Ist Freundschaft käuflich?
Freundschaft gegen Geld. Diese Idee eines Schweizer Unternehmers scheint gerade jungen Leuten eine lukrative Verdienstmöglichkeit zu bieten. Dabei geht es nicht um Sex, sondern um freundschaftliche Aktivitäten wie Theater- oder Kinobesuche, gemeinsames Tanzen oder ein Abendessen. Der Kunde zahlt die Zeit und Zeche. Doch was ist davon zu halten?
Claudia (Name geändert) ist Mitte 20 und hat vor kurzem ihr Studium abgeschlossen. Seitdem arbeitet sie als selbstständige Unternehmerin. Seit etwa einem Monat hat sich die Wahl-Berlinerin ein „lukratives Hobby“ zugelegt. Sie bietet über die Seite www.friendstorent.com einsamen Geschäftsleuten ihre Begleitung an – zum Mittag- oder Abendessen, auf eine Tanzparty oder ins Theater. Im Gegensatz zu den frivolen Angeboten von Escort-Services ist Sex jedoch tabu. „Entsprechende Anfragen beantworte ich stets negativ“, sagt sie. Ihr Stundensatz liegt bei etwa 50 Euro. Für eine längere Begleitung gibt es Pauschalangebote.
Kontakt per Mausklick
„Ich bin gerne mit Leuten zusammen, zeige ihnen die Stadt oder unterhalte mich mit ihnen“, erklärt Claudia ihre Beweggründe. Auf das Geld sei sie keineswegs angewiesen. Es sei für sie jedoch reizvoll, interessante Persönlichkeiten kennenzulernen. Auf die Internetseite ist sie im vergangenen Monat „zufällig“ gestoßen. Seitdem hatte sie schon vier Treffen. Das Prinzip des Portals – das knapp ein Jahr nach dem Start bereits 2.700 registrierte Mitglieder zählt – ist einfach: Wer nach einer Freundschaft auf Zeit sucht, klickt sich durch die Angebote, schickt bei Sympathie per E-Mail eine Anfrage und bekommt kurze Zeit später Kontakt zu der gefragten Person. Vor dem Treffen werden die Wünsche des Kunden abgeklärt und der Preis vereinbart. Das Spektrum der Leute, die sich auf der Plattform anbieten, ist groß: Von der jungen attraktiven Frau wie Claudia über den sportlichen Sunnyboy bis zu Frauen und Männern in der Mitte des Lebens.
Freundschaft ohne „emotionale Verpflichtung“
Die Idee für das Angebot hatte der Schweizer Marcus Riva (Zürich). Ziel sei es, auf einem unkomplizierten Weg einen Freund auf Zeit zu finden – ohne eine „emotionale Verpflichtung“ eingehen zu müssen. „Die Spielregeln – also Dauer und Inhalt der Leistung – sind für beide Seiten klar.“ Er selbst hat nach seinen Aussagen bislang nicht an der Internetseite verdient – denn derzeit läuft noch die Testphase. Erst in ein paar Monaten soll pro Vermittlung ein kleiner Anteil an Riva gehen. Aus Sicht von CVJM-Sprecherin Maren Kockskämper (Kassel) ist das neue Angebot ein Zeichen dafür, dass viele Menschen einsam sind. Daraus erwachse eine Verantwortung für die Christen: Sie sollten in ihren Gottesdiensten und Gruppen Gemeinschaft stiften und Beziehungen herstellen.
Vertretbar für Christen?
Die Fragen, die bleiben: 1. Darf ich als junger Christ diese Internetseite nutzen, um so Kontakt zu Nichtchristen aufzubauen? 2. Ist es verwerflich, einen Teil seiner kostbaren Zeit gegen Geld fremden Leuten zur Verfügung zu stellen? Zu 1: Aus biblischer Sicht spricht nichts dagegen, bei einem solchen Treffen, dem Gegenüber von seinem Glauben zu erzählen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ich den Gesprächspartner nicht nur als Kunden oder gar „Missionsobjekt“, sondern als von Gott geliebten Menschen ansehe. Wer sich so einsam fühlt, dass er bereit ist, für ein paar nette Stunden mit einer fremden Person viel Geld auszugeben, wird möglicherweise offen sein für die Glaubensansichten seines „Freundes auf Zeit“ sein. Zu 2: Zudem geht es bei dem Portal nicht nur um die Vermittlung von Freizeitpartnern – man kann auch praktische Tätigkeiten (Babysitten, Rasenmähen oder Hilfe im Haushalt) anbieten. Und für eine solche Dienstleistung Geld zu verlangen, ist – solange es sich im Rahmen hält – durchaus vertretbar. Im Übrigen kann jeder selbst entscheiden, ob der Verdienst in die eigene Tasche wandert – oder ob man ihn spendet.
Es gilt also die Devise: Keine Scheu vor neuen Wegen. Allerdings sollte für Christen nicht das Abkassieren sondern das Gegenüber im Fokus stehen. Schließlich dürfte diese Haltung den Unterschied zu den anderen Nutzern ausmachen!



