Ist doch alles nur gespielt!

Es gibt mal wieder eine neue Studie über Castingshows. Das Ergebnis: Die Teilnehmer lassen sich oft manipulieren, der Erfolg der Gewinner ist meist kurzlebig und Geld verdient nur der Sender. Erstaunlich ist aber, dass 80 Prozent der Mädchen und 60 Prozent der Jungen, die die Shows regelmäßig sehen, tatsächlich der Meinung sind, dass das, was dort gezeigt wird, eine reine Dokumentation ist. Augen auf, Jungs und Mädels!
  • Wahrheit oder Lüge? Bei Castingshows ist das meiste nur gespielt; Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

 

Die Gewinnerin der 10. Staffel der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ kommt aus der Schweiz und heißt Beatrice Egli. In ein paar Monaten werden die meisten sie vermutlich wieder vergessen haben. Doch das ist nur nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass sich die Hinweise verdichten, dass die Macher der Sendung den Sieg von Beatrice künstlich herbeigeführt haben. Sie hätten ganz systematisch in den Entscheidungsshows die Sängerinnen und Sänger „rausgeschmissen“, die der Schweizerin eindeutig überlegen waren, heißt es in verschiedenen Internetforen und von ehemaligen Kandidaten der 10. Staffel.

„Das ist totaler Betrug!“ 

Im Internet tobt ein Entrüstungssturm. „Das ist totaler Betrug! Ich find DSDS so toll, aber ich werd die Sendung nicht mehr gucken!“, schreibt ein Mädchen unter dem Nickname „starlet93“ in einem Forum. Viele jugendliche Zuschauer sind tatsächlich irritiert. Denn das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (München) hat gemeinsam mit der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen herausgefunden, dass eine überwiegende Mehrheit der Jugendlichen dem Gestus der Shows glaubt. Anhand einer Umfrage stellten die Forscher fest, dass sowohl Teilnehmern als auch Konsumenten von Castingshows der Betrug nicht bewusst ist.

Es gibt viele Möglichkeiten zu schummeln 

Auffällig und kaum glaubwürdig ist zum Beispiel die enorme Fülle von Kandidaten mit großen Schicksalsschlägen. Hier wird im ein oder anderen Fall das Schicksal nicht nur etwas verschlimmert, sondern teilweise sogar ganz erfunden: Mutter verstorben, schlimmes Mobbing in der Schule, Drogenkarriere, unheilbare Krankheit – die Liste ist lang.

Der ehemalige DSDS-Kandidat David Peters gab an, er sei gezwungen worden, eine homosexuelle Beziehung mit einem Mitbewerber vorzutäuschen. Der 25-Jährige verklagte RTL Anfang 2012 wegen Nötigung. Was aus dem Prozess wurde, ist nicht bekannt. Der Sender wies die Vorwürfe zurück und schweigt seitdem.

Immerhin offenbarten die Produzenten, dass sie Szenen und Kommentare der Jury teilweise beliebig zusammen schneiden. So wird ein netter Kommentar des Jurors im Nachhinein am Schneidetisch durch einen unverschämten ersetzt – einfach weil es besser passt, lustiger ist und mehr Quote bringt. RTL erklärte jedoch, die Kandidaten seien über diese Möglichkeit informiert.

Lügen auch bei Germany’s Next Topmodel?

Die Models aus Heidi Klums Sendung „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) haben sich  bislang noch nie zu möglichen Schummeleien geäußert – jedenfalls ist bisher nichts bekannt. Es heißt, die Verträge seien lückenlos und geben den Kandidatinnen keine Chance, die Show negativ in die Schlagzeilen zu bringen. Denn wenn man genau hinschaut, dann fallen einem so manche Dinge auf: Von Show zu Show werden die Modelkandidatinnen zickiger, bissiger und gemeiner zueinander. Kleine Fehler einzelner Bewerberinnen, die von Anfang an sichtbar waren, jedoch keine Rolle spielten, werden plötzlich in den Mittelpunkt gestellt.

Was war mit GNTM-Liebling Jacqueline?

Auch beim ehemaligen Liebling Jacqueline, die gerne Pastorin werden will, wurde der Kleiderschrank urplötzlich zum Thema. Dem durchschnittlichen Zuschauer war vorher nicht aufgefallen, dass die magere 17-Jährige die falschen Klamotten trug: Zu alt, zu out, zu hässlich. Heidi Klum zwang die Hamburger Schülerin dazu, die mit ihren persönlichen Kleidern eine kleine Modenschau zu laufen. Gemeinsam mit den anderen Kandidatinnen lachte die „Modelmama“ über die Jacquelines Mode. Bis Jacqueline zu weinen begann. Ziel erreicht. Heidi Klum trällerte: „Oh Jacqueline, wir wollen dir doch nichts Böses. Wir meinen es doch nur gut.“ Mit dieser Szene bewarb Pro7 die Folge und jeder, der den Anspieler gesehen hatte, wollte natürlich wissen, warum da geweint wird. Die Folge: Die Sendung konnte die höchsten Einschaltquoten in diesem Jahr verzeichnen.

Schaut man sich Jacquelines Facebook-Profil heute an und beobachtet ihren Auftritt in Stefan Raabs Show „TV Total“, kommt sie so gar nicht mehr wie ein Opfer rüber. Sie macht den Eindruck eines völlig normalen Schulmädchens, das etwas schüchtern ist und mit dem Wunsch Pfarrerin zu werden nicht dem Mainstream hinterher läuft. Sie kleidet sich normal, sieht hübsch aus und agiert selbstbewusst.

Keine Angst!

Und trotzdem vertrauen die meisten jugendlichen Zuschauer den Darstellungen. Die Studie der beiden Institute hat als Grund dafür angegeben, dass viele junge Menschen von Zukunftsängsten geprägt seien. Sie wollten den Lebensstandard der Eltern aufrecht erhalten und einen tollen Beruf erreichen. Die Shows spielen gerade mit diesem Verlangen. Darum ist es wichtig, deutlich zu machen, dass das nicht die Wirklichkeit ist. Wenn man etwas schaffen will, dann braucht man dafür keine gestellten Szenen und gelogene Geschichten. Dann braucht man viel Willen und etwas Talent.

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