Israelfeindlichkeit im Geschichtsunterricht
Schüler sollen eine „multiperspektivische Sicht“ auf historische Ereignisse erhalten. Das ist zumindest das Ziel der Schulbuchverlage. Doch gerade die Darstellung des israelisch-palästinensischen Konflikts bleibt dabei weitestgehend einseitig.
Als Bedrohung empfunden
Kaum ein Staat beschäftigt die Medien und Gespräche schon so lange wie Israel. Zunehmend negativ werden die Maßnahmen der Regierung unter Benjamin Netanjahu gesehen. Vor allem unter Linksliberalen gerät das Land im Nahen Osten immer mher in die Kritik. Viele Menschen empfinden Israel als eine Bedrohung für den Weltfrieden. Immer wieder wird der Vorwurf laut, dass das Land Verbrechen an den Palästinensern begeht.
Schon Schülern wird das „Negativbild Israel“ gelehrt
Das „Negativbild Israel“ wird in Deutschland bereits in der Schule vermittelt. Viele Verlage stellen in ihren Büchern lange Lerneinheiten zum Nahostkonflikt bereit. Es gibt Sonderhefte und Zusatzmaterialien, aus denen Schüler sich Informationen zur Thematik holen können. Doch so vielfältig das Angebot ist, so einseitig scheint auch oft die Darstellung. In den Unterrichtsmaterialien werden die Israelis in hohem Maße als Täter und die Palästinenser als deren Opfer dargestellt. Ferner befinden sich „veraltete“ Texte aus den 1990er Jahren in den Büchern sowie Fehler, Auslassungen und Verdrehungen, wie Gideon Böss in einem Artikel auf „WeltOnline“ schreibt.
Selbstmordattentate aufgrund „schlechter wirtschaftlicher Lage“?
So heißt es in dem Geschichtsbuch „Horizonte“ für die Jahrgangsstufe 12 vom Schulbuchverlag Westermann, dass die Palästinenser nie aus taktischen Gründen zum Terror griffen. Sie handelten lediglich „unter Druck“ oder eben, wenn sie sich „Verrat“ ausgesetzt sähen. Auch die Selbstmordattentate scheinen laut dem Schulbuch ihren Ursprung in der „schlechten wirtschaftlichen Lage“ der Palästinensergebiete zu haben, die von den Israelis verursacht worden sei. Den harmlos dargestellten Palästinensern wird in den Büchern schließlich der „jüdische Terror“ entgegengesetzt. Mit „gezielten Aktionen“ vertrieben die Israelis ihre palästinensischen Mitmenschen.
Palästinensischer Terrorismus einfach ausgespart
Für die Schüler ergibt sich dadurch möglicherweise Folgendes: Die Aktionen der Juden sind skrupellos, die Araber hingegen handeln lediglich aus ihrer Not heraus. Der Konflikt im Nahen Osten wird somit in nahezu alleiniger Verantwortung Israel zugeschrieben. Der Eindruck wird sogar noch verstärkt: Die „Liste der Friedenshindernisse“ in dem Westermann-Geschichtsbuch, wie Böss schreibt, spart den palästinensischen Terrorismus und die Charta der Hamas gänzlich aus. In der Charta ruft die Hamas zur gezielten Vernichtung Israels auf, auch Friedensgespräche mit den jüdischen Nachbarn werden darin vehement abgelehnt.
Tendenziöse Geschichtsdarstellungen
Noch konkreter scheint der Schroedel-Verlag in eine Richtung zu drängen. In dem Buch „Thema Geschichte - Der Islam“ kann der Schüler lesen, dass die Israelis den Palästinensern „unermessliches Leid“ zufügen. Ferner heißt es in dem Buch, dass „ca. 1 Million“ Araber von den Israelis in die Flucht getrieben worden seien. Selbst die „Generaldelegation Palästinas in der Bundesrepublik Deutschland“ geht nur von einer Anzahl von rund 700.000 Palästinensern aus.
Der Klett-Verlag tendiert in eine ähnliche Richtung. In dem Zusatzheft „Nahohst – Der Kampf um das Heilige Land“ wird die Ursache für die zweite Intifada, die im Jahr 2000 begann, den Israelis zugeschrieben. Denn die Ausschreitungen seien eine „Reaktion auf die Sackgasse, in der die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation) angesichts der Unnachgiebigkeit Israels festsaß“. Ebenso spart der Schulbuchverlag Cornelsen Fakten zu der Thematik aus. In „Forum Geschichte 12“ wird die Flüchtlingsproblematik zwar angesprochen, allerdings auf die Palästinenser reduziert. Unerwähnt bleibt, dass auch Juden vertrieben wurden.
„Multiperspektivität“ in Geschichtsbüchern?
Dass die Schulbücher mit dem Ziel der Multiperspektivität erstellt wurden, lässt sich kaum nachvollziehen. Schüler sollen eigentlich lernen, dass Ereignisse immer vielfältig gedeutet werden können. Doch Anleitung dazu erfährt der Lernende hier kaum, auch wenn es von Cornelsen heißt: „Zentrales Anliegen eines modernen Geschichtsunterrichts ist es, die Schüler zu einem vertieften und reflektiertem Umgang mit Geschichte zu befähigen.“ Dass eine einseitige Perspektive bereits in dem Büchern vorgegeben ist, will man bei den Verlagen aber nicht hören.


