Für immer ehelos

Für immer Single zu bleiben ist für viele unvorstellbar. Trotzdem entscheiden sich manche bewusst für diese Lebensform. Wie Nonnen und Mönche leben zum Beispiel Christen in einer "Kommunität" - einer Lebensgemeinschaft mit anderen Christen. Heike hat sich mit 21 Jahren dazu entschieden, "Schwester" zu werden. Heute ist sie 27, lebt und studiert im "Lebenszentrum Adelshofen". Hier schreibt sie, warum sie sich dafür entschieden hat, ehelos zu bleiben.

 

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, ich bin nicht in die Kommunität eingetreten, weil ich „keinen abgekriegt habe“. Und auch nicht, weil ich etwas gegen die Ehe hätte. Ganz im Gegenteil. Als Gott zum ersten Mal sachte in dieser Richtung bei mir anklopfte, habe ich ganz entschieden „nein“ gesagt. Ich war 19 und hatte andere Träume, wie zum Beispiel einen netten Mann zu heiraten und vielleicht einmal in die Mission gehen. Aber Gott hat nicht locker gelassen, immer wieder kamen Bibelverse und Impulse, die mir klarmachten, dass ich Schwester werden soll. Ungefähr zwei Jahre habe ich innerlich gerungen, ich betete viel darum, dass Gott mir doch den „Richtigen“ über den Weg schickt – aber er kam nicht. Dafür konnte ich es mir immer besser vorstellen, Schwester zu werden. Mit der Zeit bekam ich eine richtige Begeisterung für diesen Weg und habe Gott mein „ja“ gegeben.

... und dann kamen Beziehungsangebote
Kaum hatte ich diese Entscheidung für getroffen, fragte mich ein Freund, ob ich mir eine Beziehung zu ihm vorstellen könnte. Keine Woche später stand ein Blumenstrauß von einem anderen Mann vor meinem Zimmer. Das Ringen ging von vorne los. Wollte Gott verhindern, dass ich in mein Unglück renne? Wollte er meinen Entschluss prüfen? In dieser Zeit bekam ich eine Karte: „Ich wünsche dir Gewissheit, oder soll ich lieber sagen Mut?“ Da war mir klar, dass ich eigentlich die Gewissheit hatte, Schwester zu werden. Nach einem halben Jahr hatte ich dann auch den Mut, diese Entscheidung festzumachen – mit 21 Jahren. Heute bin ich froh über diese Zeit mit allen Kämpfen. Ich habe mich bewusst für ein Leben als Schwester und damit für die Ehelosigkeit entschieden. Die Führung Gottes war für mich wesentlich, aber die menschliche Seite ist auch wichtig. Kann ich so leben? Kann ich auf einen Partner, eine Familie verzichten? Hilfreich fand ich es, Schwestern zu kennen, die einfach froh diesen Weg gehen und nicht den Eindruck vermitteln, dass sie das Entscheidende im Leben verpassen würden. Bis zu meiner endgültigen Festlegung verging noch einige Zeit, in der ich prüfen konnte, ob diese Lebensform zu mir passt – und ich finde, sie tut’s!

„Und Sie nehmen sich vom Markt!“
In der Kommunität habe ich viele Beziehungen, engere und lockere. Auch außerhalb pflege ich einige Freundschaften, ich bin ein Kontaktmensch. Ehelosigkeit bedeutet nicht Beziehungslosigkeit! Aber da ist eben nicht der „Eine“, der abends nur auf mich wartet, mich in den Arm nimmt, wenn’s mir einmal mies geht. Sicher, das kann auch eine Schwester, aber die Gemeinschaft in einer Ehe ist doch intensiver. Ich habe keinen „exklusiven“ Partner, und das empfinde ich durchaus als Verzicht – aber lebbar, um der Berufung willen. Ziemlich enttäuscht hat mich die Tatsache, dass ich mich am meisten vor Christen für meine Entscheidung rechtfertigen musste. Jemand meinte beinahe vorwurfsvoll: „So viele christliche Männer suchen eine Frau und Sie nehmen sich vom Markt.“ Nach 1.Kor.7 und Mt.19 ist die Ehelosigkeit durchaus eine von Gott gewollte Lebensform. Ich sehe sie als Chance zu einer intensiven Beziehung mit Jesus – jedoch nicht als Garantie und auf keinen Fall als „höhere Heiligkeit“. Aber ich erlebe, dass Jesus genügt, weil er sich um meine Bedürfnisse kümmert. Und ich genieße auch die Freiheiten, die ich mit einer eigenen Familie nicht hätte. Es gibt auch in meinem Leben Hochs und Tiefs, wie vermutlich auch in jeder Ehe. Aber ich vertraue auf Gottes Zusage, die in meiner Berufungsgeschichte vielleicht den Ausschlag gegeben hat: „Denn ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der Herr, werde euch Frieden schenken und euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung.“ (Jeremia 29,11). Wenn Gott mich als Schwester haben will, dann wird er mich auch in dieser Lebensform glücklich machen.

Infos zum Lebenszentrum Adelshofen gibt es hier.

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