Heiraten mit 17?
Wer heute zum Traualtar geht, hat im Schnitt schon die 30 erreicht. Denn Ausbildungszeiten haben sich verlängert, beruflich wollen viele Karriere machen und sich Wohlstand aufbauen. Zudem leben die meisten Paare ohnehin bereits vor der Ehe einige Jahre zusammen oder heiraten, wenn das erste Kind da ist. Aber Christen, die bis zur Ehe mit Sex warten, stehen in großer Versuchung. Viele heiraten daher in jungen Jahren. Ich traf ein Paar, das sehr früh geheiratet hat und es nicht bereut.
Erst Ausbildung und dann Karriere: Das war für sie kein Grund, mit der Hochzeit zu warten. Markus (20) und seine Frau Christiane (19) lernten sich vor fünf Jahren auf einer Sommerfreizeit kennen. Da waren sie 15 Jahre alt. Im Jahr darauf verlobten sie sich. Für beide war es die erste große Liebe. „Uns wurde klar, dass die Beziehung nur auf zwei Arten enden kann: Entweder trennen wir uns und bleiben Freunde. Oder wir heiraten!“ erinnert sich Christiane. Doch auch in ihrer Beziehung kriselte es. Einmal sogar so schwer, dass sie sich für eine kurze Zeit trennten. „Während der Trennung wurde uns bewusst, dass wir uns getrennt haben, ohne nach Gottes Willen zu fragen“, sagt Markus. Als sie sich nach Gebet wieder versöhnt hatten, dachten sie über eine Heirat nach. Aufgrund ihres christlichen Glaubens wollen sie erst in der Ehe miteinander schlafen. Doch die sexuelle Versuchung wuchs von Tag zu Tag. Also fragten sie Gott danach, ob es sein Wille sei, zu heiraten – und wenn ja, wann. Sie beteten und holten sich Rat in der Bibel. Im Neuen Testament, im 1. Korintherbrief (Kapitel 7,9), fanden sie eine Antwort. Dort steht: „Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten, denn es ist besser zu heiraten als vor Verlagen zu brennen.“
Heirat vor Sünde
Heiraten, bevor „es“ passiert ist: Ist das die richtige Motivation? Sicherlich nicht nur, meint Christiane. „Wenn wir den Druck nicht gehabt hätten, hätten wir vermutlich auch gewartet, bis ich 18 geworden wäre. Doch von der Bibel her stand uns nichts mehr im Weg.“ Da Christiane noch minderjährig war, brauchten allerdings sie die Erlaubnis des Familiengerichts. Wieder baten sie Gott darum, ihnen durch die Behörde zu zeigen, ob sie wirklich heiraten sollen. Als die Einwilligung kam, sahen sie das als feste Zustimmung von Gott. Im April 2003 heirateten sie standesamtlich und ließen sich anschließend von einem Pastor segnen. Vor der Hochzeit haben sie ein Ehe-Seminar besucht, und Literatur zum Thema Partnerschaft hat ihnen geholfen, sich besser kennenzulernen. Sie bereuen ihre frühe Heirat nicht. Dennoch hatten sie einige Probleme. Denn ihre Gemeinden reagierten mit Unverständnis. „Anstatt uns um eine Erklärung zu bitten, wurden unsere Eltern mit Kritik überhäuft, wie sie so etwas nur zulassen konnten“, erinnert sich Markus. Trotz dieser Angriffe bereuen die beiden nichts. Anfänglich hatten sie Schwierigkeiten, ihre Zeit richtig einzuteilen. „Natürlich hatte jetzt jeder nicht mehr so viel Zeit für sich. Aber wir gestalten unsere Ehe inzwischen so, dass jeder auch Freiräume für sich hat“, sagt Markus.
Tipps für junge Paare
Liebe macht noch keine Ehe: Karl-Heinz Espey ist skeptisch, ob junge Christen schon früh heiraten sollten. Er ist Pastor, Familientherapeut, Mediator und Referent beim evangelischen Fachverband für Sexualethik und Seelsorge „Weißes Kreuz“ (Ahnatal bei Kassel).
Heiraten bereits mit 17 oder 18 - Halten Sie das für gut?
Espey: Grundsätzlich halte ich es für fragwürdig, so früh zu heiraten. Denn es ist eher unwahrscheinlich, dass man in diesem Alter in seiner geistigen und psychischen Entwicklung ausreichend gefestigt ist. Viele stecken noch in der Pubertät! Natürlich gibt es auch Ausnahmen - Paare, die bereits in diesem Alter in der Lage sind, ein auf Dauer angelegtes gemeinsames Leben zu gestalten.
Wie alt waren Sie bei Ihrer Hochzeit?
Espey: 22 Jahre
Nennt die Bibel ein ideales Heiratsalter?
Espey: Ein spezielles Alter lese ich nicht in der Bibel nicht. Allerdings ordnet sie Ehe in einen bestimmten Rahmen ein. Der ist für den dauerhaften Bestand der Ehe meines Erachtens unentbehrlich: Beispielsweise sollte jeder Partner sein Elternhaus innerlich und äußerlich verlassen haben (vgl. 1. Mose 2,24). Deshalb kann es hilfreich sein, mit der Heirat eine eigene Wohnung zu beziehen. Allerdings nützt das wenig, wenn man noch von seinen Eltern innerlich abhängig ist. Für eine spätere Ehe ist es wichtig, dass man sich nicht nur in Freizeitlaune kennenlernt, sondern auch im Alltag. So erlebt man auch den Partner, wenn er frustriert und abgekämpft von seiner Arbeits- oder Ausbildungsstelle nach Hause kommt. Bei Fernbeziehungen geht das schlecht. Dann muss das Paar sich darüber im Klaren sein, dass man manche - auch unliebsame - Eigen- und Wesensarten des Partners möglicherweise erst nach der Hochzeit kennenlernt.
Sollte sich ein Ehepaar dann auch nicht mehr von den Eltern finanziell unterstützen lassen?
Espey: Das halte ich für günstiger. Allerdings gelingt das nicht in jedem Fall. Auf jeden Fall sollten klare Absprachen für den Umgang miteinander getroffen werden, damit unangemessene Einmischungen der Eltern ins junge Eheleben tunlichst unterbleiben.
Was empfehlen Sie jugendlichen Paaren, die über eine Heirat nachdenken?
Espey: Sie sollten sich Zeit nehmen, um sich kennenzulernen und ihre Erwartungen abgleichen. Das heißt zum Beispiel, dass sie darüber sprechen, wie sie mit Geld umgehen, welche Berufspläne sie haben, wie viele Kinder sie haben wollen. Oder auch welche Gemeinde ihre gemeinsame geistliche Heimat sein soll und welchen Stellenwert die jeweilige Herkunftsfamilie haben soll. Gerade bei jungen Paaren ist die Gefahr groß, dass sie sich von ihrer Familie noch nicht abgenabelt haben. Daraus können sich tiefgreifende Konflikte und Krisen entwickeln. Liebe ist nicht teilbar. Umfassend kann ich nur einen lieben – entweder meine Eltern oder meinen Partner. Davon unabhängig empfehle ich Jungverheirateten, sich Mentoren zu suchen, Ehepaare, die Lebens- und Eheerfahrung haben. Sie können Tipps geben oder vor Fehlern und Gefahren warnen. Des Weiteren sollte das junge Paar sich bewusst machen, dass einer für den anderen lebenslang Verantwortung übernimmt. Nicht zuletzt sollten junge Paare darauf achten, dass sie ihre Zeit nicht nur alleine, sondern auch im Freundeskreis verbringen. Vertraute soziale Kontakte sind für junge wie für ältere Paare unerlässlich für ein gesundes Eheleben.
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