Ganz intim im Internet
Das weiße T-Shirt ist nass und durchsichtig, der Blick gesenkt, die langen blonden Haare kleben an der nassen Haut. Amelie steht unter der Dusche und fotografiert sich. Anschließend stellt sie die Bilder ins Internet. Sie hat einen Blog, der hübsch aufbereitet ist. Es ist eine Art Tagebuch. Fast täglich schreibt sie darüber, was sie tagsüber gemacht hat, welche Kleidungsstücke sie sich gekauft hat und welche davon sie trägt.
Was sie aber ebenso gerne zeigt, ist Haut. Sie zeigt ihren Körper – mal im nassen T-Shirt, mal im schwarzen durchsichtigen Spitzen-BH. So inszeniert sich die Münchenerin in kunstvoller Art und Weise auf ihrem Blog. Dass sie damit ihre Intimsphäre der Öffentlichkeit preisgibt, berührt sie nicht mehr. „Ich verdränge eigentlich, dass meine Leser viel über mich und meinen Alltag wissen“, sagte Amelie gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Es sei eine „reine Gewöhnungssache“ gewesen. Aber nicht alle Leser kämen damit zurecht: „Ich finde das in Ordnung, auch wenn ich verstehe, dass andere Menschen das komisch finden.“
„Sinn für Ästhetik“?
Ähnlich betreibt es auch die Bloggerin Mia. Sie zeigt auf ihrer Internetseite viele Bilder von ihr und ihrem Freund – gerne auch mal, wenn beide zusammen wenig bekleidet im Bett liegen. Mia sieht es aber nicht als öffentliche Inszenierung der Privatsphäre, vielmehr will sie auf dem Blog ihren „Sinn für Ästhetik“ darstellen, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. „Bei den Fotos mit meinen Freund zum Beispiel schreibe ich nicht darunter, dass er das ist, was wir gemacht und ich gedacht habe“, sagt Mia. Doch oft ist auf den Fotos zu sehen, was sie gemacht haben und wer ihr Freund ist.
Immer jüngere Blogger
Wie Mia und Amelie posten inzwischen immer mehr junge Menschen private Inhalte im Internet. Sie dokumentieren ihren Alltag, ihr Leben, ihre Vorlieben und Erlebnisse. Auf den Fotos lassen sie Leser an ihrer Intimsphäre und ihren Gedanken teilhaben. Sie zeigen Kulinarisches, Mode, Kunst und Poesie, aber eben auch viel Haut. Es ist eine persönliche Entscheidung, wer wie viel von sich preisgeben will. Doch die Modeblogger werden immer jünger und nehmen sich ein Beispiel an ihren älteren Vorbildern. Viele Blogger sind noch jünger als 15. Durch die Bilder machen sie sich wiedererkennbar und angreifbar – im Internet, auf der Straße, auf der ganzen Welt.


