Faule Studenten, fleißige Azubis
Jeder hat sie, jeder kennt sie jenseits von Nächstenliebe, Rationalität und Gerechtigkeit: Vorurteile. Es sind wertende, meist wenig durchdachte Meinungen über bestimmte Personen. Aber woher kommen sie und wie kann man ihnen vorbeugen?
Im Grunde besteht ein Vorurteil aus zwei Komponenten: persönlicher Einstellung und Überzeugung. So sind Süßigkeiten ungesund, Kernkraftwerke verpesten die Umwelt. Studenten hängen auf wilden Partys rum, während die Azubis hart in der Firma schaffen. Oft sind Vorurteile negative Einstellungen gegenüber konkreten Menschen und Gruppen, Berufen und Bildungswegen. Wir neigen zu einförmiger und emotionaler „Übergeneralisierung“: Der Zahnarzt kassiert das große Geld und Politiker halten eh nie das, was sie mal versprochen haben.
Nicht zwangsläufig abwertend
Vorurteile enthalten negative Gefühle und Gedanken, Tendenzen zu intolerantem Handeln und Diskriminierung. Jedoch müssen sie nicht gleich abwertend sein. Es ist durchaus verständlich, dass zum Beispiel ein Student im Erstsemester seinem Professor einen intellektuellen Superlativ zutraut, der Azubi mit seinen Kollegen eigene Ansichten über die Leute anderer Ausbildungsgänge an der Berufschule hat.
Schubladen-Denken als Reizentlastung
Der Grund für Vorurteile liegt wohl in unserem psychischen „Haushalt“. Pauschalen entlasten unseren von Reizen überfluteten Alltag. Komplexe Sachen sollen möglichst einfach gehalten werden, indem wir Personen und Sachen in bestimmte Schubladen stecken. Dazu kommen soziale Ungleichheiten, ein idealer Nährboden für Vorurteile. Eine weitere Ursache liegt darin, den eigenen Status zu erhöhen. Emotionale Faktoren von sozialer Identifizierung bis zur „Sündenbocksuche“ kommen dazu. Daneben existiert das „Gerechte-Welt-Phänomen“, bei dem wir je nach Situation dem Opfer helfen oder es erniedrigen nach dem Motto: „Der hat’s verdient“.
Miteinander reden
Wie überwinden wir Vorurteile? Indem wir versuchen, an unseren Ausbildungsstandorten miteinander zu reden, praktisch Hand in Hand zu arbeiten. Daran lässt sich besser überprüfen, inwiefern bestehende „Informationen“ von der Realität abweichen oder nicht. Eine wirksame Aufklärung von Vorbehalten ist mühseliger als ihr Ersatz durch ein neues Vorurteil. Es hilft, sich den gleichberechtigten Status der Kommilitonen und Kollegen bewusst zu machen. Dazu gehört ein möglichst offenes Kennenlernen in einem positiven Betriebsklima, um negative Feindbilder zu widerlegen. Darüber hinaus können gemeinsame Ziele gefunden werden, die das eigene Ich und sein Gegenüber in einer gesunden Unternehmenswelt miteinander verbinden.
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