In den Ferien dienen und Spaß haben
Die Urlaubszeit naht. Sonne, Strand und Meer ? was will man mehr?! Für Leah Will ist die Faulenzerei während den Sommerferien aber nichts. Stattdessen arbeitet die 18-jährige Schülerin den Sommer über in einer Tagungsstätte. "Summer of Service" (Sommer des Dienstes) heißt das Programm, bei dem junge Menschen ihre freie Zeit opfern um anderen Menschen zu dienen. Dass dieser Einsatz auch Spaß machen kann, beweist Leahs Bericht.
Das Schloss Heroldeck, gebaut 1912 ursprünglich für den Sohn eines reichen Geschäftmanns, später im Zweiten Weltkrieg auch Urlaubsziel der Nationalsozialisten, liegt in Kärnten – einem der schönsten Bundesländer Österreichs. Hier werde ich in diesem Sommer zum vierten Mal in Folge den Großteil meiner Ferien (vier Wochen) mit Arbeit verbringen. Das Schloss inmitten eines Waldes gehört der US-amerikanischen, evangelikalen Gemeindebewegung „Calvary Chapel“ und dient hauptsächlich als Konferenzstätte. Ab Mitte Mai kommen die ersten Gäste: Gemeinden aus Italien, Großbritannien oder Deutschland halten dort ihre Konferenzen ab, Jugendgruppen machen Freizeiten und als Höhepunkt treffen sich jedes Jahr rund 500 Missionare auf Heroldeck zum Austausch. Diese Menschenmassen müssen natürlich versorgt werden. Dafür ist das „Summer of Service“-Team – kurz SOS-Team – da. Jedes Jahr opfern rund 30 junge Leute ihre Freizeit, um dort anderen Christen zu dienen. Für mich ging ein Traum in Erfüllung, als ich 2004 das erste Mal ran durfte. Davor war Heroldeck das jährliche Urlaubsziel meiner Familie gewesen. Schon als kleines Kind beeindruckten mich dabei die fröhlichen Helfer, bei denen man sehen konnte, dass sie Spaß an ihrer Arbeit haben.
Manchmal werden Helfer auch abgelehnt…
Wer beim SOS-Team mitmachen will, muss sich zunächst bewerben. In einem dreiseitigen Dokument muss man neben den persönlichen Daten u. a. seine Schwächen und Stärken sowie den christlichen Hintergrund erläutern. Da sich manchmal mehr Leute bewerben, als Helfer gebraucht werden, kommt es auch vor, dass Helfer abgelehnt werden. Die Aufgabenbereiche unseres Teams liegen bei den Jungs schwerpunktmäßig im handwerklichen Bereich: Für technische Probleme oder die Pflege der Grünanlagen sind sie zuständig. Die weiblichen Helfer arbeiten in der Küche, bedienen beim Essen, putzen das Schloss oder bewältigen die Wäscheberge. Besonders „glücklich“ können sich diejenigen schätzen, die in der prallen Mittagssonne am schlosseigenen Steg Eis verkaufen dürfen. Trotz der Arbeit bleibt aber auch Zeit, um auszuspannen. Jede Woche hat man einen freien Tag, den man auskosten kann – zum Beispiel, um im Millstätter See, der unmittelbar ans Schloss angrenzt, zu baden. Auch ein Kurztrip nach Italien ist möglich: Mit dem Auto braucht man nur eine halbe Stunde in das Nachbarland.
Auch als „Diener“ hat man Spaß
Untergebracht sind die SOS-Helfer entweder in einem umgebauten Schlosskeller oder in der zu dem Anwesen dazu gehörigen Villa – je nach dem wie viele Gäste da sind. Nach dem Frühstück haben wir zunächst erstmal eine Andacht und singen ein paar Lieder, bevor wir uns an die Arbeit machen. Zweimal in der Woche trifft sich das Team zudem noch einmal abends, um sich mit Gottes Wort zu beschäftigen, die Gemeinschaft bei einem leckeren Essen zu genießen und teilweise auch ausgefallene Überraschungen zu erleben: Einmal luden uns die Organisatoren einer Konferenz zum „Inner Tubing“ ein. Bei dieser Sportart wird statt eines Wasserskis ein Reifen an einem Motorboot befestigt, in dem man sich hineinsetzt und sich dann von dem Boot ziehen lässt.
Spannende Berichte von Missionaren
Die Krönung des Sommers ist für mich die Missionskonferenz. Aus der ganzen Welt kommen Missionare, die abends bei einem heißen Kakao spannende Geschichten aus dem Urwald erzählen. Für mich ist der Sommer nicht nur wegen des großen Spaßes, des schönen Wetters oder der Aussicht unvergesslich, sondern besonders wegen der Zeit, die ich mit Gott verbringe. Wenn man den Boden in den Bädern schrubbt oder die Wäsche waschen muss, während die Gäste ihre Freizeit genießen, weiß man wirklich, was dienen ist. In diesen Zeiten erlebe ich, wie gut Gott zu mir ist – schließlich hat er mir durch seinen Sohn zuerst gedient. Meinen „Summer of Service“ will ich daher nicht missen, auch wenn meine Eltern schon versucht haben mich zu überzeugen, doch einmal wieder „normalen“ Urlaub zu machen.


