Freundschaft mit Hindernissen
Wenn zwei Freunde unterschiedlichen Glauben haben, ist das nicht immer leicht. Das zeigt das Beispiel von Felix und Osman. Der eine ist Christ, der andere Moslem. Als der junge Türke Osman sich auf einmal offen gegenüber dem Christentum zeigt, kommen auf beide neue Herausforderungen zu.
Osman war elf Jahre alt, als er das erste Mal mit seinem Schulfreund Felix in die Jungschar des CVJM kam. Die zwei verbrachten einen Großteil ihrer Freizeit miteinander. „Irgendwann fragte Osman mich, was ich am Freitagnachmittag vorhabe“, erzählt Felix. „Ich sagte ihm, dass ich immer in die Jungschar gehe. So kam ihm der Gedanke, einfach mitzukommen.“ Dass Osman wirklich mit zur Jungschar ging, war jedoch nicht selbstverständlich. Er ist Muslim und kommt aus einer gläubigen Familie. Doch die Zeit in der Gruppe gefiel Osman so gut, dass er von da an öfters teilnahm. „Das war ein prägender Lebensabschnitt für mich“, sagt er rückblickend. „Besonders die Gemeinschaft und der Zusammenhalt der Gruppe haben mich beeindruckt.“ Die verschiedenen Spielangebote machten es dem Andersgläubigen leicht, sich in die Gruppe zu integrieren: „Ich habe mich nie ausgeschlossen gefühlt.“
Eine gute Gelegenheit
„Mit der Zeit erkannte ich in der Freundschaft die Chance, Osman etwas von meinem Glauben weiterzugeben“, sagt Felix. Er hatte sich nicht viele Gedanken gemacht, als Osman auf einmal mit in die Jungschar kommen wollte. Es schwirrten keine „Wenn“ und „Aber“ in seinem Kopf herum. Er spielte auch nicht alle Optionen durch: Was ist, wenn es ihm dort nicht gefällt? Was passiert, wenn die christliche Botschaft mit seinen muslimischen Ansichten kollidiert? Wie reagiere ich, wenn ihn die anderen wegen seines Glaubens nicht akzeptieren? Felix ließ alles auf sich zukommen. Es war eine gute Gelegenheit, seinem muslimischen Freund zu zeigen, wie christliche Gemeinschaft aussehen kann.
„Ich sah meinem Vater fasziniert beim Beten zu“
Osman ist geprägt von einem islamisch-religiösen Elternhaus: Regelmäßiges Beten, aktive Teilnahme am Gemeindeleben in der örtlichen Moschee und das Feiern des Ramadan sind seit der Kindheit fester Bestandteil seines Lebens. Schon als kleiner Junge wurde er von der Familie über die Regeln des Islam aufgeklärt. „Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich meinem Vater fasziniert beim Beten zusah“, erzählt der heute 19-Jährige. „Als ich mir die Körperbewegungen dann selbst beibrachte, stellte ich mich öfters neben ihn und wir beteten gemeinsam.“
„Ich kann mir nicht vorstellen, einer anderen Religion anzugehören“
Seit dem Kindesalter bemüht sich Osman, seinen „religiösen Pflichten“ nachzukommen. Für ihn war immer klar: „Ich kann mir nicht vorstellen, einer anderen Religion anzugehören als dem Islam. Weil ich mich dort wohl- und verstanden fühle.“ Trotzdem war er immer offen gegenüber Andersgläubigen: „Es interessiert mich, wie Christen ihren Glauben leben, welche Ansichten sie vertreten und wie sie miteinander umgehen.“ In der Jungschar, im Teenkreis und später auch im Jugendkreis hat er sich intensiv mit dem Christentum auseinandergesetzt. „Ich habe mir viele Verse in der Bibel durchgelesen. Oft fand ich Gemeinsamkeiten zwischen beiden Religionen, manchmal gab es aber auch Widersprüche.“
Den eigenen Glauben reflektieren
Weil Osman sich intensiv mit dem Christentum auseinandersetzte, kamen auf Felix neue Herausforderungen zu, die teilweise mit Arbeit verbunden waren: Denn das Gespräch mit Andersgläubigen erfordert, sowohl die eigene Position als auch die des Gegenübers gut zu kennen. „Nur wer seine Position kennt, kann angstfrei diskutieren“, merkte Felix schnell. Er machte sich mit dem Glaubensleben seines muslimischen Freundes vertraut. Felix weiß, wie der Islam in Osmans Familie gelebt wird. Das half ihm bei Diskussionen.
Eine harte Probe für die Freundschaft
Immer wieder diskutierte Felix mit seinem muslimischen Freund intensiv über den christlichen Glauben. Leicht war das manchmal nicht. Es gab viele gegensätzliche Ansichten, die „unüberwindbar“ erschienen. Meist handelte es sich um grundlegende Konfliktthemen wie beispielsweise die Frage nach dem Gottesbild. „Osman ging davon aus, dass Allah und Gott derselbe Gott seien und wir Christen eine komplett falsche Vorstellung von ihm hätten“, erzählt Felix. Lediglich die Art und Weise der Anbetung seien unterschiedlich. „Das konnte ich natürlich nicht mit meinem Bild von Gott vereinbaren.“ Die unterschiedlichen Ansichten der beiden stellten die Freundschaft auf eine harte Probe. „Unsere Auseinandersetzungen waren oft Versuche, uns gegenseitig zu missionieren. Aber für jeden von uns waren die eigenen Ansichten absolut und unumstößlich.“ Mit der Zeit mieden die zwei das Thema – der Freundschaft zuliebe.
Ob Osman nun offener gegenüber dem Christentum ist? Felix weiß es nicht. „Aber ich habe viel gelernt – über mich selbst und über den Islam.“
Mehr zum Thema Islam könnt Ihr ab Mittwoch, den 26. September, in der neuen Ausgabe des idealisten.net-Magazins lesen.
Kommentare Bisher wurden 2 Kommentare geschrieben
2 Kommentare wurden bereits abgegeben
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2.schrieb am 28.09.2012 10:31
das klingt so gar nicht nach der Sprache und Gedanken eines 11-Jährigen...
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1.schrieb am 24.09.2012 15:15
So ähnlich erging es mir auch.
Um besser mit Humanisten diskutieren zu können, las ich deren Bücher (Der Herr ist kein Hirte-wie Religion die Welt vergiftet, Der Gotteswahn, Letter to a Christian Nation, ...).
Die Folge war allerdings, dass ich meinen christlichen Glauben bei Seite gelegt habe und nun für die "Gegenseite" am argumentieren bin.




