Im Konfessionen-Dschungel
„Konfessionen“ - Segen oder Fluch? Das Spektrum des Interesses für dieses Thema reicht von völliger Begeisterung bis zu bedingungsloser Kapitulation. Der eine mag die Vielfalt, der Andere versteht die Welt nicht mehr. Was hat es mit den Konfessionen eigentlich auf sich und für welche muss ich mich entscheiden?
In Deutschland haben wir die Wahl zwischen einer Vielzahl von Konfessionen. Neben den beiden großen christlichen Kirchen in ihren unterschiedlichen Ausprägungen bieten uns die Freikirchen unzählige verschiedene Strömungen und Richtungen. Hinzu kommen weitere Werke, Vereine und Institute. Und ein Jeder meint verstanden zu haben, wie man den christlichen Glauben richtig lebt. Der Eine betont den Vater, der Andere den Sohn, der Dritte den Geist. Der eine legt wert auf die Taufe, der Andere aufs Abendmahl und der Dritte auf das „Vater unser“. Die Einen treffen sich in großen Kirchen, die Anderen in Häusern und die Dritten unter der Brücke. Und du steckst mittendrin im Chaos der Konfessionen!
Ich finde meine Konfession
Vergeblich suchen wir in der Bibel die Stelle, in der Jesus seinen Jüngern befiehlt „Und schließet euch der katholischen Kirche an“ oder „Ein jeder von euch sei ein Pfingstler“. So stehen wir vor der Herausforderung uns selbst zu entscheiden, welche Konfession die unsere sein soll. Oder doch nicht? Gibt es da vielleicht noch jemanden, der die Finger mit im Spiel hat? In unserer individualistischen Welt meinen wir, dass es darum ginge, dass alle unsere Bedürfnisse gestillt werden und wenn das der Fall ist, dann haben wir die richtige Konfession gefunden. Aber was ist eigentlich mit Gott? Darf der auch mitreden?
Gott findet meine Konfession
Wenn wir glauben, dass Gott einen Weg für unser Leben hat, dann dürfen wir auch glauben, dass wir nicht zufällig an dem Ort stehen, wo wir heute sind. Es mag sein, dass der Eine oder Andere in einer Gemeinde aufgewachsen ist oder durch Evangelisationen in eine Gemeinde gekommen ist, in der ihm nicht alles passt. Aber hast du Gott schon einmal gefragt, wieso du dort gelandet bist? Wenn Gott einen Plan für dein Leben hat, dann hat er auch einen Plan für dein Gemeindeleben. Er weiß wo er dich gebrauchen möchte. Die perfekte Gemeinde werden wir nicht finden. Perfekte Gemeinschaft wird es erst im Himmel geben. Und doch möchte Gott seine Kinder gebrauchen. Über die Grenzen der Konfessionen hinweg.
Jede Konfession braucht biblische Wahrheit
Wo er dich gebraucht? Das sprich mit ihm ab. Eines sollte jedoch der Kern einer jeden Konfession sein: Ein klares, neutestamentliches Evangelium. Es gibt Aussagen aus der Bibel über die kann man diskutieren und da können unterschiedliche Konfessionen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Es gibt aber auch Aussagen der Bibel über die darf es keine Diskussionen geben, sondern die müssen in jeder Konfession klar benannt werden. Grundlegende Wahrheiten der Bibel sind, dass Gott die Welt geschaffen hat, dass er Jesus zu Errettung der Menschen geschickt hat, dass dieser gestorben und auferstanden ist und uns den Heiligen Geist gegeben hat. Dass wir Gotteskinder sind und einmal bei ihm sein werden und manches mehr.
Dies sind Aussagen, die den Kern des christlichen Glaubens bilden und der sich jeder Konfession verpflichtet wissen sollte. Wenn das bei deiner Konfession so ist, dann hat sie den Kern erkannt. Wenn es nicht so ist, dann verliert diese Konfession ihre Existenzberechtigung und du solltest tatsächlich über eine andere nachdenken. Über Geschmack lässt sich streiten - über die Kernaussagen der Bibel nicht.
Wahrheit und Liebe
So hat ein Jeder die Aufgabe mit Gott gemeinsam durchzusprechen, wo er seinen Auftrag hat. Formen sind nicht unbedeutend, sie können uns den Zugang zu Gott erleichtern und das weiß Gott auch. Doch die Werte und Grundsätze die hinter diesen Formen stehen bilden den Kern einer Gemeinde. Und wenn diese stimmen und das Leben der Gemeinde von Liebe und Einheit geprägt ist, dann kann man auch über die Formen sprechen.
Frei von jeder Konfession kommt es darauf, dass das Wort Gottes die Grundlage ist und das Miteinander von Liebe geprägt wird - dann wird alles Andere zweitrangig. Dann kann es mir auch egal sein, wie sich die Gemeinde nennt in die ich gehe. Dann zählt nicht mehr der Name der Konfession sondern das liebevolle Miteinander ganz unterschiedlicher Gotteskinder.
Einheit der Konfessionen
Letztlich ist die Liebe als oberstes göttliches Gebot nicht nur bei der Entscheidung für eine der Konfession bedeutend, sondern ebenso für das Miteinander der Konfessionen. Dort wo die Generationen vor uns über Jahrzehnte hinweg Mauern zwischen den Konfessionen gebaut haben, sind wir gefordert Mauern niederzureißen und über die Konfessionen hinweg Gemeinschaft zu haben. Jesus selbst sagt dazu in Joh. 17, 23: „... so sollen sie zur völligen Einheit gelangen, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass sie von dir geliebt sind.“
Das Ziel der Christen ist es, dass Menschen die Liebe Gottes erkennen und verstehen. Eine der Voraussetzungen ist es, dass die verschiedenen christlichen Konfessionen es schaffen in Einheit miteinander zu leben. Das gelingt nur, wenn Jesus im Mittelpunkt steht; die Kernaussagen klar definiert sind; und Nebensächlichkeiten diskutiert werden dürfen aber nicht zu Streitauslösern werden. Und es bedarf einer Generation, die bereit ist Brücken statt Mauern zu bauen und über die verschiedenen Formen der Konfessionen hinweg Gemeinschaft im Namen Jesu zu haben.
Wir sind gefordert - in Wahrheit und Liebe - in Wort und Tat.
2 Kommentare wurden bereits abgegeben
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2.schrieb am 17.06.2010 14:15
Die Frage "Konfessionen - Segen oder Fluch?" ist aus Gottes Wort heraus schnell beantwortet:
"Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle einmütig redet und nicht Spaltungen unter euch seien, sondern dass ihr in demselben Sinn und in derselben Meinung völlig zusammengefügt seiet. (...) Ich meine aber dies, dass jeder von euch sagt: Ich bin des Paulus, ich aber des Apollos, ich aber des Kephas, ich aber Christi. Ist der Christus zerteilt? Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt, oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?" 1Kor 1,10ff
"Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung! Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist." Eph 4,3ff
Die Gläubigen sind der Leib Christi, physiologisch mit ihm verbunden - wie kann es innerhalb dieses Leibes "theologische" Spaltungen geben?
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1.schrieb am 17.06.2010 11:56
Klasse Beitrag! Genau auf den Punkt, worum es wirklich geht. Danke.



