Himmlische Post

Wer bei Facebook aktiv ist, hat sie vielleicht auch erhalten: Diese seltsam klingende Einladung: „Schreibe einfach mal einen Brief an Gott, steck ihn in einen Briefumschlag mit Briefmarke und schreib ganz groß „An Gott“ oder „To God“ drauf, wenn du magst auch einen Namen. Dann schick ihn am 6. Juli 2011 bis 16.00 Uhr ab.“
  • Szenen aus dem Film „Briefe an Gott“. Bilder: PR

 

Fünf junge Leute aus Thüringen zwischen 15 und 21 Jahren haben die Aktion initiiert. Ihr Ziel ist, dass möglichst viele Menschen am 6. Juli in einem Brief an Gott schreiben, was sie beschäftigt oder sie schon immer mal loswerden wollten. Wie sie selbst schreiben, wolle man „mal schauen was passiert, wenn überall auf der Welt Briefe an Gott in den Postkästen liegen und die Postbeamten und andere zum Nachdenken bringen“.

Ein Film brachte die Idee zur Aktion

Auf die Idee gekommen sind die Mitglieder der Jungen Gemeinde der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Eisenach durch den Film „Letters to God“. Dieser erzählt von dem Jungen Tyler, der an Krebs erkrankt. Das ist ein schwerer Schlag für seine Familie, die zuvor schon den Vater verloren hatte. Immer wieder muss er zur Chemotherapie. Sein Zustand ist ungewiss. Während die Großmutter im Glauben Halt findet, sind Tylers Bruder Ben und seine Mutter Maddy immer wieder am Zweifeln und Verzweifeln.

Doch Tyler selbst steckt den Kopf nicht in den Sand. Vertrauensvoll schreibt er das, was ihn bewegt in Briefen nieder und adressiert sie an Gott. Es ist seine Art, mit Gott zu reden – und er ist überzeugt, dass seine Zeilen wirklich im Himmel ankommen. Die Briefe und Tylers Glaube verändern mehr und mehr sein Umfeld – von seinen Schulkameraden bis hin zu dem Postboten Brady, der bis dahin hoffnungslos durchs Leben geht und seine Probleme im Alkohol ertränkt. Berührt vom Schicksal des Jungen, widmet er sich diesem mehr und mehr – und wird zum väterlichen Freund. Brady, der die Briefe entgegennimmt, bringt es nicht übers Herz, sie wegzuwerfen. Er öffnet sie in einem Moment, als er völlig am Boden zerstört ist – und findet dabei selbst zum Glauben.

Als Kinofilm in die US-Charts

Die Geschichte von Tyler basiert auf einer wahren Begebenheit. Schon in Buchform avancierte sie zum Bestseller. Die Verfilmung von „Briefe an Gott“ schaffte es dann in den USA sogar in die Top Ten der Kinocharts. An einigen Stellen kommt „Letters to god“ sehr pathetisch daher: Da sind die hollywoodtypische amerikanische Kleinstadtidylle; der Postbote Brady, der vom heruntergekommenen Trinker ganz schnell zum smarten Freund von Bradys Familie wird und plötzlich bei fast allen Familienaktivitäten dabei ist; und die reichlichen und manchmal zu aufdringlich wirkenden Glaubensbezeugungen der Protagonisten. Trotzdem schafft es der Film, nicht in Klischees steckenzubleiben: So versteht sich beispielweise die alleinerziehende Maddy prächtig mit dem von Frau und Sohn verlassenen Brady – und trotzdem werden die zwei kein Liebespaar.

Briefe aus 33 Ländern

Die Idee der fünf Thüringer, selbst einen Brief an Gott zu schreiben, findet riesigen Zuspruch. Die Zahl der Zusagen im Internet steigt minütlich. Inzwischen haben über 22.000 Teilnehmer aus 34 Ländern angekündigt, mitzumachen. Es bleibt abzuwarten, ob alle, die ohne großes Nachdenken auf „Teilnehmen“ geklickt haben, sich tatsächlich am Mittwoch mit einem von ihnen verfassten Brief an Gott auf den Weg zur Post machen.

Was ist mit dem Briefgeheimnis?

Aber darf die Post, so wie der Postbote Brady im Film, einfach solche persönlichen Briefe öffnen? Wo bleibt da das Briefgeheimnis? Das gilt, doch laut der Deutschen Post hat sie die Befugnis einen Brief dann zu öffnen, wenn der Empfänger nicht auffindbar und der Absender nicht vermerkt ist. Beides wird wohl auf die „Briefe an Gott“ zutreffen. Ob dann tatsächlich die Briefe geöffnet und gelesen werden und nicht vielleicht auch gesammelt im Papierkorb landen, ist eine andere Frage. Aber Aufmerksamkeit erregen und Gott –zumindest bei der Post – ins Gespräch bringen, wird die Aktion sicherlich. Diskussionen über die Existenz Gottes oder die Relevanz Jesu wurden – wie man zahlreichen Kommentaren auf der Facebook-Seite entnehmen kann – auch jetzt schon entfacht.

Gott wieder ins Gespräch bringen

Ich persönlich muss zugeben, dass ich der Aktion einfach mal spontan zugesagt habe, ohne mir groß Gedanken darüber zu machen. Doch je mehr ich das tue, umso mehr finde ich Gefallen an dem Gedanken, dass so viele Menschen auf der ganzen Welt an einem Tag Gott offiziell einen Brief schreiben und damit auch ganz anders mit ihm in Kontakt treten als gewohnt. Und ich kann mir vorstellen, dass der Empfänger dieser Briefe sich schon allein deshalb über diese Aktion freut, weil sie für ihn unglaublich viele Möglichkeiten bietet, zu wirken und sich wieder ins Bewusstsein zu rufen. Denn bei der Deutschen Post ist der nächste Woche bestimmt in aller Munde.

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