Kirchentag: Gerechtigkeit und Free Hugs

Morgens neun Uhr auf dem 33. Kirchentag: Margot Käßmann wird in der EnergieVerbund Arena zur Bibelarbeit erwartet, Kirchentagsmitarbeiter halten große Schilder in die Höhe "Halle überfüllt". Selbst auf dem Rasen vor der Arena drängen sich unzählige – auch viele junge Leute, um wenigstens der Übertragung zu lauschen.
  • Foto: Anja Reumschüssel

 

Margot Käßmann hat viele Bewunderer", wird die Theologin durch die Lautsprecher begrüßt und auf dem Rasen bricht Jubel aus. Sie predigt über die Seligpreisungen und über Gerechtigkeit, ihre Bibelauslegung ist immer durchwoben mit Gesellschaftskritik.

Es gibt keinen gerechten Krieg

„Es gibt keinen gerechten Krieg, es gibt nur einen gerechten Frieden“, ist einer der Schlagsätze ihrer Predigt, dem wieder mit Jubel und Klatschen zugestimmt wird. Selbst im Feind das Ebenbild Gottes zu sehen, das sei die Aufgabe von uns Christen. Doch Pazifisten würden oft als naiv gesehen, „das müssen wir akzeptieren“, ist Käßmanns schlichte Schlussfolgerung. Auch Jesus sei aus Sicht der Welt naiv gewesen, er strebte nicht nach Erfolg und Reichtum, Jesus hatte ein anderes Ziel: er wollte die Menschen zur Nähe zu Gott führen, denn allein dort ist Glück möglich.

Wir alle haben in der Hand, wie diese Welt läuf

„Wir glauben an den, der als Baby geboren wurde, unter Folter starb, ohne Macht und Gewalt handelte und gerade deswegen Macht und Gewalt herausforderte“. Käßmann macht deutlich, wer unser Vorbild sein sollte. Sie spricht zu den Menschen, die am Hebel der Macht sitzen: „Wenn Globalisierung, dann mit Gerechtigkeit für alle.“ Spricht aber auch zu jedem einzelnen, denn wir alle haben es in der Hand, wie diese Welt läuft, wie wir Menschen sehen und behandeln und ob Gerechtigkeit einen Platz hat in unserem Leben.

Auch „Free Hugs“ sind ein Weg zu kleinen Veränderungen

„Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Matthäus 6, 21) ist das Motto des Kirchentages, oder wie die Volxbibel es ausdrückt: „Denn die Dinge, die ganz besonderen Wert für dich haben, für die lebst du am Ende auch.“ Das können Freunde sein, Musik oder Menschen im Allgemeinen.

Melanie (16) aus Egelsbach hält vor der Arena ein Holzschild in der Hand: „Free Hugs“, ein Mann stürmt auf sie zu, drückt sie kurz und geht strahlend weiter. "Acht Umarmungen waren es heute schon", freut sie sich. „Dieses Schild ist meine Motivation, auf dem Kirchentag Menschen kennenzulernen“, erklärt sie noch, dann ziehen sie und Eric (15) weiter, neuen Begegnungen entgegen. Auch kostenlose Umarmungen sind ein Weg zu diesen kleinen Veränderungen, die nötig sind, um Gerechtigkeit in unsere Welt zu bringen.

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