Faire Klamotten: Dein Beitrag gegen Ausbeutung

Hungerlöhne, Diskriminierung, 13-Stunden-Arbeitstage: Unsere Textilien entstehen meist unter haarsträubenden Arbeitsbedingungen. Die neue Studie „Im Visier: Discounter“ zeigt solche Missstände in den Zulieferbetrieben von „Aldi“, „Lidl“ und „KiK“ auf. Lies, wie Du beim Klamottenkauf Verantwortung übernehmen kannst.
  • (1) Foto: istockphoto, (2) Grafik von Sabrina Grösche aus „I shop fair? Ein Wegweiser durch den Labeldschungel bei Textilien“ (CIR)

 

Wer freut sich nicht, das angesagte neue Teil zum Spottpreis zu ergattern? Doch wie kommt es eigentlich, dass ein T-Shirt, das den weiten Weg von Bangladesch bis nach Deutschland hinter sich hat, nur 5 Euro kostet? Ganz einfach: Eine Näherin verdient dort beispielsweise nur 1,18 Euro am Tag!

Heißt das, billige Klamotten werden generell unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt? „In den allermeisten Fällen schon“, sagt Joana Eink von der Christlichen Initiative Romero. „Aber es ist nicht gesagt, dass ein T-Shirt für 30 Euro unter besseren Umständen entstanden ist.“ Gerade renommierte Sportmode-Hersteller wie Adidas stehen immer wieder wegen unzumutbarer Produktionsbedingungen in der Kritik.

Protestieren statt boykottieren

Die Christliche Initiative Romero gehört zum deutschen Trägerkreis der internationalen „Kampagne für Saubere Kleidung“ (Clean Clothes Compaign, kurz CCC) und setzt sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Textilbranche ein. Seit Jahren weist die CCC schon auf Arbeitsrechtsverletzungen in Ländern wie Bangladesch, China und Indien hin. Vor allem in Zulieferbetrieben von Discountern und Sportartikelherstellern deckte sie mehrfach eklatante Missstände auf. „Wir rufen aber bewusst nicht zum Boykott solcher Firmen auf“, sagt Eink. Wichtiger sei es, weniger und dafür bewusster einzukaufen – und vor allem, sich bei den Herstellern für bessere Arbeitsbedingungen in der Produktion einzusetzen. „Wir erleben, dass sich – nicht zuletzt dank einzelner Proteste – bei vielen Unternehmen etwas tut.“

Auf Zertifikate und Siegel achten

Einen Schritt in die richtige Richtung hat beispielsweise 2011 der Textilhändler „Takko“ gemacht. Der Discounter schloss sich der „Fair Wear Foundation“ (Stiftung Faire Kleidung) an, einer unabhängigen Initiative, die in den Zulieferbetrieben ihrer Mitgliedsunternehmen prüft, ob Sozialstandards und Arbeitsrechte eingehalten werdem. Bei Firmen, die Mitglied solcher Zusammenschlüsse („Multi-Stakeholder-Initiativen“) sind, kann man beim Einkaufsbummel guten Gewissens zugreifen.

Viele Firmen betreiben Schönfärberei

Zudem gibt es Siegel, die ökologische oder faire Kleidung versprechen. Man findet sie inzwischen auch in Geschäften mit „Discountmode“. Doch die Auflagen, die Firmen ihren Zulieferbetrieben in der Dritten Welt machen, sind häufig extrem niedrig. Deshalb sind viele der Siegel und Zertifikate wenig wert. Eink: „Solche Aktionen sind leider oft nur Schönfärberei, um vorzutäuschen, man sei ein faires Unternehmen.“ Welche Modesiegel wirklich vertrauenswert sind, erklärt die Christliche Initiative Romero in einem Leitfaden im Taschenformat, den man gut zum Klamottenkauf mitnehmen kann. Eine Übersicht über alle Zusammenschlüsse und Zertifikate findest Du ebenfalls auf www.grünemode.org

Mein Einkauf entscheidet mit über die Arbeitsbedingungen

„Wichtig ist vor allem, dass junge Leute erkennen: Mein Einkauf entscheidet mit darüber, unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt werden“, sagt Brigitte Binder vom Evangelischen Entwicklungsdienst. „Dumpingpreise sind generell nicht gutzuheißen. Am besten wäre natürlich, im Weltladen einkaufen zu gehen.“ Weltläden sind kleine Fachgeschäfte – meist in kirchlicher Trägerschaft –, die ausschließlich fair gehandelte Waren verkaufen. Dort muss man natürlich ein bisschen mehr ausgeben. Doch auch wer knapp bei Kasse ist, muss nicht zwangläufig zum 5-Euro-Shirt greifen. Ein neuer Trend unter jungen Leuten sind Kleidertauschbörsen oder –parties. So landet die Hose, die zu eng geworden ist, nicht im Müll und man bekommt gleichzeitig was Neues für den eigenen Kleiderschrank. Auch sehr beliebt ist inzwischen das sogenannte „Upcycling“. Hierbei werden aus alten Klamotten einfach neue genäht.

Was kann ich noch tun?

Neben der Überlegung, welche Hose ich mir kaufe, kann ich aber noch mehr tun: 1. Das Wissen, das ich mir angeeignet habe, weitergeben – an Freunde, im Jugendkreis oder in Sozialen Netzwerken. 2. Mich an Aktionen beteiligen, z.B. die Protestmails, die die Christliche Initiative Romero regelmäßig zur Verfügung stellt, an die entsprechenden Firmen schicken. 3. An einer „konsumkritischen Stadtführung“ teilnehmen, die es in immer mehr Orten gibt (eine Übersicht findest Du auf www.weltbewusst.org). Dabei wird einer Kleingruppe an verschiedenen Geschäften erklärt, worauf man beim dortigen Einkauf achten sollte.

Eine Übersicht über „faire“ Shops bietet dieser Blog: weissliste.twoday.net

Wir verlosen 5 x den Einkaufsratgeber „I shop fair? Ein Wegweiser durch den Labeldschungel bei Textilien“ . Wer gewinnen will, schickt bis 5. Februar eine E-Mail mitsamt Adresse an gewinnen@idealisten.net

Lies auch auch unser Interview mit Brigitte Binder zum Thema „20 Jahre FairTrade“.

 

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