Ein Sprung veränderte sein Leben
Ein absoluter Alptraum: Alexander Kuhn erwacht im Krankenhaus und kann den größten Teil seines Körpers nicht mehr bewegen. Ein einziger waghalsiger Sprung ins Wasser hatte sämtliche Lebensträume des sportlichen 21-Jährigen zerstört. Alexander ist wütend auf Gott und die Welt. Er denkt an Selbstmord. Schließlich lernt er Jesus Christus kennen und sein Leben bekommt eine erneute Wende.
Es ist der heißeste Tag des Jahres. Alexander trifft sich mit Freunden am Halterner See im Münsterland. Erst vor kurzem hat der Russlanddeutsche seine Handelsschule hinter sich gebracht. Bis sein Wehrdienst hat er noch genügend Zeit, um die Sonne zu genießen. Doch der sportliche junge Mann – dessen Hobbys Fußball, Tischtennis und Eishockey sind – will nicht nur faul am See herumliegen. Stattdessen klettert er auf einen kleinen Berg und springt ins Wasser. Was dann passiert ist, weiß er nicht mehr. Erst zwei Wochen später erwacht er – aus dem Koma.
Diagnose: Querschnittslähmung
Alexander hat sich bei dem Sprung das Rückenmark zerschlagen. Die Diagnose: Querschnittslähmung. Seitdem ist er auf den Rollstuhl angewiesen. „Ich war geschockt“, erinnert er sich zurück. Was die Behinderung für ihn bedeuten würde, dämmerte ihm aber erst mit der Zeit. Er war wütend – auf Gott, sich selbst, seine Umgebung, einfach jeden. „Zum Glück war ich anfangs zu schwach zum Reden, sonst hätte ich in dieser Zeit bestimmt viele Menschen mit meinem Ärger verletzt.“ Während er im Krankenhaus liegt, besucht ihn auch oft seine Ex-Freundin Natascha. Die beiden arbeiten ihre bereits vor dem Unfall zerbrochene Beziehung wieder auf und werden erneut ein Paar. „Der Krankenhaus-Aufenthalt hat uns die Möglichkeit gegeben, uns besser kennenzulernen und Probleme zu klären“, sagt Natascha.
Selbstmordgedanken
Vor seinem Unfall war Alexander ein Draufgänger: Mit 15 Jahren soff er sich das erste Mal bewusstlos. Ein halbes Jahr später fing er an zu kiffen. Unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen zettelt er Schlägereien an, um zu beweisen, dass er „cool“ ist. Als er nach acht Monaten aus dem Krankenhaus entlassen wird, versinkt Alexander in Depressionen. Er macht da weiter, wo er aufgehört hat: Raucht und trinkt, wird aggressiv gegenüber seiner Familie. „Ich habe sie angeschrien, wenn ich meinte, dass sie mir nicht richtig halfen.“ Gerade die, die ihn am meisten unterstützten, habe er durch seine Art terrorisiert, erzählt er.
Hinzu kommen Selbstmordgedanken. Freilich – als Querschnittsgelähmter sind die Möglichkeiten eingeschränkt. „Doch ich hatte ja genug Zeit, um Pläne zu schmieden.“ Er überlegt, wie seine Familie es verkraften würde, wenn er nicht mehr da wäre. „Meinem Vater, Geschwistern und meiner Freundin hätte ich zugetraut, dass sie es verarbeiten können. Aber meiner Mutter hätte ich dies nicht antun können.“ Allein die Angst, was aus ihr werden würde, habe ihm vom Selbstmord abgehalten, sagt Alexander.
Aus einem Bibelkreis wird eine Gemeinde
Die erneute Wende seines Lebens kommt, als ihn ein Freund erzählt, dass er Christ geworden ist. Der einst drogensüchtige Dimitri hat Jesus kennengelernt. Er nimmt Alexander mit zu einem christlichen Jugendtreffen. Alexander entscheidet sich, Christ zu werden. Er fängt an, für seine Freundin und seine Familie zu beten. Schließlich bekehren sich auch Natascha sowie seine und ihre Mutter. Sie lesen regelmäßig in der Bibel. Immer mehr Leute kommen zu dem wachsenden Kreis. Weil es sich vor allem um russlanddeutsche Christen handelt, schließen sie sich nicht der Landeskirche an, sondern gründen ihre eigene Gemeinde. Inzwischen kommen etwa 40 Gottesdienstbesucher pro Woche.
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