Akademiker in der Warteschleife
Fast fünf Millionen Zuschauer schalteten am 13. Oktober die ARD-Komödie „Ein Praktikant fürs Leben“ ein. Der Film stellt einen jungen Mann vor, der mit 32 Jahren und abgeschlossenem Studium der Betriebswirtschaft von einem Praktikum zum nächsten gereicht wird. Immer schwingt bei ihm die Hoffnung mit, nun endlich nach einer halbjährlichen Bewährungsprobe mit einer Festanstellung belohnt zu werden. Doch jedes Mal kommt es anders. Ein realistisches Abbild der „Genration Praktikum“?
Sechs Monate ist Ben Kremer (Roman Knizka) bereits Praktikant. Nun kommt sein Chef und erzählt ihm, aufgrund eines „Gewinneinbruchs“ könne man ihn leider nicht übernehmen, aber er dürfe sein Praktikum noch sechs Monate weiterführen. Dies solle er als „Karrieresprungbrett“ unbedingt nutzen. Mangels Alternativen willigt Kremer ein. Abends jobbt er noch in einer Bar, um über die Runden zu kommen. Seit drei Jahren geht das schon so und ein Ende ist nicht in Sicht.
Junge Akademiker in prekären Verhältnissen
Für die junge Schar an Akademikern, denen es genauso wie Ben Kremer geht, hat sich seit einigen Jahren der Begriff „Generation Praktikum“ eingebürgert. 2006 erreichte dieser bei der Wahl zum Wort des Jahres sogar Platz zwei, also muss ja irgendwas dran sein an diesem Phänomen. Tatsächlich ist es nur eine Minderheit an jungen Akademikern, die in die Praktikumsschleife gerät.
Das Bundesarbeitsministerium hat 2008 in einer Studie ermittelt, dass 20 Prozent der Hochschulabsolventen mit einem Praktikum in den Beruf einsteigen. Bei etwa zwei Drittel davon bleibt es bei einem einzigen Praktikum. Andere Studien kommen auf ähnliche Ergebnisse, wobei es Ingenieure grundsätzlich einfacher haben eine Arbeitsstelle zu finden als Sozial- und Geisteswissenschaftler. Die Popularität des Begriffs „Generation Praktikum“ drückt also vielmehr eine generelle Verunsicherung unter jungen Leuten aus, trotz exzellenten Bildungsabschlusses auf der Strecke zu bleiben.
Auf Arbeit fürs Privatleben missbraucht
Kurz nach seiner Praktikumsverlängerung eröffnet sich dann für Ben Kremer scheinbar die Chance seines Lebens. Hier beginnt im Film endgültig die Fiktion. Der Langzeitpraktikant wird die rechte Hand des obersten Chefs im Konzern. Doch was sich traumhaft anhört, entpuppt sich später als reine Ausbeutung. Kremer ist nämlich dafür zuständig, dem Chef Ulf Kamprath (August Zirner) den Rücken für seine Affäre freizuhalten. Statt ums Geschäftliche muss sich Kremer nun um Kampraths Ehefrau, die Hemden des Chefs und allerlei andere private Dinge kümmern. So entsteht ein Beziehungsgeflecht, was zur Tragödie führt, denn Kremer hat sich insgeheim in die Affäre seines Chefs verliebt.
Am Ende erhält zumindest der Praktikant seine Würde zurück. Dieser steht zwar auch dann mit leeren Händen da, aber er hat wenigstens mal seinem ehemaligen Chef ordentlich die Meinung gegeigt. Ob sich das in Wirklichkeit ein Praktikant auch trauen würde? Wahrscheinlich wieder nur eine kleine Minderheit.


