Ein Tag im Missio-Camp

Zum zweiwöchigen „Missio-Camp“ kommen jedes Jahr rund 2.000 Besucher nach Bischofsheim in der Rhön. Vom 3. bis 17. August fand die diesjährige Veranstaltung im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen statt. Ich habe mich einen Tag lang unter die jugendlichen Teilnehmer gemischt.
  • (1) Paulina, Antonia und Tamara (v.l.), (2) Blick vom Gelände ins Tal, rechts der "RotoDOM", (3) Die Camp-Band beim morgendlichen Lobpreis, (4) Fußballturnier: TeenieCamp vs. Musiker-Team, (5) Joel (an der Gitarre) bei der Bandprobe, (6) Roland Werner predigte am Abend, (7) Danny Plett lieferte mit seinem Auftritt den Programmabschluss

 

9.10 Uhr

Malerisch liegt das Zeltdorf in den Bergen der Hohen Rhön. Die Luft könnte frischer nicht sein. Die Vögel zwitschern, die Wiesen sind taubenetzt. Der Gebirgsbach plätschert sanft durchs Gelände. Aus einem der Zelte hallt leise Musik über das noch wenig bevölkerte Gelände. Rund 40 vorwiegend Jungendliche und junge Erwachsene haben sich dort zur morgendlichen Lobpreiszeit eingefunden. Ihr Gesang ist verhalten. Vorn auf der Bühne sitzt die fünfköpfige Camp-Band um Sänger und Gitarrist Daniel Harter und singt: „Praise Adonai, from the rising of the sun 'til the end of every day“ (Preist Adonai vom Sonnenaufgang bis zum Ende des Tages).

Diese Liedzeile beschreibt auch treffend den Geist, der auf dem Missio-Camp weht. 1977 hatte Fritz Schroth das Ferienlager – damals noch als reine Jugendveranstaltung – ins Leben gerufen. „Mein Vater hatte den Eindruck, dass die Zeit der Zeltevangelisationen vorbei ist. Statt Frontal-Evangeliastion setzen wir hier darauf, Menschen für Jesus zu begeistern, indem wir lebendiges Christsein vorleben. Wir wollen Zeugen von Gottes Liebe sein“, sagt Stefan Schroth, der vor drei Jahren den „Staffelstab“ von seinem Vater übernahm.

9.45 Uhr

Im „Performance“-Zelt sitzen 11 Jugendliche im Stuhlkreis. Franziska und Matthias Patsch vom Leitungsteam des Jugendcamps sprechen darüber, wie man die Bibel lesen und verstehen kann. Franziska liest die Geschichte von Jairus vor, dessen tote Tochter Jesus wieder auferweckt. „Glaubt ihr, dass so etwas heute noch möglich ist?“ Die Skepsis bei den Anwesenden überwiegt. „Aber Jesus sagt in der Bibel, dass wir als seine Nachfolger die gleichen und noch größere Werke tun werden wie er“, wirft Matthias ein.

Was das Missio-Camp auch von anderen Ferienlagern unterscheidet, ist die offene Struktur. Zum JugendCamp gesellten sich mit den Jahren ein TeenieCamp, ein FamilienCamp mit Kindercamp sowie ein PlusCamp für Senioren. Jede der Gruppen beansprucht auf dem Gelände einen eigenen Bereich für sich – die Jüngeren in Zelten, die Alten und Familien in den Gästehäusern der Tagungsstätte „Hohe Rhön“. Während vormittags altersspezifisches Programm angeboten wird, kommen zu den Abendveranstaltungen alle zusammen. Dabei ist kein Teilnehmer verpflichtet, nur die Angebote seines Camps zu besuchen. Und so trifft man gerade im TeeneieCamp häufig auch Jugendliche an. Doch nicht nur inhaltlich kann sich jeder auf dem Missio-Camp frei entscheiden. Fritz Schroth war von Anfang an bewusst, dass sie die Menschen heutzutage nicht mehr festlegen wollen. Und so ist es jedem Teilnehmer selbst überlassen, wann er anreist und wie lange er bleiben möchte. „Die strukturelle Offenheit steht bei uns auch für die Freiheit der Liebe Gottes“, erklärt Stefan Schroth.

11.15 Uhr

Paulina (14), Antonia und Tamara (beide 15) aus Ehnigen bei Stuttgart sitzen mit zwei Gitarren auf einem Baumstamm und singen: „Näher, mein Gott, zu Dir“. Paulina und Tamara sind zum ersten Mal hier. Antonia hatte es im letzten Jahr beim Missio-Camp so gut gefallen, dass die Freundinnen diesmal unbedingt auch mitfahren wollten. Zwischen den Programmangeboten nutzen die drei die meiste Zeit, um gemeinsam Lobpreis zu machen. „Wir haben in den letzten Tagen oft auch mit ein paar Jungen zusammen gesungen. Aber die sind leider schon wieder abgereist“, erzählt Paulina. Schwierigkeiten, Anschluss zu finden, hatten Paulina und Tamara nicht. „Das Miteinander hier ist wirklich toll, und wenn jemand neues anreist, wird er sofort in die Gemeinschaft mit reingenommen“, sagt Tamara.

Zwar hat die Anzahl der jugendlichen Teilnehmer in den vergangenen Jahren abgenommen – dieses Jahr kamen rund 40 Jugendliche nach Bischofsheim. Doch es gibt immer wieder Jugendliche wie Antonia, die Freunde zum Camp mitbringen. „Dieses Jahr waren sogar zwei Mädchen dabei, die dem Glauben zuerst recht distanziert gegenüberstanden und an den Veranstaltungen nicht teilnahmen“, erzählt Matthias Patsch. „Aber mit der Zeit merkte man richtig, wie sie sich immer mehr öffneten und schließlich selbst mit Begeisterung dabei waren.“

14.00 Uhr

Beim Fußballturnier machen alle mit: Das Kindercamp spielt gegen die Band-Mannschaft, das Teeniecamp gegen die Mitarbeiterinnen-Team, das Familiencamp gegen die Jugendlichen. Am Ende erkämpfen sich die Jugendlichen im Finale gegen die Band-Mannschaft – die in den letzten Jahren das Turnier immer für sich entscheiden konnte – den Sieg.

An den anderen Tagen können sich die Teilnehmer neben vielfältigen Sportangeboten in dieser Zeit auch von erfahrenen Musikern an Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard oder im Gesang Neues beibringen lassen oder einfach mal ein Instrument ausprobieren. „Die Workshops finden besondern bei den Jugendlichen großen Zuspruch“, sagt Schroth. „Unser Ziel ist es, dass sie das, was sie da lernen, dann in ihre Gemeinden weitertragen.“ So will das Missio-Camp auch über die zwei Sommerwochen hinaus in die Gemeinden wirken.

15.00 Uhr

Während das Fußballturnier noch in vollem Gange ist, steht Jeol Thomas mit zwei weiteren Campteilnehmern und zwei Musikern auf der Bühne im großen Veranstaltungszelt „RotoDOM“ und probt für den kommenden Abend. Der 15-Jährige aus Witten ist schon zum fünften Mal dabei. Ein Gitarrenworkshop auf dem Missio-Camp vor fünf Jahren animierte ihn, Gitarre zu lernen. Seitdem stand er schon mehrfach abends auf der großen Bühne. „Ich fiebere immer das ganze Jahr über dem Missio-Camp entgegen, weil die Atmosphäre hier so toll ist und ich inzwischen schon viele Freunde hier gefunden habe“, erzählt er.

18.00 Uhr

Zum Essen kommen die Jugendlichen alle wieder zusammen. Joel trägt dabei weiße Schürze und weiße Kappe. Er hat heute Küchendienst. Es gehört zum Konzept des Missio-Camps, dass die Jugendlichen auch selbst mit anpacken.

19.45 Uhr

Der Parkplatz hat sich mit vielen Autos aus der Region gefüllt. Das Zelt ist mit rund 400 Besuchern gut gefüllt. Die Jugendlichen sitzen ganz vorn. Roland Werner, Generalsekretär des CVJM Deutschland, fordert die Zuhörer auf, mit missionarischem Eifer unterwegs zu sein zu denen, die Jesus noch nicht kennen.

21.30 Uhr

Während zum Abschluss des Abends Danny Plett im RotoDOM ein Konzert gibt, schürt Matthias Patsch im wenige Meter entfernten JugendCamp noch ein Lagerfeuer, an dem die Jugendlichen noch zusammenkommen und sich über den Tag austauschen werden. Paulina und Tamara haben unterdessen etwas wehmütig die Heimreise angetreten. „Mich haben besonders die Predigten ermutigt, mehr in der Bibel zu lesen“, resümiert Paulina. Vielleicht stecken die zwei Mädchen ja wiederum ein paar Freunde von ihrer Missio-Camp-Begeisterung an. Denn nächstes Jahr wollen sie auf jeden Fall wiederkommen. „Aber dann die ganzen zwei Wochen!“

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