Ohne Praktikum kein Job?

Der Umgang von Unternehmen und Organisationen mit jungen, versierten Arbeitssuchenden ist oft von Unverbindlichkeit geprägt. Wird der Suchende fündig, heißt die in den meisten Fällen nur bedingt befriedigende Lösung ‚Praktikum‘. Dahinter steht die Frage, wohin sich unsere Dienstleistungsgesellschaft entwickeln soll. So entstand in erfinderischer Not die „Generation Praktikum“.
  • Wer nach dem Studium keine Stelle findet, muss sich oft mit einem Praktikum begnügen. Foto: Pixelio/pauline

 

Wie wär’s mit Kaffee?

„Ich gehe nicht davon aus, dass ich direkt im Anschluss an mein Studium eine Arbeit finde, deshalb werde ich voraussichtlich erstmal ein Praktikum machen.“ Hört man diesen Satz kommt man schnell zu dem Befund: Das Phänomen „Generation Praktikum“, das 2005 in einem Artikel der ZEIT ihre Namenstaufe erfuhr, ist negativ konnotiert. Man hat das Bild vom Kaffee kochenden Praktikanten vor Augen, der aufgrund mangelnder Aufgaben stundenlang im Internet surft. Wenn überhaupt ist das Praktikum dann noch minimal vergütet und am Ende bleibt die Ungewissheit, ob es der eigenen Karriere überhaupt zugute kommt.

Nach dem Studium nicht qualifiziert genug?

Allein die Motivation für solche Übergangszeiten soll außergewöhnlich hoch sein – gleichsam als Kompensation für eine diffuse Chancenlosigkeit. Die Loserkarte haben dabei die Abgänger der Geistes- und Sozialwissenschaften gezogen, weiß doch ein Großteil der Studenten nicht, welcher Beruf mit dem erworbenen Abschluss angestrebt werden soll. Die bereits raren Stellen auf dem Arbeitsmarkt fordern zudem meist einiges an Erfahrung, die über das Studium hinausgeht.

In unserer Gesellschaft sind derzeit vor allem technische Berufe gefragt. Mit Abschlüssen in Geistes- und Sozialwissenschaften wissen im Alltag nur wenige etwas anzufangen, Schulen und Universitäten ausgenommen. Dort, an den Hochschulen, werden seit einigen Jahren die Curricula der Studiengänge so modelliert, dass Praktika zum Standard gehören. Doch was nützt dieser Mehraufwand, wenn dem Abschluss (wieder) nur ein Praktikum folgt, da man „nicht qualifiziert genug“ für eine Festanstellung sei?

Praktika als Lückenfüller im Lebenslauf

Viele Firmen suchen gezielt Praktikanten, um sich so ihre Flexibilität zu bewahren und Neueinstellungen einzusparen. Dem Absolvent bleibt die Möglichkeit, diese Zeit zur beruflichen Orientierung zu nutzen, auch um für den Arbeitsmarkt attraktiver zu werden und gleichzeitig die - allseits gefürchtete - „Lücke“ im Lebenslauf zu schließen. Die Alternative wäre der Gang auf das Arbeitsamt und die Suche nach (Gelegenheits-)„Jobs“. Da scheint ein Praktikum durchaus vernünftiger, was es in dem meisten Fällen auch ist. Viele Praktikastellen bieten gute Möglichkeiten, Berufserfahrung zu sammeln.

Chancen vor dem Start ausloten

Entscheidet man sich für ein Praktikum, sollte man die Details vorher genau mit dem künftigen „Arbeitgeber“ absprechen: Wird die Arbeit honoriert? Was genau werden die Aufgaben sein, wird man in einem Team arbeiten und einen Ansprechpartner haben? Für die eigene Berufsplanung (insofern das Arbeitsumfeld den eigenen Vorstellungen der Berufswahl entspricht) ist es außerdem wichtig zu klären, ob anschließend prinzipiell die Möglichkeit zu einer Festanstellung gegeben ist. Klärt man das nicht eindeutig, bleibt es im schlechtesten Falle nur eine unterbezahlte Tätigkeit in ungesicherten Verhältnissen.

Als Ausblick kann man momentan mit Gewissheit darauf schielen, dass jedes Markenzeichen einer Generation irgendwann zum Abklang findet. Wie lange die „Generation Praktikum“ noch Bestand hat, ist unsicher. Die Brandings der vorangegangenen Generationen, wie etwa der „Generation Golf“ oder der „Null-Bock-Generation“, verblichen bald wieder. Und diese Generation, die weit mehr ist als nur eine „Generation Praktikum“, hat größere Chancen als es der Arbeitsmarkt verheißen mag! Es liegt an ihr, diese Schürfrechte auf die Möglichkeiten der eigenen Zukunft für sich zu beanspruchen und etwas Gutes daraus zu machen.

Infos rund um das Thema gibt es hier.

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