Google weiß alles

Optisch kommt Eric Schmidt ziemlich unscheinbar daher. Ein amerikanischer 'average Joe' eben mit feinen, dünnen Haaren, einem vollen Gesicht, auf der eine runde Brille thront. Doch hinter der Fassade verbirgt sich jemand, der viel weiß. Jemand, der sehr viel weiß. Wahrscheinlich weiß er sogar, wonach Du zuletzt online gesucht hast. Und er bekommt ganz sicher mit, was hier über ihn steht. Denn Eric Schmidt ist der Chef von Google.

Während der diesjährigen Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) ließ sich Eric Schmidt zu folgendem Satz hinreißen: „Wir wissen, wo Sie sind, und wir wissen, was Sie mögen.“ Auch wenn sich der 55-Jährige eigentlich zu den Plänen von Google TV äußern wollte, blieb den meisten Zuhörern letzeres Statement im Ohr. Damit setzte er in einem Land, das weltweit mit die höchsten datenschutzrechtlichen Bestimmungen besitzt, ein klares Statement. Selbstbewusst und siegessicher.

Schmidt will provozieren, vielleicht aber auch sensibilisieren. Denn er spricht dabei ein Thema an, dass leider erst in Zeiten von Street View und Facebook Places in aller Munde ist. Wie passen IT-Konzerne, wie Google, die immer mehr über ihre Nutzer wissen, und der Datenschutz von Internetusern zusammen? Anders gefragt: Welche Schnittmengen gibt es zwischen den Konzepten der Anonymität und der radical transparency?

Web-Konzerne kennen keine Nationale Grenzen mehr

Das Dilemma ist nicht neu: Deutsche Datenschützer drängen darauf, dass sich IT-Konzerne aus dem EU-Ausland nach dem hiesigen Datenschutz zu richten hätten, weil sie mit ihrem Angebot eindeutig heimische Nutzer ansprächen. Im Gegenzug verweisen aber eben jene Konzerne nur zu gern darauf, dass ihre Server ja gar nicht auf europäischem Boden stünden. Ihr Angebot sei globaler, nicht nationaler Natur. Wer hat Recht? Beide möchte man fast sagen, was eine Lösung des Streites aber nicht unbedingt näher bringt.

Die Auseinandersetzung ist ein Paradebeispiel für die Veränderungen, die das Internetzeitalter hervorbringen: Nationales und Internationales vermischt sich. Während Regierungen noch in nationalen Grenzen denken, existieren eben diese nicht mehr für die großen Web-Konzerne. Je mehr die Firmen über ihre Nutzer wissen, umso attraktiver werden sie für Investoren, Werbekunden und andere Finanzspekulanten. „Wissen ist Macht“ wusste schon der englische Philosoph Francis Bacon. Oder um es in einer etwas abgewandelten Form mit dem klassischen Ausspruch des antiken, griechischen Dramatiker Euripides zu sagen: Verrate mir deine IP-Adresse und ich sage Dir wer Du bist.

Google kennt auch Eric Schmidt

Dabei würde Schmidt selbst ein bisschen mehr Datenschutz ganz gut tun. Vor fünf Jahren schrieb die Journalistin Elinor Mills für die Tech-Webseite CNET eine Geschichte über Googles schwierige Beziehung zum Thema Datenschutz. Um diesen Punkt zu illustrieren, förderte Mills allerlei Privates aus Eric Schmidts Leben zu Tage: Adresse, Gehalt, Spenden an politische Parteien, Hobbies. Wie die Reporterin an die sensiblen Daten gekommen ist? Ein Klick und sie fand, was sie brauchte. Denn offenbar wissen Googles Suchergebnisse selbst über ihren Boss so einige Geschichten zu erzählen.

Während dieser Episode beging Schmidt einen seiner größten Fauxpas in Sachen PR an der Spitze von Google. Anstatt Mills Geschichte in gute Eigenwerbung für sich und seine Firma umzumünzen, holte er stattdessen zum brachialen Gegenschlag aus. Google sprach volle zwölf Monate mit keinem einzigen Reporter von CNET. Diese Entscheidung hatte Schmidt selbst getroffen und alle Google Mitarbeiter ausdrücklich angewiesen, sich an diese Vorgaben zu halten. Interessanterweise zensierte Schmidt jedoch keinen der zahlreichen Berichte, di­e ihm mancherlei Liebesabenteuer mit anderen Damen als seiner Ehefrau Wendy vorwerfen.

Erst kürzlich gab der Google-CEO in einem Interview mit dem Wirtschaftssender CNBC der Weltgemeinde einen Rat, den er sich besser selbst häufiger einmal zu Herzen nehmen sollte: „Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.“ Wer es nachprüfen möchte, nur zu. Google es.

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