Freakstock: Unkonventioneller „Kurs auf Jesus“

Rund 3000 „Jesus-Verrückte“ haben sich vom 3. bis 7. August unter dem Motto „Kurs auf Jesus“ in Borgentreich bei Kassel zum 17. Freakstock getroffen. Wir stellen Euch vor, wie das ungewöhnliche Festival bei den Jesus Freaks entstanden ist und warum es in den letzten Jahren einige Veränderungen gab.
  • (1) Beim Hauptseminar, (2) The Psalters, (3) Selbstgenähte Klamotten kaufen, (4) Familie Fischer, (5) Jung und alt auf dem Freakstock, (6) Freakstock-Hauptorganisator Henrik Begemann, (7) Kids welcome ..., alle Fotos: Simon Jahn/idea, mehr Fotos in unserer Freakstock-Bildergalerie: http://ideali.st/freakstock

 

Eine Gemeinde für die, die am Rande der Gesellschaft stehen

1991 gründeten in Hamburg drei junge Leute aus der Punk-Szene die „Jesus Freaks“. Sie wollten Gott auf ihre ganz eigene, oft schrille Art feiern und ihm nachfolgen. Und sie wollten dazu auch die einladen, die am Rande der Gesellschaft stehen, die in anderen Gemeinden keinen Platz finden. Schnell sprach sich herum, dass es diese jungen Leute gab, die mit Punk-Musik Gott anbeteten und Abendmahl mit Chips und Cola feierten. Zu einem Seminar mit dem New Yorker Vineyard-Pastor Mike Turrigiano – dem Mentor der Jesus Freaks – kamen 1994 schon 150 Leute zusammen.

Bis zu 8.000 Jesus-Begeisterte

Der Gemeindegründung in Hamburg folgten Jesus-Freaks-Gruppen in anderen Städten. Schnell wuchs daraus eine ganze Bewegung. Deshalb traf man sich im darauf folgenden Jahr zentraler – in Wiesbaden. Dem Treffen gab man den Namen „Freakstock“. Damals ahnte wohl keiner, dass sich daraus einmal das größte alternative christliche Festival Europas entwickeln würde. Bis zu 8.000 Jesus-Begeisterte – und zwar längst nicht mehr nur Jesus Freaks – kamen in den folgenden Jahren nach Gotha an den Boxberg, wo das Festival ab 1997 stattfand. Auf dem Freakstock konnte man die angesagtesten christlichen Bands live erleben, Gemeinschaft mit anderen Jesus-Anhängern haben und sein Glaubenleben auf unkonventionelle Weise vertiefen.

Von „The Jesus Freaks Festival“ zum „The Jesus Festival“

„Vor vielen Jahren schon haben wir das Freakstock von ‚The Jesus Freaks Festival’ in ‚The Jesus Festival’ umbenannt, weil eine Menge Leute kommen – und auch das Festival mitgestalten –, die nicht unbedingt Jesus Freaks, aber kulturell auf derselben Schiene sind“, sagt Henrik Begemann. Der 37-Jährige ist seit 2000 Hauptorganisator des Freakstock.

2006: Der Bruch

Doch 2006 ging ein großer Riss durch die Jesus-Freak-Bewegung: Viele schlossen sich der extrem charismatischen, sektiererischen „Wort und Geist“-Bewegung und deren Gründer und „Apostel“ Helmut Bauer an. Dadurch schrumpften viele Gruppen merklich, andere gibt es gar nicht mehr. Auch viele Leute, die sowohl die Jesus-Freaks-Bewegung als auch das Freakstock entscheidend mitgeprägt und mitgetragen hatten, waren nun nicht mehr da. Das Festival brauchte einen Neuanfang. Begemann: „Wir haben gemerkt: Mit der Basis, die wir jetzt haben, wäre es nicht gut, so ein großes Festival weiterzuführen und haben deshalb das Festival bewusst verkleinert.“

Und heute?

Das Freakstock ist kleiner geblieben. Seit 2009 hat es auf dem Alten Kasernengelände in Borgentreich bei Kassel, das der Koptischen Kirche in Deutschland gehört, ein neues Zuhause. Größter Pluspunkt: Hier gibt es Familienzimmer. Die Nachfrage dafür ist groß, denn von den 3.000 Besuchern, die dieses Jahr kamen, waren 150 Kinder – darunter auch die 7 Monate alte Annemie. „Wir wollten einfach ausprobieren, wie gut es mit Kind klappt“, erzählen Deborah (26) und Andreas (29). Das Ehepaar aus Ansbach ist schon seit über zehn Jahren beim Freakstock dabei. „Im Notfall wären wir einfach wieder gefahren, aber es hat besser geklappt als wir dachten. Das Festival ist ja auch sehr familienfreundlich.“ Und das im doppelten Sinne: „Für uns ist das Freakstock ein überregionales Familientreffen: Sich wiedersehen, zusammen feiern, zusammen Jesus begegnen“, sagen sie. Man hat auf dem Freakstock wirklich den Eindruck, dass jeder jeden kennt.

„Hier wirst du so angenommen, wie du bist“

Doch das Alter spielt hier keine Rolle, sondern vielmehr die unkonventionell ausgelebte Leidenschaft für Jesus. „Auf dem Freakstock wirst du so angenommen, wie du bist. Hier ist es egal, ob du beispielweise tätowiert bist. In ‚normalen’ Gemeinden ist das oft nicht so“, findet Lisa (22) aus dem süddeutschen Ludwigsburg. „Diese Begegnung mit der Jugend und der Vielfalt weitet meinen Horizont. Ich genieße die Annahme und die Feier hier sehr“, sagt der 71-jährige Dieter aus Barth an der Ostsee.

„The Psalters“, selbstgeschneiderte Klamotten und Volxbibel-Lesung

Und so vielfältig wie die Besucher waren auch dies Jahr wieder die Angebote auf dem Festival: Die Kinder konnten auf Schatzsuche gehen, während ihre Mamas an den Ständen mit selbstgeschneiderten Klamotten stöberten oder sich in Selbstverteidigung übten. Tanzwütige beklatschten die kauzige Folklore-Rock-Band „The Psalters“ („Die Psalmen“) aus den USA, andere suchten beim Liturgie-Gottesdienst eher die Stille. Und auch Jesus-Freaks-Gründer Martin Dreyer war natürlich da. Er las aus seiner „Volxbibel“. Herzstück des Freakstock war und ist bei all dem der „Kurs auf Jesus“ – egal ob jung oder alt, Punker oder „Normalo“, laut oder leise, im großen oder im kleinen Rahmen.

Mehr Fotos vom Freakstock 2011 findest Du in unserer Freakstock-Bildergalerie.

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