Geläutert und gefeiert?
Es waren wenige Worte, die Franck Ribéry auf der Feier am Münchener Marienplatz ins Mikrofon sprach. „Ich habe gemacht fünf Jahre mehr. Und ich liebe alle Fans von Bayern München. Danke schön.“ Die mehr als 20.000 Fans im Herzen der bayerischen Hauptstadt feierten den französischen Nationalspieler wie einen Superstar. Spielen die Schlagzeilen der vergangenen Wochen also keine Rolle mehr?
Ob kleine Firmen oder große Weltkonzerne: Immer mehr von ihnen setzen auf die Strahlkraft von Spitzensportlern. Sie werden mehr als nur Vorbilder, sie werden Werbestars, ja Ikonen, mit denen sich eine Firma schmücken kann. Der Erfolg des einzelnen Athleten soll sich auf das Image des Produktes übertragen. Konditionierung nennt man das im Markting-Sprech. Cristinao Ronaldo posiert halbnackt für die Unterwäschekollektion einer berühmten Modemarke, Michael Schumacher favorisiert ein ganz bestimmtes Mineralwasser und Dirk Nowitzki erzählt uns von seiner Lieblingsbank.
Vom Fan zum Konsumenten
Die Vorteile, mit einem berühmten Gesicht zu werben, liegen auf der Hand: Erfolgreiche Sportler erschließen durch große Marketingkampagnen Menschen, die nicht nur Fans, sondern vor allem Konsumenten des jeweiligen Produktes werden sollen. Ob die Rechnung immer aufgeht, ist umstritten. So fand eine Studie des Marktforschungsinstitutes IMAS heraus, dass sich nur 15 Prozent der Befragten von der Werbung mit prominenten Sportlern überzeugen ließen. Dennoch ist es für viele Firmen mittlerweile selbstverständlich, sich mit den modernen Gladiatoren in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Was aber, wenn große Sportstars fallen? Wenn sich plötzlich herausstellt, dass die unfehlbaren, omnipräsenten und vorbildlichen Spitzensportler doch nur ganz normale Menschen sind?
Ribéry: Rückhalt trotz schwerer Vorwürfe
Der Fall Franck Ribéry ist da nur einer von vielen in der jüngsten Sportgeschichte – Ribéry, jener Mittelfeldstratege des deutschen Meisters, der zugeben musste, dass er mehrmals die Dienste einer minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen hat. Die französischen Behörden werden die Ermittlungen gegen ihn allerdings erst nach der WM in Südafrika aufnehmen. Rückhalt von den Fans bekommt er dennoch. Sein Auftritt bei der Meisterfeier in München hat gezeigt, dass sich nicht alle Fans von den grellen Werbebotschaften auf den Neon-Tafeln blenden lassen. Als wenn die Meute sagen wollte: Komm lasst ihn doch einfach Fußball spielen!
Terry: Kapitänsbinde entzogen
Der Skandal um Ribéry ist nicht der einzige, der in der Sportwelt in jüngster Zeit für Schlagzeilen gesorgt hat. Englands Nationalspieler John Terry musste Anfang des Jahres beichten, dass er seine Frau mit einem blonden Unterwäschemodel betrogen hat und sie zur Abtreibung eines daraus entstandenen Kindes gezwungen hat. Daraufhin hat Englands Teamchef Fabio Cappelo Terry die Kapitänsbinde entzogen. John Terry mag zwar seine herausgehobene Position im Team England verloren haben, mit zur WM fährt er dennoch.
Woods: Mit Untreue Schlagzeilen gemacht
Sex-Skandale finden sich aber nicht nur im Fußballgeschäft. Golflegende Tiger Woods hat im vergangenen Jahr ebenfalls mit Untreue Schlagzeilen gemacht. Woods hatte allerdings nicht nur eine Geliebte, sondern gleich ein halbes Dutzend. Seine Ehefrau plant inzwischen, die Scheidung einzureichen. Herausgekommen ist die Sache mehr oder minder zufällig, als Woods mit seinem Auto vor seinem Haus in Orlando, Florida, gegen einen Hydranten gefahren ist. Die Ermittlungen ergaben, dass er Streit mit seiner Ehefrau hatte. Der Rest der Geschichte ist bekannt und wurde genüsslich in den Klatschblättern ausgebreitet. Eine öffentliche Entschuldigung Woods folgte und damit einher gingen auch die Kündigungen zahlreicher Sponsoring-Verträge. Mit einem unehrlichen Star will man dann besser nicht werben.
Die Liste der Skandale lässt sich beliebig erweitern und beschränkt sich bei weitem nicht nur auf die Fußball oder Golf. Manch ein Profisportler wird auch schon mal wegen Drogenkonsum oder sogar Vergewaltigung angezeigt.
Fehlbare Menschen
So mögen bestimmte Medien sich naturgemäß auf solche Skandale stürzen, aber als wirklich skandalös empfinden die meisten Menschen solche Anschuldigungen nicht mehr. Vielmehr zeigen derlei Eskapaden, dass die Hochleistungssportler, die uns in Hochglanzmagazine entgegen lächeln, nur eins sind: Fehlbare Menschen.
Kommentare Schreib den ersten Kommentar zu diesem Beitrag


