Eine Gemeinde im James-Bond-Fieber

James Bond ist bei der jungen, freikirchlichen ICF-Gemeinde in Karlsruhe gerade in aller Munde. Aber nicht etwa, weil alle so gespannt auf den neuen 007-Streifen „Skyfall“ sind, der dieser Tage in den Kinos angelufen ist. Mit „Im Auftrag ihrer Majestät“ hat die Gemeinde ihren eigenen James-Bond-Film gedreht. Nun läuft der Streifen in vier Teilen á 5 Minuten in den Gottesdiensten.
  • (1) Professionell bis zum richtigen Filmplakat: Der James-Bond-Streifen der ICF Karlsruhe, (2+3) Das erste Aufeinandertreffen von 007 (Benjamin Stoll) und seinem Bondgirl (Alexadra Lesch) verläuft nicht gerade harmonisch, (4) Der Agent bekomt seinen Auftrag von M (Julie Trappett) (5) Der Gottesdienst beginnt, (6) Die stilechte Bond-Band, (7) Zur Begrüßung gibt es Drinks im Martini-Glas für die Gottesdienstbesucher. Fotos: 2-4: Screenshots, 5-7: ICF Karlsruhe/Sarah Gnädig & Steve Bush

 

Der Countdown zählt bis 007

Zum ersten Teil der Gottesdienstserie „Im Auftrag ihrer Majestät“  empfangen Mitarbeiter in schwarzer Abendgarderobe die Besucher und reichen ihnen Begrüßungsdrinks im Martini-Glas. Dann zählt der Countdown auf der großen Leinwand rückwärts. Bei 007 bleibt er stehen. Die Band spielt „Golden Eye“. Über die Leinwand flimmert der bekannte James-Bond-Vorspann: Im weißen Zielpunkt erscheint aber nicht der Film-Agent, sondern Michael Hoffmann, stellvertretender Gemeindeleiter, und begrüßt die Gottesdienstbesucher.

James Bond und die falschen Diamanten

Dann startet der Teil 1 des von der Gemeinde gedrehten Agentenfilms: 007 sitzt im Büro bei M und bekommt seinen Auftrag: Der Forscher Professor Roughmore hat es geschafft, künstliche Diamanten zu entwickeln, die von echten nicht zu unterscheiden sind. Agent 008 sollte ihn überwachen, da das englische Königshaus einen geheimen Vertrag mit der UNO geschlossen hat, den weltweiten Diamantenhandel vor Betrug zu schützen. Doch nun sind sowohl 008 als auch Roughmore verschwunden und die Gefahr besteht, dass die Entwicklung in falsche Hände gerät. Um das zu verhindern und die Krone zu retten, soll 007 den Fall schnellstmöglich klären.

Es geht um Leben und Tod

„James Bond weiß, dass sein Auftrag von immenser Bedeutung ist und dass es um Leben und Tod geht – und in unserem Leben geht es um nichts Geringeres“, erläutert Pastorin Sybille Beck anschließend in ihrer Predigt. Gott habe uns den Auftrag gegeben, sein Evangelium in alle Welt zu tragen. Es gehe darum, „ob deine Freundin, dein Freund, dein Nachbar ewig gerettet sind oder nicht – es geht um Leben und Tod.“

Das Ziel: So professionell wie möglich

Schon im Vorfeld hat ICF Karlsruhe viel Zeit, Kreativität und Kraft in das Projekt investiert. Die Idee dazu war schon vor eineinhalb Jahren entstanden. Im April 2012 fiel dann der Startschuss: Drehbuch, Casting, Drehorte, Kamera, Ton, Maske, Catering – alles wurde von Gemeindemitgliedern vorbereitet. Dabei hatten sich die Karlsruher von Anfang an die Maxime gesetzt, trotz eines kleinen Budgets alles so professionell wie möglich aufzuziehen.

Unmögliche Dinge wurden möglich

Bei den Vorbereitungen wurden „viele unmögliche Dinge plötzlich möglich“, erzählt Manuel von Kahlden, stellvertretender Gemeindeleiter und Mitinitiator des Projektes. So konnten sie beispielsweise kostenlos in einer Hotelsuite drehen, eine leerstehende Fabrikhalle und eine alte Tiefgarage nutzen. Professionelle Schauspieler ließen sich begeistern, für Kost und Logis an dem Projekt mitzuwirken. Sogar ein original englisches Nummerschild wurde aus dem Vereinigten Königreich besorgt. „Das schwierigste war, Zugang zu einem echten Labor zu bekommen“, sagt von Kahlden. Doch durch ein Gemeindemitglied, das im Vorstand einer Firma sitzt, klappte auch das schließlich.

Gedreht wurde „Im Auftrag ihrer Majestät“ dann im September in Karlsruhe und Umgebung. Am Drehbuch schrieb vor allem die mehrfach preisgekrönte Hörspielautorin Claudia Weber. Regie führte Christian Weihrauch, der nebenberuflich als Schauspieler und Model tätig ist. Kamera und Schnitt übernahm David Groschwitz, der in der Fernsehbranche arbeitet. Alle drei gehören zur Gemeinde. Einzig die drei Hauptdarsteller des Bond-Streifens holte man – aus Berlin und Köln – extra nach Karlsruhe. Herausgekommen ist ein Kurzfilm auf wirklich hohem Niveau.

Bis zu 200 Gottesdienstbesucher mehr

„Das Projekt hat sich in mehrfacher Hinsicht gelohnt“, resümiert von Kahlden. „Noch nie waren unsere Mitglieder so begeistert von ihrer Gemeinde – und noch nie so motiviert, ihren Freunden ihre Kirche zu zeigen.“ Dabei habe die Gemeinde auch die Erfahrung gemacht, dass sich kirchenferne Leute durch den James-Bond-Film leichter zum Gottesdienst einladen lassen. Normalerweise kämen 500 bis 700 Besucher in die zwei Sonntagsgottesdienste der Gemeinde. „Seit dem Start der Serie sind es jeweils bis zu 200 Besucher mehr“, sagt von Kahlden. In den Predigten konzentrierte man sich deshalb derzeit darauf, Glaubensgrundlagen zu vermitteln.

Zum Abschluss der Agentenfilm-Reihe hat die Gemeinde für den 11. November in ein Kino in Karlsruhe eingemietet und erwartet rund 1.100 Besucher. Dann wird im Anschluss an die zwei Gottesdienste jeweils noch der „echte“ James Bond mit „Skyfall“ über die Leinwand flimmern.

Über ideali.st/bond gelangst Du zu den vier Teilen des 007-Films samt dazugehöriger Predigt. Nächstes Jahr will die Gemeinde dann auf ihrer Homepage auch den kompletten Bond-Streifen zum Download anbieten.

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