Einsamkeit - was ist das eigentlich?
Einsamkeit - was ist das? Ist man einsam, wenn man alleine ist? Muss jeder, der alleine lebt einsam sein? Auch Menschen, die von lauter Menschen umgeben sind, können einsam sein. Aber wieso? Gehört Einsamkeit zu jedem Leben? Ist es etwas, was jeder kennt, oder etwas, was nur bestimmte Menschen kennen? Kann man Einsamkeit überwinden? Oder zumindest lernen, wie man mit ihr umgeht?
Einsamkeit - das ist etwas, was es schon vor dem Sündenfall gab. Also eine Sache, die in sich nicht schlecht sein kann, da es sie vorher schon gab. Sie zeigt sich bei Adam, als er entdeckt, dass es für ihn kein Gegenüber gibt. Einsamkeit drückt die Sehnsucht eines Menschen nach einem Gegenüber, einem Gleichgesinnten aus.
Einsamkeit ist ein Geschenk Gottes
John Ortberg definiert Einsamkeit wie folgt: "Einsamkeit ist ein Geschenk Gottes. Sie existierte schon vor dem Sündenfall. Man versteht darunter die Erfahrung, ein einzigartiger Mensch zu sein, der die Fähigkeit hat zu denken, zu fühlen, zu bewerten und sich zu entscheiden. Einsamkeit bereichert den Beitrag, den wir zur Gemeinschaft leisten können. ... Die Fähigkeit zur Einsamkeit ist ein Zeichen von Stärke." Dieses Zitat beantwortet einige der zuvor gestellten Fragen.
Lernen, mit Einsamkeit umzugehen
Was ist Einsamkeit? Sie ist ein Geschenk Gottes. Wenn das stimmt - und warum sollte es das nicht - dann kann man lernen mit Einsamkeit umzugehen. Auch nachdem Adam Eva hatte war er auf eine gewisse Art und Weise noch einsam. Er hatte jetzt jemand mit dem er vieles oder alles besprechen konnte – aber Eva konnte nicht alles 100% nachvollziehen. Sie konnten einander zuhören, aber nicht 100 % verstehen. Eva und Adam waren verschieden. Sie waren Mann und Frau. Sie dachten anders. Sie gingen anders an Dinge heran. Heute können Frauen Frauen zuhören und Männer Männern und sie werden feststellen: manche Dinge kann man gut verstehen, andere kann man nicht verstehen – weil wir alle Individuen sind.
Wissen, wie es funktioniert
Mit der Einsamkeit ist es wie mit jedem anderen Geschenk: ich muss wissen, wie es funktioniert, damit ich mich daran freuen kann. Mir kann jemand die teuerste Anlage auf dem Markt schenken – solange ich nicht genau weiß, wie sie funktioniert kann ich sie nicht nutzen – zumindest nicht mit allen ihren Möglichkeiten. Dann steht sie schön im Zimmer und vielleicht läuft auch mal eine CD, aber ich werde sie nicht in ihrer Vielfalt nutzen und mich an ihr freuen können. Ja, vielleicht stört sie mich sogar, weil sie so viel Platz einnimmt.
Verstehen, damit ich mich daran freuen kann
Die Einsamkeit ist ein solches Geschenk. Ein Geschenk, dass ich verstehen muss, damit ich mich daran freuen kann. Die Einsamkeit unterstreicht meine Individualität. Sie ist der Beweis dafür, dass ich nicht eine unter vielen bin, sondern ich. Und das ist gut so. Wenn niemand auf dieser Welt je einsam wäre, würde es bedeuten: wir sind alle gleich. Gleiche Interessen, gleiche Lieblingsfarben, gleiche Stärken und Schwächen – in so einer Welt möchte ich nicht leben. Sie ist langweilig. Und keiner kann die Schwächen des Anderen ausgleichen. Es gäbe keine Ergänzung, weil sie nicht möglich wäre. Und zu guter Letzt gäbe es noch nicht einmal Mann und Frau. Der Mensch wäre langweiliger als Tiere. Einsamkeit ist wie ein großes Geschenk – sie nimmt einen gewissen Platz im Leben ein und vielleicht auch manchmal zu viel für unseren Geschmack. Aber wenn wir gelernt haben mit ihr umzugehen, dann bereichert sie unser Leben.
Aber wie kann man mit ihr umgehen?
Auch hier kommt der Vergleich mit dem Geschenk zur Hilfe. Wann kann ich ein Geschenk genießen? Wenn ich es angenommen habe. Man kann ein Geschenk auch auspacken ohne es anzunehmen: dann, wenn ich es entgegennehme, „Danke“ sage und mich nicht daran freuen kann. Erst wenn ich es innerlich angenommen habe, kann ich mich auch wirklich daran freuen. Ich muss die Einsamkeit annehmen um mich daran zu freuen und ihre Möglichkeiten zu entdecken.
Gemeinschaft ist ebenfalls ein Geschenk
Das soll nicht heißen, dass man sich aus der Gemeinschaft mit anderen ausklinken soll. Die Gemeinschaft ist ebenfalls ein Geschenk Gottes und für den Menschen genauso wichtig. Aber es gibt Situationen, in denen man sich nicht verstanden fühlt. Oder Situationen in denen gerade keiner da ist, der einen verstehen oder sogar zuhören könnte.
Jeder Mensch hat Fragen, die ihn bewegen, wenn er es zulässt. Fragen, die vielleicht gerade keinen anderen bewegen. Oder Ideen auf die sonst niemand kommt. Dann ist es wichtig, dass man sich den Fragen stellt, die Antworten sucht oder abwartet. Vielleicht gibt es Menschen, die einem zuhören, Gedankenanstöße geben – aber die Antwort, die man sucht oder die zufrieden stellt, können sie nicht geben, weil es eine individuelle Frage ist. Nur in der Einsamkeit liegt die Chance diese Antworten zu finden und in der Gemeinschaft weiterzugeben, anderen zu helfen und sie zu bereichern. Da wo man keinen hat, mit dem man darüber reden kann, gibt es aber immer noch jemanden. Derjenige, der dich und mich 100% versteht. Er ist derjenige, der dir deine Fragen beantworten kann. Er weiß, was sein Kind bewegt.
Einsamkeit ist eine Bereicherung
Lauf zu ihm. Er wird dasein. Genau verstehen, was du meinst. Dir deine Antworten geben – dann, wenn es für dich richtig ist. Er ist derjenige, der deinen Mangel ausfüllen kann. Die Einsamkeit in dir lindern kann. Vielleicht ist auch genau dies ein Ziel der Einsamkeit: Lauf zu deinem Schöpfer!
Fazit: Einsamkeit ist eine Bereicherung, wenn man sie annimmt und zu gebrauchen weiß. Nutze die Einsamkeit um die Vielfalt zu entdecken, die Gemeinschaft zu bereichern und vor allem die Beziehung zu deinem Schöpfer zu stärken. Denn er ist der Einzige der dich wirklich versteht und deine Fragen beantworten kann.
2 Kommentare wurden bereits abgegeben
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2.schrieb am 17.12.2008 10:33
Einsamkeit wird stets als bedrückend empfunden, weil der Mensch ja ein recht zweisames Wesen ist. Jede Situation als gottgewollt anzunehmen ist wohl der Schlüssel.
Diesem Artikel kann ich nur zustimmen; manchmal auch schweren Herzens...
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1.schrieb am 25.09.2008 18:52
Meine Güte, wie fromm. Wer ist schon gerne einsam? Ich glaube, es gibt sogar christliche Singlebörsen.



