Fußball: Für den Sieg des Lieblingsteams beten?
Wenn am Wochenende (8. Juni) die Fußball-Europameisterschaft startet, fiebern auch viele Christen mit. Mancher fragt sich dabei, ob er wohl für den Sieg seiner Lieblingsmannschaft beten dürfe. Zwei Christen aus Sport und Kirche geben darauf gegensätzliche Antworten.
Ganz Fußball-Deutschland fiebert dem Beginn der Europameisterschaft am 8. Juni in Polen und der Ukraine entgegen. Manche Christen fragen sich: Darf ich für den Sieg meiner Mannschaft beten? Gegensätzliche Antworten geben zwei christliche Experten in Beiträgen für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar): der Leiter des Missionswerks SRS (früher: Sportler ruft Sportler“), Hans-Günter Schmidts (Altenkirchen/Westerwald) und der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung (Darmstadt).
Natürlich darf ich für den Sieg beten!
Für Schmidts steht fest: „Natürlich darf ich für den Sieg beten! Was wäre das für ein Glauben, wenn ich meinem Gott – den ich mit ‚lieber Papa‘ ansprechen darf (‚Abba Vater‘) – nicht alles sagen dürfte, was mich bewegt? Auch meine größten Wünsche!“ Selbst Jesus Christus schütte sein Herz vor seinem Vater aus. Allerdings zeige er eine wichtige Wesenshaltung beim Gebet: „Letztlich geht es nicht um mich, sondern darum, was Gott als gut für mich befindet: ‚Dein Wille geschehe ...‘!“
Schmidts wünscht sich, dass sich die Gebetshaltung an Jesus Christus orientiert - „an seinem völligen Vertrauen in die Souveränität seines Vaters, der den Überblick darüber hat, was gut oder schlecht für mich ist.“ Der SRS-Leiter erinnert daran, dass „fromme“ Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1994 ihren Seelsorger Alex Ribeiro fragten: „Dürfen wir darum beten, Weltmeister zu werden?“ Seine Antwort: „Lasst uns doch beten, dass die Mannschaft Weltmeister wird, durch die Gott am meisten geehrt wird.“ Schmidts: „Das hat mich tief beeindruckt.“
Gott ist keine „Wunscherfüllungsmaschine“
Kirchenpräsident Jung lehnt es dagegen ab, für einen Sieg zu beten: „Gott ist keine Wunscherfüllungsmaschine und auch kein Mediator gegensätzlicher Gebetsinteressen.“ Das Gebet der Touristen um Sonne und das Bitten der Landwirte um Regen werde von Gott „nicht gegeneinander abgewogen – und die Frommeren erhalten nicht den Zuschlag“. Im Gebet bitte der Christ darum, dass Gottes Wille geschehe, nicht der eigene. Jung: „Wie oft habe ich schon erlebt, dass Gottes Ratschluss klüger war als meiner. Nicht immer verstehe ich das gleich, manchmal erst im Nachhinein – und ehrlich gesagt: auch das nicht immer!“
Er halte es auch beim Beten als Sportler mit dem französischen Mathematiker und Philosophen Blaise Pascal (1623-1662): „Vater im Himmel, ich bitte dich weder um Gesundheit noch um Krankheit, weder um Leben noch um Tod, sondern darum, dass Du über meine Gesundheit und meine Krankheit, über mein Leben und meinen Tod verfügst, zu Deiner Ehre und zu meinem Heil. Du allein weißt, was mir dienlich ist.“


