Hochwasser im „Sunshine State“

Queensland hat es Mitte Januar schwer getroffen. Der „Sunshine State“ Australiens erfuhr die schlimmste Hochwasser-Katastrophe in seiner Geschichte. Zwei Drittel des Bundesstaates wurden über­schwemmt – eine größere Fläche als Deutschland und Frankreich zusammen. Besonders stark traf es Rockhampton und die westlich von Bris­bane gelegene Stadt Toowoomba, die am 10. Januar von einer meterhohen Flutwelle erfasst und verwüstet wurde.
  • Dankes-Schild an Helfer, mit Schlamm geschrieben, an einem Haus in unserer Straße. Fotos: Tabitha Lekic

 

Ich lebe seit dem 1. Januar in Brisbane, der Hauptstadt Queenslands. Ich traf also pünktlich vor der Katastrophe hier ein. Während in Deutschland bei meinem Abflug eiskaltes Winter­wetter herrschte, landete ich hier im Sommer. Leider war das Wetter im De­zember und Januar dieses Mal nicht allzu sonnig hier, es regnete ungewöhnlich viel. Dann hörte man von den schlimmen Überflutungen in großen Teilen Queenslands. Gewaltige Flä­chen wurden überschwemmt. Als ich die TV-Nachrichten in unserem Haus in Brisbane sah, erschien es mir irgendwie unwirklich. Derart erschreckende Bilder scheinen sonst immer so weit weg. Außerdem blieb unsere Stadt erst einmal verschont; das heißt, wir sahen vorerst gar nichts von den Fluten, die doch Orte ganz in unserer Nähe überschwemmten.

Jahrhundert-Flut in Brisbane

Schließlich erreichte das Hochwasser jedoch am 11. Januar auch Brisbane. Ein Ausnahmezu­stand für die Millionen-Metropole. Es wurden Warnungen für fast alle Stadtbezirke ausgege­ben, diejenigen in Flussnähe waren natürlich besonders gefährdet. Durch Brisbane hindurch verläuft der große Brisbane River. Ein beliebtes Transportmittel ist der „CityCat“ – die Fähre, die einen vom südlichen Brisbane über den Fluss ins Stadtzentrum befördert. Gleich am 2. Tag habe ich solch eine Fahrt in die Innenstadt genossen, mit herrlichem Aus­blick auf die Stadtbezirke am Fluss und die City Skyline. Beneidet habe ich die Leute, die Häuser direkt am Flussufer mit einer so schönen Aussicht bewohnen dürfen. Das war vor dem Hochwasser. Inzwischen bin ich dankbar dafür, in einem Haus auf einem kleinen Berg mit einigem Abstand zum Brisbane River zu wohnen...

Vom Hochwasser umzingelt

Im Fernsehen und in den Online-Portalen der Queenslander Nachrichten wurden wir rund um die Uhr über den aktuellen „Wasser-Stand“ informiert. Viele Bewohner in kritischen Ortstei­len flüchteten in höher gelegene Gebiete, außerdem wurden mehrere Evakuierungszentren eingerichtet. So sicher meine Mitbewohner und ich uns auch anfangs auf unserem Hügel fühlten, von einem Moment auf den anderen war dann das Hochwasser plötzlich auch in unserer Straße im Ortsteil St. Lucia. Nur ca. 10 m von unserem Haus entfernt, die Straße den Berg weiter hinunter, standen Autos und Häuser teils oder ganz unter Wasser. In der entgegengesetzten Richtung war der nahegelegene Guyatt Park am Fluss sowie die Anlege­stelle der Fähre überflutet. Plötzlich waren wir praktisch vom Wasser umzingelt und kamen auch nicht mehr zum Einkaufen in die Stadt.

Viele Bewohner im tiefer gelegenen St. Lucia hatten ihre Autos gerade noch rechtzeitig gerettet und vor unserem Haus sowie weiter den Berg hinauf geparkt. Nonstop liefen Leute die Straße auf und ab, um das Hochwasser unten zu begutachten. Fast durchgehend flogen Rettungshubschrauber über uns hinweg. Man konnte sogar hin und wieder ein paar Kajaks und Ruderboote auf der Straße entlang schippern sehen...

Ohne Strom

Am 12. Januar wurde dann aus Sicherheitsgründen die Elektrizität in fast ganz Brisbane abgeschaltet, um die Weiterleitung von Strom über Wasser zu verhindern. Auch bei uns. Leider hatten wir nicht viele Kerzen im Haus und nur zwei Taschenlampen. Gegen 7 Uhr abends wird es hier jedoch schon dunkel, wir saßen also den ganzen Abend mit ein paar teils selbstgebastelten Teelichtern (gut, wenn man erfahrene Camper im Haus hat!) auf unserer Veranda zusammen. Keine Musik, kein Fernsehen, kein Internet, und damit auch keine Nachrichten mehr mit den aktuellen Informationen über die Lage vor Ort. Wir waren abgeschnitten von der Außenwelt. Kein Strom bedeu­tete leider auch, dass der Kühlschrank abtaute, mitsamt all unseren Essensvorräten. In den ersten beiden Tagen grillten wir so viel wie möglich von unserem eingefrorenen Fleisch auf dem Barbecue. Vieles andere mussten wir entsorgen.

Die Schäden

Nach 4 Tagen, am 15. Januar, war der Strom glücklicherweise wieder da und nun weiß ich ihn überaus zu schätzen! Das Hochwasser ging zurück, übrig blieb in den vorher überschwemmten Straßen eine dicke, übelriechende Schlammmasse. Jetzt konnten wir bei Spaziergängen durch unser Viertel erst so richtig das Ausmaß der Überschwemmungen sehen. Etliche Häuser wurden zerstört oder stark beschä­digt und müssen abgerissen werden. Das total verschlammte Mobiliar der betroffenen Be­wohner türmte sich an den Straßenrändern. In anderen Stadtbezirken Brisbanes sah es ähnlich oder sogar noch schlimmer aus. Für die meisten Einwohner hier fiel tagelang die Arbeit aus (sowohl wegen der unpassierbaren Stra­ßen als natürlich auch wegen des Stromausfalls). Davon waren auch meine Mitbewohner be­troffen. So hatten wir während der Hochwasser-Tage jedoch wenigstens Gesellschaft untereinander.

Aufräumarbeiten

Nachdem die Überschwemmungen zurückgegangen waren, begann in Brisbane eine Großreinigung der ganzen Stadt. Viele Soldaten und unzählige freiwillige Helfer packten mit an und halfen, den Schlamm von den Straßen und aus den Häusern zu schaufeln. Man spürte einen Zu­sammenhalt der Stadt und große Hilfsbereitschaft; Brisbane hat sich nicht unterkriegen lassen! Die Stadt stellte eine Woche lang den Bus- und Bahntransport in ganz Brisbane kostenlos zur Verfügung, damit weniger Autos auf den Straßen die Aufräum­arbeiten behinderten und auch als Hilfestellung für alle Menschen hier. Die Helfer haben Großes geleistet, die Arbeiten werden aber noch weiter andauern.

Nach der Flut

Inzwischen hat sich die Lage wieder halbwegs normalisiert, die Straßen sind wieder passier­bar, die Innenstadt ist belebt wie eh und je, und die meisten Shops und Firmen haben wieder ge­öffnet. Was bleibt, sind die vielen zerstör­ten und mit Schlamm bedeckten Gebäude. Der gesamte Wiederaufbau wird wohl noch Jahre in Anspruch nehmen, heißt es. Außerdem wird der CityCat wohl noch eine ganze Zeit lang ausfallen.

Die Schäden gehen in die Milliarden. In ganz Queensland kamen bei diesen Fluten ca. 15 Menschen ums Leben, viele weitere werden noch immer vermisst. Brisbane hat zuletzt im Jahre 1974 ein solch schlimmes Unwetter mit ähnlichen Überflutungen erlebt. Es ist eine Tragödie und ich war mitten drin und dennoch nicht wirklich betroffen. So viele Men­schen haben ihr Zuhause und all ihre Habseligkeiten verloren. Wir und unser Haus blieben Gott sei Dank verschont.

Derzeit scheint die Sonne bei schönstem Sommerwetter, fast so, als ob nie ein Unwetter da gewesen wäre. Nur die von den schweren Schäden unmittelbar betrof­fenen Menschen spüren das Unglück noch. Ich hoffe und bete, dass Ihnen bestmöglich gehol­fen werden kann und dass die schöne Stadt Brisbane und ganz Queensland sich trotz der gigantischen Schäden schnell wieder erholen!

Soziale Netzwerke:

Willkommen! idealisten.net – Das Netzwerk zum Mitmachen!

Deine Beiträge - ob Text, Bild oder Video - sind gefragt! Registriere dich mit Benutzername, E-Mail und Passwort und schon kannst du mitmachen.

 
 
 
 


Du musst eingeloggt sein, um einen Beitrag kommentieren zu können.