Ein Christ als Retter vor dem Abstieg
Die Hoffnungen beim 1. FC Köln ruhen auf einem Baptisten: Der 48-jährige Frank Schaefer soll die „Geißböcke“ vor dem Abstieg in die 2. Fußball-Bundesliga bewahren. Doch nur drei Tage nach seiner Berufung und der Entlassung seines Vorgängers verlor die Mannschaft am vergangenen Wochenende in Mönchengladbach erneut mit 0:3.
Um seinen neuen Job ist Schaefer nicht zu beneiden. „Ein Himmelfahrtskommando“, heißt es in den Medien: 66 Gegentore und 18 Niederlagen sind in dieser Saison Rekord. Für Fußballexperten ist die Mannschaft eine „Chaos-Truppe“ oder ein als „charakterlos verschriener Haufen“. Während die Spieler nach der letzten „Klatsche“ in Mönchengladbach durch einen Nebenausgang aus der Tiefgarage des Stadions „feige fliehen“ – so der Kölner „Express“ –, stellt sich allein Schaefer den enttäuschten Fans. Er appelliert an ihre Solidarität: „Wir haben noch drei Spiele. Wir dürfen jetzt nicht gegeneinander sein. Es geht nur mit Geschlossenheit.“ Trotz der Niederlage sieht Schaefer „positive Ansätze“: „Das war keine leblose Mannschaft.“
„Der Glaube spielt die Hauptrolle“
Er hat den Trainerjob zum zweiten Mal übernommen: Im Oktober 2010 stand „Köln“ auf dem 17. Tabellenplatz. Schaefer schaffte tatsächlich den Klassenerhalt 2011. Doch dann trat er vor einem Jahr völlig überraschend zurück. Das angespannte Verhältnis zum damaligen Sportdirektor Volker Finke dürfte dabei eine Rolle gespielt haben. Finke – der mittlerweile den Verein verlassen hat – hatte sich wiederholt kritisch zum Glauben des Trainers „mit Missionsauftrag und Erwachsenentaufe“ geäußert und die Baptisten als Sekte bezeichnet. Schaefer hatte gekontert, dass gerade sein Glaube ihm Kraft für die Aufgabe gebe: „Der Glaube spielt die Hauptrolle in meinem Leben.“ Seit 1973 ist er Trainer in seiner Heimatstadt. „Das ist ein Geschenk“, meint der Diplom-Sportlehrer. Rückendeckung für seine erneute Berufung in die 1. Liga bekam er auch aus dem Internet: Eine Facebook-Gruppe mit dem Titel „Wir wollen Frank Schaefer zurück zum 1. FC Köln“ hat über 10.000 Mitglieder.
Trainer bedankt sich für Gebete
Trotz seiner Prominenz: Unter den 240 Mitgliedern in der Baptistengemeinde Köln-West spielt Schaefer keine Sonderrolle. Dort ist man vielmehr davon beeindruckt, wie ruhig ihn der Trubel lässt. Er weiß um die Kraft des Gebets und hat sich bei der Gemeinde dafür bedankt, dass sie betend hinter ihm steht.
Er ist Mitarbeiter im Beta-Kurs
Er ist ein Fan von Glaubenskursen. Weil der bekannte „Alpha-Kurs“ ihn in seinem Glauben gefestigt hat, engagierte er sich in seiner Gemeinde als Mitarbeiter im „Beta“-Folgekurs. Schaefer bekennt, noch nie dafür gebetet zu haben, „dass wir ein Spiel gewinnen“. Trotzdem, witzelte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, wird er für seine Mission Klassenerhalt „ein wenig Beistand von oben brauchen“: In den nächsten drei Spielen geht es gegen Stuttgart, Freiburg und Bayern München – keine leichten Aufgaben.
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