In den Krallen des Schönheitswahns

Schlanke Figur, reine Haut, strahlender Teint … tagtäglich präsentieren uns Medien und Werbung, wie wir aussehen müssen, um „schön“ zu sein. Menschen mit Makeln bekommen wir dabei kaum zu sehen – außer sie werden der Lächerlichkeit preisgegeben. Kein Wunder also, dass gerade junge Menschen, die erst noch lernen müssen, sich in ihrem Körper wohl zu fühlen, immer häufiger unter Selbstzweifeln leiden. Bei vielen führt der Schönheitswahn sogar zu Magersucht, Bulimie oder Depressionen. Dabei entspricht das Schönheitsideal der Medien selten der Wirklichkeit.
  • Foto: flickr/bulinna

 

Deutsche Teenager sind unzufriedener mit ihrem Körpergewicht als Gleichaltrige in anderen westlichen Ländern. Das hat eine Studie der Universität Bielefeld unter Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gezeigt. Danach schätzen sich 15-Jährige am häufigsten als zu dick ein, auch wenn sie eigentlich ein gesundes Idealgewicht haben. Mit 15 stecken sie auch mittendrin in der Lebensphase, in der Jugendliche sich selbst kennen- und lieben lernen sollten.

Grund für diese Unzufriedenheit ist der Vergleich, den wir häufig mit anderen Menschen ziehen. Auch und gerade mit Menschen, die für Glück und Erfolg stehen: Medienstars, Models, Musiker. Die meisten Bilder, die von Stars im Umlauf sind, zeigen makellose Gesichter und Körper – kein Wunder also, dass gerade junge Menschen an ihrem eigenen Körper ständig neue „Schönheitsfehler“ entdecken. Denn schlank oder muskulös zu sein, gilt als schön. Das hat die Werbeindustrie zum Geschäft gemacht und die Kunden kaufen ihnen die schönen Gesichter dankend ab.

Manipulierte Schönheit

Makellose Haut, das perfekte Dekolleté, volle Lippen und ein flacher Bauch – die rundum perfekte Schönheit, wie wir sie uns vorstellen – und die Werbung uns vorgaukelt –, gibt es allerdings nur sehr selten. Viel seltener, als wir sie täglich zu sehen bekommen. Den meisten Menschen helfen Make-Up und formende Kleidung, in den Medien heißt das Schönheitselixier: Bildbearbeitung. Bis zu 5.000 Mal wöchentlich sehen wir Bilder digital bearbeiteter Körper, schätzt die Psychoanalytikerin Susie Orbach, die 2010 das Buch „Schönheitswahn: Der Körper als Baustelle“ herausgegeben hat. Diese Bilder prägen, vor allem unterbewusst. Denn was wir in den Medien sehen, halten wir häufig unbewusst für real.

Gerade junge Menschen vergleichen sich mit dem medial vermittelten Schönheitsideal. Dass digital manipulierte Bilder zu selbstgefährdendem Verhalten führen können, hat in manchen Ländern schon zu Debatten unter Gesetzgebern geführt. In Frankreich wollten Abgeordnete manipulierte Bilder deutlich kennzeichnen lassen, in den USA hat die National Advertising Division ein Werbeplakat für Wimperntusche ausgeschlossen, das die Countrysängerin Taylor Swift mit digital verbesserten Wimpern zeigt, da die Darstellung irreführend sei.

Dove ist gescheitert

Vor zwei Jahren wollte es die Kosmetikmarke Dove anders machen und setzte molligere Frauen in der Werbung ein – sie sind gescheitert. Scheinbar will niemand Frauen auf Plakatwänden und in der Werbeunterbrechung im Fernsehen sehen, die nicht den Idealmaßen entsprechen. Angeblich zeigte eine Studie von der Arizona State University (ASU), der Erasmus-Universität in Rotterdam und der Universität Köln aus 2010, dass übergewichtige Models das Selbstwertgefühl der Kundinnen negativ beeinflussen. Denn übergewichtige Kundinnen würden durch mollige Models nur noch mehr an ihr Problem erinnert. Das Problem sind also nicht nur die perfekten Körper, die von Plakat- und Leinwänden lächeln, sondern vor allem auch unser Bild von uns selbst.

Gefährlicher Wahn

Egal ob wegen manipulierter Bilder, unglaublich schöner und schlanker Menschen im Bekanntenkreis oder tatsächlichem Übergewicht – für Menschen mit Schönheitsfehlern gibt es einen weltweit agierenden „Retter“: die Kosmetikindustrie. Anti-Faltencremes werden schon für junge Menschen ab 20 Jahren angeboten, an Jugendliche verkaufen sich Abdeckstifte und Anti-Pickel-Wasser gut. Dagegen ist nichts einzuwenden, auch ein paar Bier bei einer gelegentlichen Party führen nicht gleich zum Alkoholismus. Doch wenn Make-Up und Diäten zum Lebensinhalt werden, ständig Kalorien gezählt werden und vielleicht sogar der Schritt zum Chirurgen in Erwägung gezogen wird, ist der Schönheitswahn zur gefährlichen Droge geworden.

10 % aller Schönheitsoperationen an Unter-20-Jährigen

Und der überfällt nicht nur Mädchen und junge Frauen, auch die Zahl bulimiekranker Männer hat zugenommen, auch sie legen sich immer öfter unters Messer, und der Markt für Anti-Aging Produkte für Männer wächst stetig. Nach Angaben der Vereinigung Deutscher Plastischer Chirurgen werden zehn Prozent aller Schönheitsoperationen an Patienten unter 20 Jahren vorgenommen. Andere, häufigere Folgen des Schönheitswahns sind Magersucht, Bulimie, Depressionen oder ganz allgemeine Unzufriedenheit mit sich selbst und mit dem eigenen Leben.

Im zweiten Teil dieses Beitrags geht es darum, wie man dem Schönheitswahnentfliehen kann. 

Soziale Netzwerke:

Willkommen! idealisten.net – Das Netzwerk zum Mitmachen!

Deine Beiträge - ob Text, Bild oder Video - sind gefragt! Registriere dich mit Benutzername, E-Mail und Passwort und schon kannst du mitmachen.

 
 
 
 


Du musst eingeloggt sein, um einen Beitrag kommentieren zu können.