Je religiöser, desto gewaltbereiter?
Vor einigen Wochen sorgte ein Forschungsbericht des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen mit dem Thema „Kinder und Jugendliche in Deutschland: Gewalterfahrungen, Integration, Medienkonsum“ für erheblichen Wirbel. „Je religiöser, desto gewaltbereiter“, so brachten die Medien das Ergebnis des Berichts schnell auf den Punkt. Aber warum sorgt diese Erkenntnis für soviel Aufruhr? Auch Richard Dawkins hat doch behauptet, dass Religion und Gewalt sich gegenseitig bedingen und eine Welt ohne Gottesglaube wesentlich friedlicher wäre.
Gewaltbereitschaft bei junge Muslimen
Würde sich das Phänomen generell auf alle Formen von Religiosität beziehen, wäre der mediale Wirbel sicher nicht in dem Maße ausgefallen. Für Empörung sorgte aber vor allem, dass es nicht das Phänomen der Religiosität allgemein ist, das zu höherer Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen führt – im Gegenteil. Es beschränkt sich vielmehr auf junge Muslime, deren Glauben zu höherer Gewaltbereitschaft führt. Bei christlichen Jugendlichen wird dabei eine gegenläufige Tendenz erkennbar: Je christlicher, desto friedlicher und weniger gewaltbereit.
Den Grund für die hohe Gewaltbereitschaft unter jungen Muslimen sieht der Forschungsbericht insbesondere in der „Machokultur“ und dem Konsum gewalthaltiger Medien, die durch zunehmende islamische Religiosität begünstigt werden. So bestehe ein indirekter Zusammenhang zwischen Frömmigkeit und wachsender Gewaltbereitschaft. Über ein direktes Verhältnis zwischen islamischer Religion und Gewalt schweigt der Bericht jedoch.
Vorbild Mohammed als Ursache?
Vielleicht aber liegt das Problem nicht nur in mangelhafter Integration und Anpassung an westliche Umgangsformen, sondern auch in der unterschiedlichen Bewertung von Gewalt durch die beiden Glaubensrichtungen. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass im Hintergrund der friedlichen Grundeinstellung junger Christen das Vorbild von Jesus Christus steht. Dieser gab Nächsten- und sogar Feindesliebe als grundlegende Gebote an seine Jünger weiter. Steht, dieser Argumentation folgend, im Hintergrund der Gewaltbereitschaft junger Muslime eine unkritische Haltung des Islams zum Mittel der Gewalt – ganz nach dem Vorbild des Religionsstifters Mohammed?
Kritik am Islam darf nicht tabu sein
Inwieweit ein solcher Zusammenhang besteht, müsste genauer untersucht werden. Fest steht: Der Ursachenforschung dürfen keine ideologischen Fesseln angelegt werden. Sollte ein direkter Zusammenhang zwischen Islam und Gewalt bestehen, darf auch Kritik an Glaubensinhalten nicht tabu sein. Auch dann nicht, wenn es sich um den Islam handelt.
Die Reaktion des Generalsekretärs des Zentralrats der Muslime in Deutschland („Wer viele Jahre lang Diskriminierung im Alltag erlebt hat, entwickelt krankhafte Abwehrmechanismen.“) lässt indes daran zweifeln, dass man ernsthaft darüber nachdenkt, welche Konsequenzen man aus dem Ergebnis des Forschungsberichtes ziehen kann. Mit einer solchen Haltung behebt man jedoch keine Probleme. Und so wird das Thema, das der Bericht des Kriminologischen Forschungsinstituts wieder neu ins Bewusstsein der Gesellschaft gebracht hat, aktuell bleiben.
Hier kannst Du den Forschungsbericht „Kinder und Jugendliche in Deutschland : Gewalterfahrungen, Integration, Medienkonsum“ runterladen.


