Im Kino: Wenn der Papst ausbüxt

Was macht ein Papst, der nicht Papst sein möchte? In der Komödie „Habemus Papam“ („Wir haben einen Papst“) fällt der neu gewählte Papst in eine Lebenskrise. Was sich nach flacher Parodie anhört, entpuppt sich beim Anschauen als Film mit durchaus liebevollem Humor. Karsten Huhn hat ihn gesehen.
  • Fotos: PR

 

Darf man über den Papst lachen? Ja, man darf! Und selbst Benedikt XVI. dürfte für den Film des italienischen Regisseurs Nanni Moretti mehr als ein Schmunzeln übrighaben. Denn in „Habemus Papam“ wird der Papst nicht durch den Kakao gezogen, sondern mit durchaus liebevollem Humor karikiert.

Der Papst beim Psychoanalytiker

Gerade ist der alte Papst gestorben – nun muss ein neuer gewählt werden. Man sieht die Kardinäle bei der Wahl: alte Männer, die alles andere als machtgeil sind. „Nicht ich“, murmeln sie, falten ihre Wahlzettel und hoffen, dass ein anderer als sie selbst das Rennen macht. Die Wahl fällt schließlich auf Kardinal Melville (Michel Piccoli). Weißer Rauch steigt auf, dann erscheint der neue Papst auf dem Balkon. Doch statt dem Kirchenvolk den Segen zu erteilen, erstarrt er, weicht zurück – und verfällt in einen Schreikrampf. Der Papst habe sich zum Gebet zurückgezogen, behauptet daraufhin sein Pressesprecher. Doch das ist frech gelogen: Stattdessen sitzt der Papst beim Psychoanalytiker, einem überzeugten Atheisten – umgeben von 100 Kardinälen, die die Ohren spitzen.

Der Vatikan spielt Volleyball

Heimlich büxt der Papst aus dem Vatikan aus. Der Psychoanalytiker wird daraufhin eingesperrt, und der Pressesprecher erfindet immer neue Ausreden. Auch die Kardinäle dürfen den Vatikan nicht mehr verlassen. Die Zeit vertreiben sie sich mit puzzeln, Kartenspielen und einem Volleyball-Turnier. Derweil fährt der Papst mit dem Bus durch Rom. Welchen Beruf er denn habe, wird er von einem Fahrgast gefragt. Schauspieler im Theater, antwortet der Papst, der keiner sein will: das Reisen, die Proben und die Premieren hätten ihm immer gefallen.

So nah wie in diesem Film war mir der Papst noch nie.

„Habemus Papam – Ein Papst büxt aus“ • Regie: Nani Moretti • Hauptdarsteller: Michel Piccoli • 110 Minuten • FSK: 0 • ab 8. Dezember im Kino

 

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