte gleich Taten folgen und übernahm kurzerhand die Schirmherrschaft für die deutschlandweite Arbeit der “Totalen Offensive”.

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