Freundschaftsspaziergänge

Unser Alltag ist voller Eindrücke. Im Einkaufszentrum läuft Hintergrundmusik. Für die Zeiten der Bus- oder Bahnfahrt steckt der MP3-Player im Ohr. Während der Hausaufgaben läuft der Fernseher. Eine Aufgabe folgt der nächsten. Schließlich muss man zusehen, dass man alles erledigt bekommt. Warum die Natur ein idealer Ort ist, um mit dem Schöpfer allein zu sein.
  • Foto: Pixelio/TORBO

 

Wenn ich mir eine Viertelstunde Zeit nehmen möchte, um in der Bibel zu lesen, klingelt prompt das Telefon. War wieder nichts. Das Alltagsleben ist laut. Es ist schnell, und uns bleibt keine Wahl. Wir schwimmen mit. Oder?

Kopf und Herz waren voll

Ich habe es einfach ausprobiert. Kopf und Herz waren voll. Ich wollte Gott begegnen. Ohne zu wissen, wie es werden würde, zog ich mir eine alte Hose und Turnschuhe an und ging los, in Richtung Wald. Zuerst lief ich zügigen Schrittes. Ich lief so schnell, wie die Gedankengänge in meinem Kopf hin und her schossen. Ich nahm die Eindrücke auf, die gerade kamen und sprach mit Gott darüber. Laufend betend. Mit der Zeit leerte sich mein Kopf. Je mehr ich abschaltete, umso ruhiger wurden meine Schritte. Ich ging langsamer und nahm den Wald in mich auf. Die Biene auf einer Blüte, das Plätschern des Baches. Manchmal blieb ich stehen, um die Vögel nicht zu verjagen, die im Blattwerk saßen. Fasziniert beobachtete ich ihr Treiben. Ich war zur Ruhe gekommen.

Am liebsten laufe ich da, wo ich keine Autos höre und selten Menschen begegne. So werde ich am wenigsten abgelenkt. Während des Spaziergangs höre ich so viele leise Geräusche, wie z.B. das Huschen der Feldmaus im Gestrüpp. Einmal stand mir ein Reh gegenüber. Gottes Schöpfung ist toll! Und sie zu entdecken macht mir richtig Spaß. Wenn es warm ist, nehme ich mir schon mal ein Buch mit, oder meine Bibel, und setze mich auf einen Baumstumpf, um dort zu lesen.

Ihm sagen, was mich beschäftigt

Diese Zeiten im Wald sehr wertvoll. Ich sehne mich nach Gott, nach Ruhe um ihn zu verstehen. Ich möchte mit ihm reden über das, was am Tag war. Ich möchte ihm sagen, was ich mir wünsche und was mich beschäftigt. Für mich sind die Stunden in der Natur zu Oasen geworden. Ich genieße es, die Verpflichtungen hinter mir zu lassen und mir die Zeit zu nehmen, in die Felder zu gehen. Dort komme ich zur Ruhe. Ich denke über Menschen nach, die mir wichtig sind, über Entscheidungen die anstehen, oder ich schalte einfach nur ab. Im Wald kann ich das besser als in meiner Wohnung, wo mir einfällt, was noch zu erledigen ist, oder wo ich gestört werde.

Gott mitnehmen

Gottes Reden zu hören ist nicht leicht. Doch im Wald habe ich den Eindruck, ihn besser zu verstehen. Da breche ich nicht einfach ab, wenn ich alles gesagt habe, was mir auf der Seele liegt. Wir gehen gemeinsam weiter, und ich höre Gott zu. Manchmal wandern meine Gedanken ab. Beispielsweise schaue ich nach dem Vogel in der Buche und entdecke, dass es eine Goldammer ist. Dass ich den Faden verliere, kann ich nicht verhindern. Aber es macht mir keinen Stress. Ich kann Gott mitnehmen unter den Baum. Gemeinsam schauen wir uns den Singvogel an und freuen uns.

Heute entdeckte ich ein Nest in einem Baum. Daran bin ich schon öfter vorbeigekommen. Erst heute habe ich es gesehen.

Stelle des größten Friedens

Eine Stelle im Wald ist mein Lieblingsplatz. Der Weg windet sich, man kommt um eine kleine Biegung, und vor mir liegt ein Stück heller Laubwald. Die Sonne scheint warm und hell durch die grünen Blätter. Statt mit braunem Laub ist der Waldboden über und über mit Moos bedeckt. Für mich war das die Stelle des größten Friedens im Wald. Der Sturm Kyrill hatte aber genau an dieser Stelle leichtes Spiel. Hier sind die meisten Bäume umgefallen. Als ich nach dem Sturm wieder um die Biegung kam und das Chaos entdeckte, dachte ich: „Wie in meinem Kopf - Chaos“.

Nun ist die Stelle aufgeräumt. Die umgefallen Bäume sind entfernt. Es ist Platz für Neues. Und wieder passt die Situation zu mir und dem, was mich beschäftigt.

Jede Zeit im Wald ist anders. Jede von ihnen ist etwas ganz besonderes für mich. Ein Oase der Ruhe. Freundschaftsspaziergänge von Gott und mir.

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7 Kommentare wurden bereits abgegeben

  • 7.  
    schrieb am 22.02.2011 21:15

    Die Natur bringt mich auch immer näher zu Gott. Und wenn ich manchmal abends dann vor die Tür trete und dann den Sternenhimmel sehe (wenn man ihn mal sieht) dann könnte ich platzen vor Dankbarkeit Gott gegenüber.... und dann kann ich gar nichts anderes tun als mit Gott zu reden und ihm zu danken.

  • 6.  
    schrieb am 16.01.2011 00:05

    Ein echt guter Beitrag zwinker

    Es spricht mir wirklich aus dem Herzen.

    Mir geht es auch so, dass ich in der Natur am besten abschalten & mit Gott reden kann smile

    Ich gehe so gut wie jeden Tag Abends mindestens eine halbe Stunde spazieren (ich muss mir die Zeit nehmen, da der Hund raus will big green) & nutze die Zeit bewusst, um mit Gott den Tag nochmal Revue passieren zulassen.

    Es ist wirklich empfehlenswert zwinker

  • 5.  
    schrieb am 07.02.2009 13:57

    Ich finde Gottesbegegnung ist an stillen Orten möglich,auch im Wald.Deine Erfahrungen möchte ich auch teilen,denn mir ist ähnliches wiederfahen.Dort im Wald werde ich mir meiner 'unbedeutenden' Größe

    bewußt und erlebe Schöpfung hautnah. Jetzt lebe ich in einer großen Stadt und der Wald fehlt mir.


    Danke für deine Ausführungen

  • 4.  
    schrieb am 05.12.2008 14:58

    Ich habe mal einen Spruch gelesen:

    Wer Gott im Wald sucht, der kann sich auch vom Oberförster beerdigen lassen.

    Neben bei ich bin gern im Wald unterwegs im Sommer jeden Tag mit dem Fahrrad. Und man hat auch eine Menge guter Gedanken. Sicher kann man da auch Gott begegnen, aber ich halte es trotzdem für schwierig das so anzusagen.

  • 3.  
    schrieb am 02.12.2008 20:51

    Ich geh gerne einfach raus aus dem Ort, egal ob in Wald oder nicht. Manchmal geh ich auch an den Rhein, dort gibts auch schöne Plätze.

    Keine Zeit glaub ich fast nicht, die muss man sich nehmen. Ich geh als auch nachts um 2 noch, anstatt ins Bett zu gehen einfach noch 30min oder so raus. Am nächsten Morgen bin ich wesentlich erholter, als wenn ich gleich ins Bett geh.

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